JOBO LensTRUE: Anwendungsbeispiele virtueller Perspektivenwechsel / Use cases for virtual change of perspective

Heute möchte ich zwei Anwendungsbeispiele für die Nutzung des virtuellen Perspektivenwechsels im JOBO LensTRUE visualizer präsentieren. Natürlich werde ich auch kurz erläutern, was es mit dem virtuellen Wechsel der Perspektive auf sich hat und welche Voraussetzungen vorhanden sein müssen.

Sinn und Zweck des virtuellen Perspektivenwechsels

Nehmen wir an unser Wunsch ist es ein Objekt, z.B. ein schönes Haus, aus der Zentralperspektive zu fotografieren. Leider sind die Gegebenheiten jedoch so, dass die Zentralperspektive, also die Position in der Mitte vor dem Objekt nicht eingenommen werden kann:

  • unzureichender Platz vor dem Gebäude
  • störendes Objekt wie z.B. ein parkendes Auto vor dem Gebäude
  • Abstand zum Objekt kann nicht verkürzt werden weil die Brennweite zu lang ist
  • usw.

Jedoch bietet sich eine gute Aufnahmeposition, wenn man ein paar Schritte nach rechts oder links macht, denn aus dieser Perspektive kann das Gebäude vollständig aufgenommen werden ohne das z.B. die störenden Objekte auf dem Bild wären.

Leider verursacht das verlassen der Zentralperspektive aber nun die bekannten, perspektivischen Effekte wie z.B. dass das Haus an der nahen Hausecke deutlich höher erscheint als an der entfernteren Hausecke, wie im ersten Anwendungsbeispiel dargestellt:

Spirit and purpose of the virtual change of perspective

Suppose we would like to photograph a nice building from the central perspective right in front of the building. Unfortunately the circumstances are that way that there is no chance to shot from the central perspective in the middle and in front of the building because:

  • there is not enough room in front of the building
  • there is an obstacle in front of the building e.g. a parked car
  • you can’t get closer to the building because the minimum focal length of your lens is too long
  • of any other reason.

But, there is a good shooting position a few steps to the right or to the left and you can frame the building entirely without having any of the disturbing objects in the picture.

Unfortunately, leaving the central perspective has some downsides and causes the known perspective effects like e.g. that the building looks much taller at the closer corner of the building than at the distant corner like shown in the first use case:

Wie auf dem linken Bild gut zu erkennen ist, stört hier die Laterne den Blick auf die Fassade. Eine Position näher am Objekt war aufgrund der vorhandenen, kleinsten Brennweite von 16mm nicht möglich und so blieb dann nur ein Wechsel des Standpunktes und damit auch der Perspektive um ca. 17°, wie das rechte Bild zeigt. Die Aufnahme aus der Zentralperspektive mit störender Laterne sieht in der automatisch korrigierten Version wie folgt aus: As you can see on the left picture there is a street lamp disturbing the view onto the facade. Getting closer to the building to move the street lamp out of the frame was not possible due to the minimum focal length of 16mm so all that was left was a change of the position and the perspective by approx. 17° to the left like shown on the right image. The automatically corrected picture from central perspective with the disturbing street lamp looks like follows:
Zentralperspektive LensTRUE Auto / central perspective LensTRUE auto correction
Zentralperspektive LensTRUE Auto / central perspective LensTRUE auto correction
Die Aufnahme von der Seite ohne Laterne vor der Fassade erfordert eine manuelle Anpassung der automatischen Korrektur im JOBO LensTRUE visualizer auf der Y-Achse um -17°. Hier nun das Ergebnis im Vergleich zur korrigierten Fassung aus der Zentralperspektive: The picture take from the angle without the street lamp in front of the facade requires a manual transformation in JOBOs LensTRUE visualizer by -17° on the Y-axis. The following shows the comparison of the image from central perspective with the manually corrected version with virtual change of perspective:
Der virtuelle Wechsels der Perspektive ist auch mit Lightroom Upright realisierbar und wird die Fotografen mit geringeren Ansprüchen unter uns auch zufrieden stellen. Ich persönlich sehe bei der Verwendung von Lightroom Upright nur eine, für mich jedoch entscheidende Einschränkung, die ich hier an Hand von Bildmaterial zeigen möchte. So zeigt die nachfolgende Darstellung den Unterschied in der Abbildung der Proportionen – zum Wechsel der Ergebnisansicht von LensTRUE zu Lightroom Upright genügt es den Mauszeiger über dem Bild zu platzieren (mouse over). Während im Vordergrund das Pflaster an der gleichen Position ist, sind die Objekte mit zunehmender Entfernung in der Lightroom-Version stärker gestaucht, da in Lightroom keine Anpassung der Proportionen in Abhängigkeit von den Parametern stattfindet. The virtual change of perspective is also feasible in Lightroom Upright and will surely satisfy the less demanding photographers amongst us. Using Lightroom Upright has one downside which is an important negative aspect for me and which I would like to demonstrate with image material. The following depiction shows the difference in the rendering of the proportions – move your mouse pointer over the image to switch between the results from LensTRUE and Lightroom Upright. Whereas the lower part of the image is very much the same (look at the paving) the facade and other objects are more and more compressed in the Lightroom correction because Lightroom is not correcting the proportions depending on the parameters of the image.

