Howto: Photobooth

Für einen meiner letzten Aufträge wurde wieder ein Fotostand (Photobooth) gewünscht – dieses Mal jedoch nicht in Form eines mobilen Studios, wo verschieden große Personengruppen portraitiert werden sollten, sondern in Form eines Selfie-Photobooth, wo man sich trifft und per Fernauslöser selber den Zeitpunkt der Aufnahme bestimmt.

In diesem Beitrag möchte ich kurz beschreiben was man braucht um einen Fotostand mit Selbstauslöser einzurichten. Dabei wird es einige sicherlich verwundern, warum ich mit dem Thema Licht und nicht mit der Kamera anfange.

Licht

Für die Ausleuchtung der zu fotografierenden Personen benutze ich 3 Yongnuo YN-600 Pro LED Videolichter. Sie liefern maximal 4680 Lumen auf 1 Meter Abstand bei 5.500 Kelvin Farbtemperatur und erzeugen bei 100% Leuchtleitung sehr wenig Wärme, was sie für den Einsatz in der Nähe von Dekomaterial und Kunststoff-Zeltplanen empfiehlt. Die LED-Strahler können sowohl über Netzteile mit Dauerstrom als über 2 Batterien vom Typ Sony NP-F der Serien 750, 550, 950/B, 530, 970, F970/B, 570, 770, 960, 930, 930/B, 950 oder 330 mit Strom versorgt werden.

Zum Thema „Beleuchtung / Ausleuchtung“ bin ich im Vorfeld und während des Aufbaus gefragt worden, ob denn eine Blitzanlage nicht besser wäre. Die Antwort ist „Nein“, denn gegen eine Blitzanlage gibt es folgende Gründe, um nur die Wichtigsten zu nennen:

  1. LED-Leuchten erzeugen eine gleichbleibende Lichtmenge, während je nach Blitzanlage nur ein mehr oder weniger schwaches Einstelllicht verfügbar ist, dass evtl. weitere Probleme wie z.B. beim Autofokus der Kamera verursacht.
  2. Ein unbeaufsichtigter Photobooth wird gerne und viel von kleinen und großen Kindern benutzt, die sehr viele Auslösungen verursachen. So können an einem Abend je nach Größe der Gesellschaft sehr leicht 500, 1.000 und mehr Bilder entstehen und es wird auch häufig sehr schnell hintereinander ausgelöst, was bei einer Blitzanlage auch zu Verzögerungen bei den Blitz-Ladezeiten und dadurch zu falsch belichteten Bildern führen kann, wenn der eine oder andere Blitz nicht zündet.
  3. Sicherlich kann man denken, dass das Blitzlichtgewitter Interesse erzeugt, was aber nur am Anfang der Fall ist. Über den gesamten Zeitraum von mehr als 8 Stunden Photobooth werden die Blitze irgendwann stören, besonders dann, wenn der Photobooth nicht vollständig räumlich getrennt benutzt wird.
  4. Eine Omega-Blitzröhre hat eine deutlich geringere Lebensdauer als eine LED-Videoleuchte und kostet je nach Typ mindestens so viel wie eine LED-Videoleuchte mit einer mittleren Lebensdauer von 50.000 Stunden.

Kamera und Objektiv

Nein, ich gebe jetzt keine Empfehlung für oder gegen das eine oder andere Kamerasystem ab. Jede Kamera, die folgende Kriterien erfüllt ist für diesen Einsatz geeignet:

  • Live-View HDMI-Ausgang
  • Anschluss eines Funkfernauslösers
  • Brennweite von 24-70mm (umgerechnet auf KB-Format)
  • Anschluss einer externen Stromversorgung
  • rauschfreie Bilder bei ISO 1600

Vom Einsatz mit Akkus rate ich ab, wenn der Photobooth unbeaufsichtigt betrieben wird, denn nach Murphys Law fallen die Akkus immer dann aus, wenn man gerade mit anderen Dingen beschäftigt ist. Ebenso rate ich davon ab einen Fernauslöser mit Kabel zu benutzen, denn je später der Abend und je lockerer und heiterer die Gäste desto größer wird die Gefahr, dass mal jemand vergißt den Kabelauslöser aus der Hand zu legen und reißt dann beim Verlassen des Photobooth die Kamera mit sich.

Für die, die es dann doch interessiert. Ich benutze für den Photobooth aktuell folgende Ausrüstung:

  • Sony ILCE-6000 mit einem 16-70 mm Objektiv
  • Funkfernauslöser Pixel TW-282-S2
  • Sony AC-PW20 als externe Stromversorgung

Sonstiges

Als Display / Monitor, damit sich die Benutzer des Photobooth selber sehen können, reicht ein einfacher Computermonitor oder Fernseher mit DVI-/HDMI-Eingang. Allerdings muss dieser die Fähigkeit haben ein HD-Signal (1080/60i) darzustellen (bitte vorher testen).

Zu den Kameraeinstellungen kann ich folgende Empfehlung geben. Diese Bilder werden nicht für große Ausdrucke verwendet und daher sollte eine Bildgröße von etwas um die 6 Megapixel im Format JPG ausreichen. An der ILCE-6000 wähle ich den Kreativmodus „Vivid“ für etwas sattere Farben. Weiterhin wähle ich den M-Modus mit Blende 5.6 bis 7.1 (je nach Brennweite und Anforderung an die Schärfentiefe) und einer Belichtungszeit zwischen 1/100 und 1/200 Sekunde bei einer Lichtempfindlichkeit von maximal 3.200 ISO bei Auto-ISO. Diese Parameter können aber je nach Umgebungslicht schwanken.

Hier ein Foto vom Aufbau und eine kleine Skizze dazu: PhotoboothPhotobooth_Skizze

Das Schöne an diesem Selfie-Photobooth ist, dass Erwachsene zu Kindern werden und Kinder ihre evtl. vorhandene Scheu vor einer Kamera vollständig ablegen und auf total verrückte Ideen kommen.

Viel Spaß!

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