Zuwachs beim Altglas: Minolta MD 70-210 F4

„Natürlich kann man auch mit AF-Objektiven manuell fokussieren, aber irgendwie macht das mit den „alten Schätzchen“ mehr Spaß …“

Diesen Satz habe ich in meinem Beitrag zur Nutzung von M42-Objektiven an der alpha 850 zum ersten Mal verwendet und er ist bis heute unverändert richtig. Neu in der Familie der manuellen Objektive in meinem Schrank ist das Minolta MD 70-210 F4 aus dem Jahr 1983, über das ich in diesem Beitrag berichten möchte.

Das Objektiv

Das Minolta MD Zoom 70-210mm F4 ist ein komfortables Schiebezoom aus dem Jahr 1983, besteht optisch aus 12 Elementen in 9 Gruppen, hat einen Durchmesser von 72 mm und eine Länge von 153 mm ohne und 185 mm mit angesetztem E-Mount Adapter bei einem Gewicht von 635 Gramm. Im Vergleich dazu wiegt das neue SEL FE 70-200 mm F4 G OSS von Sony 840 Gramm ohne Stativschelle bei 80 mm Durchmesser und einer Länge von 175 mm, verfügt dafür aber über Ultraschall-Autofokus und integrierte optische Bildstabilisierung. Die Brennweitenverlängerung per Schiebezoom führt nicht zu einer Verlängerung des Objektivs; lediglich beim Fokussierung im Nahbereich verlängert sich das Objetiv um maximal 17 mm.

Der Minimalfokus liegt beim MD 70-210 bei 1,1 m und beim FE 70-200 bei 1 m; beide verfügen über eine Offenblende von 4. Den optischen Vergleich bleibe ich mangels FE 70-200 G erst einmal schuldig; preislich liegen beim Verfassen dieser Zeilen Welten: Das MD 70-210 habe ich für 65,00 € zzgl. 35,00 € für den Adapter erworben, das FE 70-200 G OSS wäre für 1.349,00 € zu bekommen, was Faktor 13,5 entspricht.

An der a7

Minolta MD 70-210 F4 an ILCE-7Wenn ich die Kombination aus ILCE-7 und Minolta MD 70-210 F4 mit geschlossenen Augen in die Hand nehme, fühle ich mich an die Zeit des 35mm-Films erinnert, als ich das gleiche Objektiv an der Minolta XD-7 hatte – das war vor ca. 20 Jahren…. alles Gute kommt wieder, ist man geneigt zu sagen. Insgesamt vermittelt das Paar bei entsprechender, richtiger Kamerahaltung ein ausgewogenes Gefühl. Der breite, geriffelte Bereich für den Schiebezoom liegt gut in der Hand und vermittelt eine wertige Haptik sowie die nötige Griffigkeit um Kamera und Objektiv bei 210mm Brennweite auch mal alleine in der rechten Hand ruhen zu lassen. Bei der Einstellung auf 70mm zieht die Schwerkraft etwas mehr an der Kamera, was aber trotzdem nicht unangenehm ist. Lediglich beim Umfassen vom Schiebezoom zum Blendenring merkt man die Kopflastigkeit des Gesamtsystems.

Abbildungsleistung

Alle Bilder bzw. deren Ausschnitte wurden vom RAW ohne Nachschärfen oder sonstiger Korrektur aus Lightroom 5.4 exportiert.

70 mm
Vergleich_ILCE-7_70mm100 mm
Vergleich_ILCE-7_100mm150 mm
Vergleich_ILCE-7_150mm210 mm
Vergleich_ILCE-7_210mm

An der a6000

Minolta MD 70-210 F4 an ILCE-6000

Die Kopflastigkeit beim Umfassen zwischen Schiebezoom und Blendenring ist bei der ILCE-6000 ähnlich. Was sich aber grundlegend ändert ist die Balance, wenn das Gesamtsystem nur am Schiebezoom in der linken Hand ruht. Hier merkt man, dass die ILCE-6000 im Vergleich zur ILCE-7 deutlich leichter ist und die Schwerkraft weniger stark an der Kamera zieht – besonders bei 70 mm Brennweite, wo der Schiebezoom ganz nach vorne geschoben ist. Tatsächlich empfinde ich die ILCE-6000 in Verbindung mit einem schwereren Objektiv wie diesem etwas komfortabler für meine Hände als die ILCE-7.

Abbildungsleistung

Für die Bewertung der Abbildungsleistung an der ILCE-6000 habe ich mir die Erstellung von Ausschnitten der unteren linken und oberen rechten Ecke erspart, da ich mir zutraue diese Bewertung aus den Bildern von der ILCE-7 abzuleiten. Auch hier wurden alle Bilder bzw. deren Ausschnitte vom RAW ohne Nachschärfen oder sonstiger Korrektur aus Lightroom 5.4 exportiert.

70, 100, 150 und 210 mm
Vergleich_ILCE-600_70-100-150-210mm

Mein Fazit

Eine Tatsache möchte ich direkt zu Beginn deutlich machen: Weder die ILCE-7 noch die ILCE-6000 verfügen über eine Sensorstabilisierung, was den Fotografen mit dieser Kombination wieder gute 10 – 15 Jahre in der Sonyentwicklung zurückwirft. Mal abgesehen vom elektronischen Sucher fühlt sich das 70-210 an der ILCE-7 an wie damals an der guten, alten Minolta XD-7. Belichtungszeiten unter 1/200 Sekunde sind ohne Stativ eine Herausforderung.

Zur Abbildungsleistung: Die Bilder zur Beurteilung der Abbildungsleistung an der ILCE-7 und der ILCE-6000 bei den Brennweiten 70, 100, 150 und 210 mm sowie bei den Blenden 4, 5.6, 8 und 11 habe ich nicht aus Langeweile gemacht, sondern weil mir der Verkäufer das Objektiv vorab vor Bezahlung zur Begutachtung überlassen hat und ich mir ohnehin irgendwie ein sprichwörtliches Bild verschaffen wollte. Insgesamt bin ich mit der Abbildungsleistung an der ILCE-7, also am Kleinbildsensor mehr als zufrieden, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um ein Objektiv für 65,00 € handelt. Tatsächlich ist mit ein wenig Korrektur bei Schärfe und Farbfehlern wie CA noch eine deutliche Verbessung zu erzielen, wie examplarisch durch nachfolgende Bilder bei 70 und 210 mm zu sehen ist. Eine Schwäche hat das Objektiv: Ab 150mm bis 210 mm tritt im oberen rechten Bereich ein deutliche Unschärfe auf, die weder durch präzises, manuelles Fokussieren noch in der Nachbearbeitung korrigierbar ist. Wenn man das weiß und beim Fotografieren berücksichtigt kann man damit sehr gut leben. Hier einige Vergleiche ohne und mit Nachbearbeitung (Lightroom: Schärfe 60, Radius 0,9 und Chromatische Abberation entfernen) bei 70, 100, 150 und 210 mm und Offenblende:

70mm_mitte70mm_mitte100mm_mitte100mm_mitte150mm_mitte150mm_mitte210mm_mitte210mm_mitte

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1 Antwort zu Zuwachs beim Altglas: Minolta MD 70-210 F4

  1. frank sagt:

    bestätigt meine erfahrung mit meinen alten manuellen zooms an meiner nex3n
    man kann damit ganz brauchbare bilder machen ist ne günstige alternative zu
    den teuren af objektiven wenn man sich damit etwas beschäftigt

    gruss frank

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