Endlich ein brauchbares Weitwinkelzoom für die α7

Dieser Beitrag in EnglischEndlich konnte ich das lang erwartete FE16-35mm F4 ZA OSS beim lokalen Fachhändler abholen. Hier die ersten Erfahrungen mit diesem Objektiv.

Das Objektiv

FE16-35mm F4 ZA OSS

Seit meinem Umstieg vom A-Mount mit der α99 und der α77 hin zum E-Mount mit α7 und α6000 habe ich auf einen adäquaten Ersatz für das SAL 16-35F28 ZA gewartet, besonders seit sich die α7 im Gebrauch befindet und ich vor einigen Wochen auch das SAL 16-35F28 ZA verkauft habe, denn es war mir in Verbindung mit dem Adapter LAEA-4 zu groß und zu schwer an der α7. Seit Beginn der α7-Nutzung habe ich mich für Weitwinkelaufnahmen mit dem APS-C Pendant, dem SEL 10-18F4 beholfen, welches die Fotowelt damit überraschte, dass es im Bereich zwischen ca. 12 und 16 mm den Kleinbild-Bildkreis der α7 mit erstaunlich guter Qualität ausleuchtet.

 

Köln-Turm

Nebenstehende Langzeitbelichtung ist mit dem SEL 10-18mm F4 an der α7 enstanden. Natürlich muss man bei der Nutzung des APS-C Objektivs einen Leistungsabfall am Rand hinnehmen, der sich aber je nach Motiv sehr gut verstecken lässt.

Aber ich möchte heute nicht über das SEL 10-18F4 schreiben, welches mir an der α6000 weiterhin gute Dienste leisten wird, sondern über den Vollformat-Ersatz des SAL 16-35F28 ZA.

Vergleich der technische Daten:

Zwar sind beide Objektive für Kleinbild-Sensoren gerechnet, aber trotzdem ist der Vergleich etwas unfair, denn die FE-Variante für E-Mount ist eine ganze Blende lichtschwächer. Der Vergleich der nackten technischen Daten:

SAL 16-35F28 ZA FE16-35mm F4 ZA OSS
Gewicht 900 gr 518 gr
Filterdurchm. 77 mm 72 mm
Größe 83 x 114 mm 78 x 98,5 mm
Blende 7 Lamellen 9 Lamellen

Handling

Da ich einen direkten Vergleich in Nutzung und Handling mit dem SAL 16-35F28 ZA nur aus der Erinnerung heraus machen kann, möchte ich bei der Bewertung weniger auf das A-Mount Objektiv eingehen und mich mehr auf das FE-Objektiv an der α7 konzentrieren. Die kleinere Offenblende ermöglicht beim E-Mount eine kompaktere Bauweise und aus der Erinnerung heraus ist das SEL 16-35F28 ZA deutlich größer. Die Größenangaben vermitteln jedoch etwas anderes, was sicherlich der optischen Stabilisierung geschuldet ist. An der Kamera wirkt das Objektiv sehr gut ausbalanciert und ich empfinde die Kombination aus FE-Objektiv und α7 als sehr ausgewogen und nicht im geringsten als kopflastig.

Der Zoomring ist sehr leichtgängig und in etwas weniger als einer viertel Drehung kann von einem Ende des Brennweitenbereichs zum anderen Ende gezoomt werden. Das ermöglicht sehr einfach Bilder mit Zoomeffekt, wie folgendes Bild von unserer Angie:

Zoomeffekt
Unsere Angie als Graffiti

Die Graffitis zeigen auch eine Stärke des Objektivs – die Farbwiedergabe, die aus meiner Sicht untypisch Zeiss sehr warme Farben zeigt.

Farben
Bokeh I

Das letzte Bild von den winterfesten Pollern deutet eine weitere, sehr positive Eigenschaft des FE16-35mm F4 ZA OSS an, auch wenn diese bei einem Weitwinkelzoom mit Anfangsbrennweite von 16 mm nicht unbedingt entscheidend ist. Das Bokeh ist sehr weich und ruhig, was auch das folgende Bild zeigt:

Bokeh II

Sehr positiv aufgefallen ist mir auch die geringe Ausprägung von Abbildungsfehlern, besonders in den Ecken. Hierzu zwei Bilder bei Offenblende, die diesbezüglich nicht in Lightroom korrigiert wurden:

Abbildungsfehler I

Bild bei Flickr in größerer Auflösung um die Bildfehler besser beurteilen zu können!