ausgeblendeter Text: mouseover_Bsp1_VPW

Hinsichtlich der Bildteile am rechten Rand, die am stärksten von der Korrektur betroffen sind, gibt es nur sehr geringe Unterschiede in der Qualität der Interpolation. Vielleicht gibt es an der einen oder anderen Stelle einen minimalen Vorteil von LensTRUE gegenüber Lightroom, da die Interpolation wie auch die Berechnung der Proportionen ortsabhängig erfolgt. Nachfolgende Überblendung zeigt einen Detailausschnitt aus der manuellen Korrektur durch LensTRUE und Lightroom Upright und die Unterschiede in den Proportionen. Der Ausschnitt wurde aus beiden Ergebnissen an den gleichen Eckpunkten der Laterne begrenzt. Der LensTRUE-Ausschnitt wurde in eine Maske eingepasst, die der Ausschnittsgröße aus Lightroom entspricht um zu verdeutlichen, dass das Objekt in LensTRUE etwas kleiner abgebildet wurde. Interessant, aber letztlich eine Nebensächlichkeit. In reference to the image parts on the right which are affected by stronger corrections I can only see very little differences in the quality of interpolation. Maybe there is a little advantage of LensTRUE over Lightroom in one or the other picture element because the interpolation is also done dependent on the position in the image like the correction of the proportions. The following cross-fading shows a cropped detail from the manually corrected images done in LensTRUE and Lightroom Upright and the differences in proportions. The crop was limited in both results by the same corners of the lamp. The LensTRUE crop was fitted into a layer with the size of the Lightroom crop to show, that the object was rendered a little smaller in the LensTRUE correction. Interesting stuff but in the end this is negligibility.

ausgeblendeter Text: mouseover_Bsp1_VPW_crop1

Der zweite Ausschnittsvergleich zielt auf die Qualität am Bildrand ab, wo am durch Interpolation die meisten Bildpunkte hinzugefügt werden mussten. Durch die Unterschiede in der Skalierung der Objekte während der Interpolation in beiden Softwarelösungen sind die beiden Ausschnitte nicht deckungsgleich, lassen aber trotzdem erkennen, dass sich beide Ergebnisse in Sachen Qualität nicht sichtbar unterscheiden. The second comparison of crops is aiming on the image quality at the image border where many pixels had to be added by interpolation. The crops are not matching completely due to the differences in scaling the objects during interpolation in both software solutions but they still show that there is no visible difference in interpolation quality between both results.

ausgeblendeter Text: mouseover_Bsp1_VPW_crop2

Im Folgenden noch ein zweites Beispiel für den Einsatz des virtuellen Wechsels der Perspektive: Hier geht es um den Pfosten im Vordergrund des Bildes, den man in der digitalen Nachbearbeitung wohl auch mit etwas Aufwand hätte entfernen können. The following shows a second example of where to apply the virtual change of perspective. In this image the pole in the foreground is the reason. Of course, this could have been removed in post processing and maybe with little effort.
Auf den ersten Blick sehen sich beide manuell korrigierten Versionen aus Lightroom Upright und LensTRUE sehr ähnlich, aber was in der Galerieansicht nicht unbedingt direkt ins Auge fällt wird in der Überblendung eher sichtbar: Die Linien in der Fassade zeigen einen unterschiedlichen Verlauf. In der Lightroom-Version liegt die Oberkante des Fassadensockels unter der Oberkante der LensTRUE-Version, obwohl die erste Fuge der Bodenplatten gleich verläuft. Je weiter man im Bild nach oben kommt, desto mehr verschieben sich die Oberkanten in der Lightroom-Version nach oben, was darauf schließen lässt, dass die Fassadensteine in Lightroom breiter abgebildet und interpoliert werden als in LensTRUE – wieder die Herausforderung die Proportionen richtig darzustellen. Bleibt jedoch auch hier festzustellen, dass sich beide Versionen sehr ähneln: On a first glance both manually corrected version from Lightroom Upright and LensTRUE look alike but what is not directly visible in the gallery view is shown in the cross-fading or mouse over depiction: The lines in the facade show differences in location. The Lightroom version shows the upper corner of the facade apron below the upper corner of the LensTRUE version although the first line in the paving is at the same position. The more you look at the upper parts in the image the more the lines move up in the Lightroom version which indicates that the facade bricks are interpolated and depicted higher than in the LensTRUE version – it is the same challenge again of correctly depicting the proportions. What remains is the fact, that both versions look very much alike:

