ILCE-7RII: A-Mount mit LA-EA3 oder LA-EA4 ?

ThisArticleInEnglishDie Sony ILCE-7RII bietet – neben vielen anderen Neuerungen – auch einen verbesserten Autofokus im Vergleich zum Vorgänger und den Schwestermodellen. Sie soll sogar den etwas teureren, schwereren und größeren Sony LA-EA4 bei der Verwendung von A-Mount-Objektiven mit SAM- und SSM-Antrieb überflüssig machen und mit dem LA-EA3 Adapter bei der Fokussierung mit E-Mount-Objektiven gleich auf sein. Das wollte ich genau wissen…

Über die vielen Verbesserungen der Sony ILCE-7RII habe ich bereits in meinem Bericht zum Sony alpha Festival geschrieben. Die Verbesserung des Autofokus sticht dabei besonders hervor, denn Sony nutzt die neue Generation von Chips und Sensor auch dazu das AF-Verhalten bei adaptierten Objektiven zu verbessern und das nicht nur bei der Verwendung von z.B. Metabones-Adapter der letzten Generation für den Einsatz von Canon-Objektiven sondern auch bei der Verwendung von A-Mount-Objektiven mit dem Sony LA-EA3, wenn diese Objektive über einen SAM- oder SSM-Fokusantrieb verfügen. Für die Verwendung von Objektiven mit Stangenantrieb benötigt man weiterhin den Sony LA-EA4, das kann ich bereits jetzt vorwegnehmen.

Die Adapter


Die beiden Bilder oben zeigen die Unterschiede zwischen Sony LA-EA3 (links) und Sony LA-EA4 (rechts). Während der LA-EA3 lediglich die elektrische und bajonettseitige Adaption vornimmt, enthält der LA-EA4 zusätzlich ein vollständiges Autofokus-Modul der Sony SLT-65 inklusive der SLT-Spiegelfolie (im linken Bild gut sichtbar) und einen Motor für den Antrieb von Objektiven mit mechanischem Stangenantrieb. Das macht den LA-EA4 nicht nur größer und 55 Gramm schwerer sondern auch zu einem Zubehör, welches sich zusätzlich am ohnehin schon knappen Batteriestrom der spiegellosen Sony-Kameras bedient. Die Kupplung für den Stangenantrieb des A-Mount kann man auf dem oberen rechten Bild sehr schön auf dem rechten LA-EA4 Adapter auf der 5-Uhr-Position erkennen und auch, dass diese beim linken LA-EA3 fehlt.

Funktionsweise der Adapter

Der LA-EA4 hat ein eigenes PDAF (Phase Detection Auto Fokus) -Modul hat und fokussiert somit vollständig unabhängig vom AF-System der Kamera. Der LA-EA3 bietet keine AF-Funktion und ist die Fokussierung ist vollständig vom AF-System der Kamera abhängig. Das PDAF-Modul des LA-EA4 entspricht dem der Sony SLT-65 und verfügt über 15 AF-Sensoren wovon 3 Kreuzsensoren sind. Wer jetzt denkt, der LA-EA3 sei bei allen spiegellosen Kameras von Sony die bessere Wahl, da er das AF-System der Kamera nutzt, den muss ich leider enttäuschen, denn bisher konnte der LA-EA3 nur den Kontrast-AF der angeschlossenen Kameras nutzen, was beim Hybrid-AF der ILCE-6000 25 Kontrastpunkte bedeutet – die 179 OnSensorPhaseDetect-AF (OSPDAF)-Sensoren bleiben ungenutzt. Gleiches gilt auch für den Hybrid-AF bei der ILCE-7 mit 25 Kontrastpunkten and 117 OSPDAF-Sensoren. Das Problem liegt im Prinzip des Kontrast-AF, bei dem die Kontraste an Konturkanten gemessen werden und so lange der Fokus verstellt wird, bis der Helligkeitsverlauf zwischen Hell und Dunkel an dieser Konturkante auf der kürzesten Strecke erfolgt, also am steilsten ist. Diese Methode der Scharfstellung ist deutlich langsamer als das Vorgehen beim Phasenvergleich, auch wenn dieses Verfahren älter ist. Beim Phasenvergleich erfolgt die Messung der Objektentfernung durch Triangulation bei der zwei Sensoren durch die gleiche Linse schauen und damit ein Stereobild zur Verfügung haben. Hierbei ist spätestens nach der zweiten Messung klar in welche Richtung und wie weit fokussiert werden muss. Der Vollständigkeit halber und auch wenn es nichts mit der Funktionsweise der Adapter zu tun hat, soll der Hybrid-AF, der bei allen drei, hier verwendeten Kameras zum Einsatz kommt, nicht unerklärt bleiben. Hierbei werden einige Pixel auf dem Sensor so angeordnet, dass sie die Funktion des Phasen-AF übernehmen können. Der Wechsel zwischen PhaseDetect(PD)- und Kontrast-AF erfolgt in der Standardeinstellung automatisch, so dass bei guten Lichtverhältnissen der präzisere Kontrast-AF verwendet wird und bei schlechten Lichtverhältnissen der schnellere PD-AF. Auf die verschiedenen Konfigurationsmöglichkeiten der Kameras gehe ich hier nicht ein – das wäre aber was für einen eigenen Artikel.

