Vorsatzachromaten – das „Immer-dabei“ Makro?

ThisArticleInEnglishIch bin ziemlich sicher, dass in der heutigen Zeit kaum noch jemand Vorsatzachromaten nutzt oder vielleicht sogar kennt. Zwei dieser Vorsatzachromaten der Firma Minolta schlafen seit sehr langer Zeit in einer meiner Fotokisten. Neulich bin bei der Suche nach etwas wieder einmal auf diese beiden Vorsatzachromaten gestoßen und …

Ja, und was? Mein erster Reflex war: „Jetzt ist es aber mal an der Zeit diese alten Teile loszuwerden und zu verkaufen – vielleicht interessiert sich jemand dafür!“. Also habe ich die Teile rausgekramt, begutachtet und mir gedacht: „Hmm, Produktbilder und vielleicht Bilder vom gleichen Motiv mit ohne Vorsatzachromat sind bestimmt verkaufsfördernd!“ und beim machen der Bilder habe ich etwas herausgefunden. Hier die beiden Vorsatzachromaten mit ihren technischen Details:

DSC01812

Minolta 49mm No. 1 Minolta 55mm No. 2
Korrektur +2,0 Diopt. +3,8 Diopt.
Gewicht inkl. Schutzgehäuse  46 g  96 g

Vorsatzachromat oder Nahlinse

Bevor ich zu den Möglichkeiten beim Einsatz meiner beiden Vorsatzachromaten komme, vielleicht ein paar Worte zu den Unterschieden zwischen Vorsatzachromaten und Nahlinsen.

Vorsatzachromaten und Nahlinsen werden beide vorne auf das Objektiv geschraubt – das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit. Nahlinsen bestehen aus einer einfachen Sammellinse während Vorsatzachromaten aus einer Sammellinse und einer Streulinse bestehen, die teilweise die chromatische Aberration korrigieren und damit über eine bessere Abbildungsqualität verfügen als Nahlinsen.
Quelle: http://www.elmar-baumann.de/fotografie/lexikon/vorsatzachromat.html

Etwas verwirrend ist der Schriftzug „CLOSE-UP LENS“ auf der Verpackung, welcher auf eine einfache Nahlinse schliessen lassen könnte. Meine Recherchen haben aber ergeben, dass es sich hierbei um achromatische Nahlinsen handelt, die aus den beiden oben erwähnten Linsen bestehen und nicht um einfache Nahlinsen.
Quellen: http://www.sonyuserforum.de/forum/archive/index.php/t-13555.html, https://naturfotografen-forum.de/o129703-Achromaten%20-%20Tabelle%201

Passende Objektive

Meine beiden Minolta-Achromaten stammen aus einer Zeit, als der Großteil der Objektive mit 49 und 55mm relativ geringe Durchmesser der Frontlinse hatten – also aus der guten alten Analog- oder Filmzeit. Als ich den letzten Jahren digital mit Sony A-Mount fotografiert habe befand sich so gut wie kein modernes Objektiv in meinem Schrank auf die ich diese Achromaten hätte aufschrauben können. Nun, nach meinem vollzogenen Wechsel auf E-Mount, habe ich beim Ausprobieren dieser beiden Achromaten zu meiner Überraschung festgestellt, dass ich wieder über 6 Objektive verfüge, an die ich diese Achromaten schrauben kann. Dabei geht weder die Funktionalität der Streulichtblende noch des Objektivdeckels verloren. Hier die Übersicht der Objektive an welche die Achromaten passen:

APS-C – Sensor (Sony alpha 6000) Kleinbild-Sensor (Sony alpha 7)
Objektiv ø Filtergewinde Objektiv ø Filtergewinde
E 20 mm F2,8 49 mm Sonnar® T* FE 35 mm F2,8 ZA 49 mm
E 35 mm F1,8 OSS 49 mm Sonnar® T* FE 55 mm F1,8 ZA 49 mm
Vario-Tessar® T* E 16 – 70 mm F4 ZA 55 mm FE 28–70 mm F3,5–5,6 OSS 55 mm

Wirkung

Um die Bildwirkung zu demonstrieren habe ich einen simplen Aufbau mit Einstellschlitten verwendet. Als Objekt diente das Ziffernblatt einer Uhr aus dem Schrank – ich trage schon seit Jahren keine Uhr mehr – mit einem Durchmesser von 2,8 cm. Als Objektive habe ich das Sonnar® T* FE 35 mm F2,8 ZA und das FE 28–70 mm F3,5–5,6 OSS bei 70mm an der Sony alpha 7 verwendet.