ausgeblendeter Text: mouseover_Bsp2_VPW

Ich bin mir nicht sicher ob es hier eines Fazits bedarf. Der virtuelle Wechsel der Perspektive ist ein tolle Sache und ich habe ihn bereits mehrfach sinnvoll einsetzen können. Sicherlich lässt er sich auch mit Lightroom Upright durchführen, aber er zeigt dort kleinere Schwächen gegenüber LensTRUE. Diese werden einige Fotografen vielleicht nicht stören oder sogar übersehen denn der Vergleich fehlt. Ich persönlich halte z.B. die korrekte Abbildung der Proportionen für entscheidend. Außerdem ist die Bearbeitungszeit in LensTRUE deutlich kürzer, denn die manuelle Anpassung über die Regler in Lightroom Upright erfordert viel Geduld und Gefummel.
Überrascht hat mich bei diesen beiden Motiven die gute Qualität beider korrigierten Versionen; hier steht Lightroom Upright dem LensTRUE visualizer nichts nach – ob das in allen Aufnahmesituationen so ist werden weitere Vergleiche zeigen.
I am not sure whether a verdict is really required. The virtual change of perspective is a nice thing to use and I reasonably applied a couple of times now. Of course this can be done with Lightroom Upright as well, but there is shows little downsides in comparison to LensTRUE. Some photographers may not be disturbed or even ignore these downsides because the comparison to LensTRUE is missing. I value the correct rendering of the proportions as very important. In addition to this the time needed for processing is a lot shorter in LensTRUE because manually pushing the controllers in Lightroom Upright requires a lot patience and fumbling.
I was surprised by the good quality of both corrected versions of these motifs; here Lightroom Upright is not inferior to LensTRUE visualizer – if this is the case in all circumstances will be shown in further comparisons.
Advertisements

5 Antworten zu JOBO LensTRUE: Anwendungsbeispiele virtueller Perspektivenwechsel / Use cases for virtual change of perspective

  1. colonia sagt:

    Naja, so ganz perfekt scheint Lenstrue auch nicht zu sein. Angeblich wird ja alles mathematisch korrekt berechnet. Habe da meine Zweifel, sieht alles zu linear aus. Bei allen „verbesserten“ Bildern mit kreisförmigen Strukturen finden ellipsenförmige Verzerrungen statt. Es müsste nichtlinear gerechnet werden! Es würde z.B. sofort unangenehm auffallen, wenn die Straßenlaternen im obigen 1. Bild nicht eckig sondern kugelförmig wären. Aber auch so erkennt man, dass die trapezförmigen Lampengläser viel zu breit werden. Vgl. auch den Ausschnitt vom Bildrand mit der Balkonlampe. Hier müsste mindestens eine Zylinderprojektion stattfinden, wie sie z.B. DXO Optics Pro bietet.

    Im Übrigen sollten Vergleichsbilder keine Belichtungsunterschiede aufweisen, die auf weitere, zusätzliche Bearbeitungen hinweisen.

    • J. Haag sagt:
      Verfasser

      Hallo Colonia,

      Danke für Deinen Kommentar.

      Naja, so ganz perfekt scheint Lenstrue auch nicht zu sein. Angeblich wird ja alles mathematisch korrekt berechnet. Habe da meine Zweifel, sieht alles zu linear aus.

      Genau das ist es eben nicht: linear. Das zeigt der Vergleich zwischen der Korrektur in LensTRUE und Lightroom doch deutlich. Lightroom Upright korrigiert linear, was eben zur Stauchung des Gebäudes führt. LensTRUE korrigiert ortsabhängig und zunehmend mehr je weiter man sich perspektivisch vom Standort des Betrachters entfernt.

      Bei allen “verbesserten” Bildern mit kreisförmigen Strukturen finden ellipsenförmige Verzerrungen statt. Es müsste nichtlinear gerechnet werden! Es würde z.B. sofort unangenehm auffallen, wenn die Straßenlaternen im obigen 1. Bild nicht eckig sondern kugelförmig wären. Aber auch so erkennt man, dass die trapezförmigen Lampengläser viel zu breit werden. Vgl. auch den Ausschnitt vom Bildrand mit der Balkonlampe. Hier müsste mindestens eine Zylinderprojektion stattfinden, wie sie z.B. DXO Optics Pro bietet.