Abbildungsfehler II

Bild bei Flickr in größerer Auflösung um die Bildfehler besser beurteilen zu können!

Zum Thema Abbildungsleistung möchte ich noch die gute Gegenlichttauglichkeit und die geringe Empfindlichkeit gegen Streulicht erwähnen, was dieses Objektiv nicht zu einer Linse für die aktuell sehr beliebten „lensflares“ macht. Tatsächlich habe ich bei den nachfolgenden Bildern alles versucht um Reflektionen im Objektiv zu erzeugen:

wenig Lensflares I
wenig Lensflares II

Die Verzeichnung ist äußerst gering und aus meiner Sicht eher untypisch für ein Weitwinkelobjektiv – etwas was ich auch schon am SAL 16-35F28 ZA sehr geschätzt habe:

geringe Verzeichnung I
geringe Verzeichnung I
geringe Verzeichnung III
geringe Verzeichnung IV

Der Autofokus ist auch im Bereich der Naheinstellgrenze treffsicher und pfeilschnell, auch wenn der Schwan jetzt nicht mit Höchstgeschwindigkeit in meine Richtung geschommen kam. Der Schwann war bei 16mm Brennweite in diesem Bild schon sehr nah am Objektiv:

Naheinstellgrenze

Fazit

Ich freue mich, dass das FE 16-35mm ein vollwertiger Ersatz für das A-Mount ist, zumindest aus Sicht der Abbildungsleistung. Eine Blende weniger Lichtstärke ist zu verschmerzen, denn das gleicht die α7 durch ihre bessere ISO-Leistung im Vergleich zur z.B. α99 wieder aus. Ich freue mich auf weitere Stunden mit diesem Objektiv – ich denke die Nutzung im Bereich der Architekturfotografie wird der des A-Mount-Pendants in nichts nachstehen.

Nachtrag: Alle Bilder im Beitrag gibt es auch in höherer Auflösung bei Flickr

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11 Antworten zu Endlich ein brauchbares Weitwinkelzoom für die α7

  1. San sagt:

    Hallo – Du schreibst von geringer Verzeichnung, aber bei den beiden Fotos sowie bei dem Foto mit dem Schwan kippen die Häuser ganz grausam vom Rand Richtung Mitte. Meine Frage ist nun, ob dabei das Objektiv korrekt gerade ausgerichtet war oder nach oben oder unten gekippt (es sieht so aus!). Eine Aufnahme von _dsc09106 mit gerader Ausrichtung bei 16mm würde mich freuen – und dann wünsche ich mir keine so heftige Verzeichnung, die die Beispielfotos für mich zumindest unbrauchbar machen 😉
    Deine Meinung dazu würde mich interessieren.

    • J. Haag sagt:
      Verfasser

      Hallo Sandra,

      Danke für Dein Interesse an meinem Beitrag. Beim Bild DSC009106 habe ich die Kamera tatsächlich leicht nach oben gekippt. Mit diesem Bild, wie auch mit dem vorherigen Bild (DSC9108) wollte ich zeigen, dass gerade Linien am Rand nicht nach innen gekrümmt werden, was bei 16 mm bemerkenswert ist und daher die Bilder alles andere als unbrauchbar machen :-). Wenn sich die Kamera in der hoirzontalen Waage befindet ist die Verzeichnung sehr gering (siehe Bilder https://joerghaag.files.wordpress.com/2014/11/dsc09162.jpg, https://joerghaag.files.wordpress.com/2014/11/dsc09174.jpg und https://joerghaag.files.wordpress.com/2014/11/dsc09140.jpg). Nicht vergessen, die interne Objektivkorrektur wurde deaktiviert – ein Vergleich mit und ohne Objektivkorrektur folgt in Kürze. Meine Meinung ist: Es gibt wenige Objektive die bei 16mm eine derart geringe Verzeichnung am Rand aufweisen wie das FE 16-35.

      Liebe Grüße, Jörg

      P.S.: Tolle Bilder, die ihr auf eurer Homepage habt!