 

Vergleich der Fokussierungsgeschwindigkeit von LA-EA3 und LA-EA4

Mit Einführung der ILCE-7RII – so Sony in der Produktbeschreibung – soll der LA-EA3 nun vollständigen Nutzen aus dem Hybrid-AF der Kamera ziehen, was bei der ILCE-7RII bedeutet, dass der LA-EA3 nun Objektive mit SAM- bzw. SSM-AF über die 399 OSPDAF-Sensor fokussieren kann und das mit annähernd der gleichen Geschwindigkeit mit der ein E-Mount-Objektiv an der Kamera fokussiert.

Bevor ich aber auf dieses neue Feature eingehe möchte ich noch kurz zeigen, wie sich das SAL 70-400 F4-5.6 G SSM jeweils mit LA-EA3 und LA-EA4 an der ILCE-6000 und der ILCE-7 verhält. Hierzu habe ich beide Adapter an allen drei Kameras mit dem Sony SAL 70-400 F4-5.6 G SSM benutzt um jeweils einmal im Nahbereich bei ca. 6 Meter und einmal im Bereich unendlich zu fokussieren und das 3 Mal jeweils im Wechsel von nah auf fern. Per HDMI-Grabber habe ich das Sucherbild aufgezeichnet um die Geschwindigkeit des jeweiligen Adapters per Video zeigen zu können. Für die Zeitmessung der Fokussierungsvorgänge habe ich kein kompliziertes, technisches Gerät verwendet, sondern Video-Einzelbilder gezählt. Die Anzahl der Video-Einzelbilder zwischen Veränderung der Unschärfe im Sucherbild (= Drücken des Auslösers) und Schwarzbild im Sucher bei Auslösung habe ich durch die 25 Einzelbilder / Sekunde geteilt und so die Dauer des Fokussiervorgangs ermittelt – während dieser Zeit blieb der Auslöser gedrückt.

LA-EA3 und LA-EA4 an ILCE-6000

Wie das Video zeigt hat der LA-EA3 an der ILCE-6000 seine liebe Mühe das SAL 70-400 G sowohl im Nah- als auch im Fernbereich zu fokussieren – keine der Messungen liegt unter 5 Sekunden und die zweite Messung im Fernbereich dauert sogar 7,32 Sekunden! Interessant dabei ist: Stellenweise sieht es so aus, als ob der Fokuspunkt schon erreicht sei und das Bild eigentlich gemacht werden könnte. Dann fährt der Fokus aber wieder weg und pendelt sich langsam auf dem (vermutlich) gleichen Punkt wieder ein.