      Wir sprechen bei der Balkonlampe von einem Objekt im Randbereich, die doch gerade erst durch die nicht-lineare Korrektur verzerrt abgebildet wird. Wäre die Korrektur linear wäre vermutlich auch die Balkonlampe kreisförmig. Bei diesem Bild hier geht es aber doch vorrangig um die Korrektur des Hauptmotivs und somit um das Gebäude. Dass LensTRUE kugel- oder zylinderförmige Objekte sauber korrigiert zeigen die folgenden Bilder. Ich möchte Dein Augenmerk dabei auf den Fernsehturm lenken:

      Original:
      Original

      automatische Korrektur:
      automatische Korrektur

      virtueller Perspektivwechsel:
      virtueller Perspektivwechsel

      Wenn Dich DXO Optics Pro und die dort verfügbare Korrektur zufrieden stellt ist doch alles gut. Keine Lösung ist perfekt, jedoch habe ich für mich mit LensTRUE die Lösung gefunden die das macht was ich erwartet und das mit wenigen Handgriffen, denn sie erspart mir das zeitaufwändige Korrigieren in Lightroom Upright, das auch nicht immer gelingt.

      Im Übrigen sollten Vergleichsbilder keine Belichtungsunterschiede aufweisen, die auf weitere, zusätzliche Bearbeitungen hinweisen.

      Die Bearbeitungsunterschiede sind genau keine Belichtungsunterschiede sondern resultieren daraus, dass ich die Tonwertkorrekturen, die ich auf das RAW angewendet habe per Kopieren und Einfügen auch auf das TIFF angewendet habe, dort jedoch zu anderen, finalen Tonwerten führen. Das wirst Du mir glauben müssen – tatsächlich ist es etwas, das mich auch etwas stört.

      Grüße,
      Jörg

      • colonia sagt:

        Hallo Jörg,
        Danke für die ausführliche Antwort und das neue Beispielbild.

        Die Transformation des Fernsehturms ist beim virtuellen Perspektivwechsel in der Tat sehr gut gelungen. Dafür stellt mich der obere Rand der Wohntürme nicht ganz zufrieden und der rechte Wohnturm erscheint mir stark verbreitert. Nun ist das Motiv natürlich sehr verzwickt und ich kenne das Gebäude nicht aus eigener Anschauung: befindet sich halt im „Ausland“ von Köln ;-). Das Ergebnis würde ich vermutlich – wenn ich ein Architekturbild abliefern müsste – als verfälscht verwerfen (bitte nicht als Kritik verstehen, es geht hier ja um die Naturtreue des Verfahrens).

        Interessant ist auch die „automatische Korrektur“. Habe Dein Original von der Freeware ShiftN entzerren lassen: ist praktisch identisch.

        Mit DXO Optics Pro komme ich persönlich nicht sooo gut zurecht, die Schieberegler usw. sind mir nicht feinfühlig genug. Aber ich habe sonst kein Werkzeug für die Kugel-/Zylinder-Transformation. Normalerweise entzerre ich „freihändig“ in Photoshop, wobei ich meist noch einen Rest Perspektive drin lasse, weil es für mein Gefühl besser aussieht. Um dabei Kreise über stürzenden Linien zu erhalten, muss man trickreich vorgehen, was dann sehr aufwändig werden kann.

        Wenn ich mal wieder ein größeres Architekturprojekt habe, leihe ich mir bei JOBO LensTRUE wohl mal aus.

        Danke auch für die Erklärung zu den Tonwertkorrekturen – leuchtet unmittelbar ein.

        Schöne Grüße,
        colonia

      • J. Haag sagt:
        Verfasser

        Hallo,
        Danke für die Antwort. Zum Gehry-Bau ist zu sagen, dass der je nach Perspektive oben tatsächlich verbreitert wirkt – ja sogar ist. Als Kölner ist man schnell in D – schau es Dir selber an.
        Ausleihen ist sinnvoll um sich eine eigene Meinung zu bilden.
        Viele Grüße,
        Jörg

  2. Nil sagt:

    Etwas das auch mich oft beschäftigt… 🙂 Und dan ist es ein Hexentanz von Lightroom nach Photoshop und zurück und wieder zurück… und wieder zurück… 😉 Und wenn es eigenlich gut sein müsste habe ich nog immer das Gefühl dass irgendetwas nicht ganz stimmt…

    Bin gespannt wie es hier weiter geht…

Ich freue mich auf Deine Meinung:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s