Sonnar® T* FE 35 mm F2,8 ZA

ohne /without Achromat
ohne / without Achromat
mit /with Achromat 49 No.1 +2 Diopt.
mit / with Achromat 49 No.1 +2 Diopt.

Das Ziffernblatt mit seiner Größe von 28 mm erstreckt sich im Bild ohne Achromat über einen Durchmesser von 612 Pixel, was ca. 22 Pixel pro Millimeter macht:

ohne /without Achromat
ohne / without Achromat

Im Bild mit dem Minolta Achromat 49 No.1 mit +2 Dioptrien Korrektur werden 958 Pixel im Durchmesser belegt, was ca. 34 Pixel pro Millimeter macht und einer Vergrößerung von ca. 1,5 entspricht. Die Naheinstellgrenze wird dabei um ca. 9 cm reduziert:

mit /with Achromat 49 No.1 +2 Diopt.
mit / with Achromat 49 No.1 +2 Diopt.

FE 28–70 mm F3,5–5,6 OSS bei 70mm

ohne / without Achromat
ohne / without Achromat
mit / with Achromat 55 No.2 +3.8 Diopt.
mit / with Achromat 55 No.2 +3.8 Diopt.

Beim FE 28–70 mm F3,5–5,6 OSS ohne Achromat und bei 70mm bedeckt das Ziffernblatt im Durchmesser 979 Pixel, was wiederum 35 Pixel pro mm entspricht:

ohne / without Achromat
ohne / without Achromat

Das Ziffernblatt bedeckt bei Verwendung des Minolta Achromat 55 No.2 mit +3.8 Dioptrien Korrektur im Durchmesser 2150 Pixel, was 77 Pixel pro mm und damit einer Vergrüßerung von ca. 2,2 enspricht. Die Naheinstellgrenze verringert sich um mehr ca. 15 cm.

mit / with Achromat 55 No.2 +3.8 Diopt.
mit / with Achromat 55 No.2 +3.8 Diopt.

Fazit

Überrascht bin ich, was mit dem FE 28–70 mm F3,5–5,6 OSS inkl. Achromat möglich ist. An der Sony alpha 6000 erwarte ich unter Verwendung des Vario-Tessar® T* E 16 – 70 mm F4 ZA wegen des Cropfaktors mehr Sensorabdeckung des Ziffernblattes – ausprobiert habe ich es jedoch nicht.

Mit diesen Ergebnissen bin ich aber erst einmal wieder ab vom Vorhaben die Achromaten zu verkaufen und werde diese zukünftig bei Wanderungen häufiger dabei haben. Ein Makro-Objektiv wie z.B. das Venuslens / LAOWA 60mm F2.8 Ultra Macro 2:1 kann ein Achromat natürlich nicht ersetzen, aber sie sind sicherlich ein nettes und leichtes „Immerdabei“ um kleine Objekte etwas größer abzubilden.

Links

http://www.elmar-baumann.de/fotografie/lexikon/nahlinse.html

http://www.elmar-baumann.de/fotografie/lexikon/vorsatzachromat.html

http://www.elmar-baumann.de/cgi-bin/foto/fotocgi

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2 Antworten zu Vorsatzachromaten – das „Immer-dabei“ Makro?

  1. hansekiki sagt:

    Ich würde die Linsen auch nicht weggeben. Nicht immer schleppt man ein Makro mit sich rum und wenn man „nur“ mal nah ran möchte, ist dies doch eine gute Alternative. Deine Bildbeispiele sind da sehr überzeugend.
    LG kiki

    • Peter Schubert sagt:

      Die Nr. 0 ist aber auch nicht zu verachten, viele nehmen diese Linse zu gering wegen ihrer Schwäche, aber ich benutze sie gerne auf Brennweiten bis 200 – 300mm beim Fotografieren von Schmetterlingen. Mit der Null auf dem Objektiv wird das Tele-Zoom zum Makro-Zoom.

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