Ganz anders ist das Verhalten des LA-EA4 an der ILCE-6000: Hier dauert der längste Fokusvorgang 0,56 Sekunden, der Kürzeste sogar nur 0,32 Sekunden – wenn man die Ungenauigkeit der Methode mal vernachlässigt, sind das doch recht gute Werte. Da die Messwerte im Video nicht richtig zu lesen sind sondern nur kurz eingeblendet werden hier die Werte der Einzelnen Messungen in einer Tabelle:

Messung LA-EA3 LA-EA4
A 5,52 s  0,40 s
B 6,72 s 0,56 s
C 5,20 s  0,32 s
D 7,32 s  0,56 s
E 5,24 s  0,32 s
F  5,92 s 0,32 s

LA-EA3 und LA-EA4 an ILCE-7

An der ILCE-7 verhalten sich beide Adapter ähnlich wie an der ILCE-6000. Hervorzuheben ist hier, dass die ILCE-7 mit dem LA-EA3 etwas schneller fokussiert als an der ILCE-6000, was mich ehrlich gesagt etwas überrascht denn die ILCE-6000 wird bei Sony als die Kamera mit dem schnellsten AF beworben. Die Kombination von LA-EA4 an der ILCE-7 braucht fast doppelt so lange für die Fokussierung, was mich aber noch mehr überrascht, denn ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass hier das AF-Modul des Adapters die Arbeit macht. Warum ist das so? Diese Frage kann wohl nur ein Sony-Ingenieur konkret beantworten. Meine Vermutung: Letztlich ist wohl alles eine Frage der Software und welche Teile des BionzX-Prozessor den AF-Teil übernehmen. Hier die Tabelle mit den Messungen an der ILCE-7:

Messung LA-EA3 LA-EA4
A 5,04 s  0,72 s
B 5,72 s 1,12 s
C 4,96 s  0,60 s
D 6,28 s  0,88 s
E 4,96 s  0,68 s
F  6,32 s 0,60 s

LA-EA3 und LA-EA4 an ILCE-7RII

Offensichtlich hat Sony nicht übertrieben: „Bei Verwendung des Objektivadapters LA-EA3 können Sie die Vorteile der AF-Phasendetektion auch mit A-Mount-Objektiven (SAM/SSM) nutzen.„. Insgesamt sind an der ILCE-7RII viele Neuerungen hinsichtlich AF-Geschwindigkeit zu vermerken, wie z.B. auch dass der Hybrid-AF ca. 40% schneller geworden ist – überprüft habe ich das allerdings noch nicht. Zurückzuführen ist das wohl alles auf den BSI-Sensor, den rückwärtig belichteten CMOS-Sensor, der dafür sorgt das die Datenübertragung ca. 3,5 mal schneller erfolgt. Das zeigt sich auch darin, dass die ILCE-7RII die erste Kamera der 7er-Reihe ist die über den AF-A Modus verfügt. Auf Nachfrage bei Sony-Mitarbeitern auf dem alpha Festival wurde mir bestätigt, dass das erst mit Einführung des BSI-Sensors möglich war und alle vorherigen Sensoren dafür nicht schnell genug waren.

Da die gemessenen Zeit für die Fokussierung im Video weder für LA-EA3 noch LA-EA4 zu erkennen bzw. abzulesen sind auch in diesem Fall wieder die Tabelle mit der Übersicht, die zeigt, dass die Zeiten bis zum Auslösen des Verschlusses deutlich nachgelassen haben und an die Zeiten mit dem LA-EA4 heranreichen – dabei aber alle Vorzüge des Hybrid-AF bieten, wie z.B. die größere Sensorabdeckung mit AF-Sensoren.

Messung LA-EA3 LA-EA4
A 0,68 s  0,64 s
B 0,60 s 0,52 s
C 0,80 s  0,40 s
D 0,68 s  0,40 s
E 1,00 s  0,56 s
F  0,68 s 0,48 s

Fazit

Kurz formuliert: An der ILCE-7RII macht der LA-EA4 keinen Sinn mehr, es sei denn man möchte weiterhin Objektive mit Stangenantrieb nutzen. An allen anderen spiegellosen Kameras kann der LA-EA4 die Vorteile des PD-AF ausspielen, denn der LA-EA3 nutzt dort nur den langsamen Kontrast-AF – auch wenn man mit dem LA-EA4 den Nachteil der geringen AF-Abdeckung des Sensors in Kauf nehmen muss und „nur“ das AF-Modul der SLT-65 zur Verfügung hat.

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