      • San sagt:

        Hallo Jörg – vielen Dank für Deine schnelle Antwort 🙂 Ja, ich war mir schon sicher, dass sie geklippt sein müssen! Aber ganz überzeugend ist es dennoch nicht (ich bin ziemlich allergisch auf krumme Bäume im Wald 🙂 ) und ich denke, ich bleibe bei den adaptierten Zeiss ZE’s bzw. wenn ich das Samyang 14mm sauber korrigiere, bleiben auch knapp 16mm übrig.
        Ich glaube, in diesem Leben werden Zooms und ich keine Freunde mehr – das gilt aber auch für die Canon Zooms und hat jetzt weniger mit diesem hier zu tun.
        Danke auch für Dein Kompliment – freut mich, dass Dir die Fotos gefallen 😉
        VG – San

      • J. Haag sagt:
        Verfasser

        Ja, Zooms sind immer ein Kompromiss, aber ich bin überzeugt: Wenn man das FE 16-35 sauber korrigiert ist ebenso gut wie jedes andere Weitwinkel. Nochmal: Alle diese Bilder sind unbearbeitete RAWs, das sollte man bei der Bewertung nicht vergessen. Wenn das Samyang 14mm aber für Dich funktioniert dann hast Du doch alles was Du brauchst. 😉

      • San sagt:

        ja schon, aber es wäre auch schön, von Adaptern weg zu kommen! Die Chinesenadapter haben mir die CPU von zwei Zeiss Objektiven zerschossen (weil nicht gegen Kurzschluss gesichert) und Metabones IV macht immer wieder mal Probleme mit neuer Firmware bis zum Totalausfall (schwarzer Bildschirm und Kamera löst nicht aus bei Zeiss FE und teilweise Canon EF Objektiven). 😦

      • J. Haag sagt:
        Verfasser

        Geh doch mal zu einem Sony-Stammtisch in Deiner Nähe. Dort kannst Du Dich bestimmt mit jemandem für eine Tour verabreden, der das Onjektiv hat um Dir ein eigenes Bild zu machen. Eigene Erfahrungen sind nicht durch tausend Berichte und Reviews zu ersetzen.

  2. Rudi sagt:

    Hallo,

    vielen Dank für die schönen Vergleiche mit den Objektiven – ich stehe auch gerade genau vor der Auswahl: Sony A6000, Alpha 7 oder A77-II…

    Da sie ja relevante Sony Kameras & Objektive da haben:
    Was halten Sie denn mal von einem Vergleich der internen Korrekturfunktionen?

    Sowas wird leider viel zu selten gemacht, Beispiel:
    http://www.dpreview.com/reviews/sonyslta77/13
    (CA compensation, Distortion compensation, Shading compensation)

    Es läuft auf folgende Frage hinaus: Welche Kamera+Objektiv-Kombo bietet z.Z. das beste SOOC-JPEG („Straight Out-Of-Camera“)?

    Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen

    • J. Haag sagt:
      Verfasser

      Hallo Rudi,

      interessantes Thema – ich werde mal darüber nachdenken und dann entscheiden, ob ich mir dafür die Zeit nehme, denn die ist immer knapp… 😉
      J.

  3. Wolf sagt:

    Die 100% Leistung bei einem Objektiv gibt es leider nicht und hat jetzt überhaupt nichts mit der sehr guten Vorstellung dieses hervorragenden SWA-Objektivs zu tun! Da hat man mich nicht richtig verstanden, ich wollte nur damit ausdrücken, dass man bei „einem Objektiv“ nicht für alle anderen einer Produktionsreihe sprechen kann, zu mal die von SONY produzierten Objektive mit dem Namen ZEISS nicht wie z.B. bei Cosina, einzeln auf einem K-8 MTF Meter kontrolliert und zertifiziert werden. Warum eigentlich nicht, der Preis dürfte dies rechtfertigen!

  4. Wolf sagt:

    Gegenüber Festbrennweiten, muss man ja bei Zoom-Objektiven immer etwas mehr mit unterschiedlichen Kompromissen leben, die leider der praktischeren Anwendung geschuldet sind! Das neue FE 16-35mm sieht da schon recht gut aus! Allerdings, sind Fotos am PC-Monitor für mich kein richtiger Maßstab, um über die optischen Qualitäten von Objektiven zu sprechen. Jeder Test kann da ja nur für das einzeln getestete Objektiv, mit der Serien-Nr. ? gelten und nicht für die gesamte Produktion! Ferner sind 100% Leistung ein schönes Ammenmärchen!

    • J. Haag sagt:
      Verfasser

      Ich stimme Dir in allen Punkten zu. Lediglich zu Deinem letzten Satz möchte ich kommentieren: In meinem Beitrag steht nirgendwo etwas von 100% Leistung und ich frage mich, warum dieses Argument hier aufführst.

      Übrigens: Alle Bilder dieses Beitrags gibt es auch in höherer Auflösung bei Flickr:

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