Voigtländer HELIAR-HYPER WIDE 10mm F5.6

Voigtländer ist ein Traditionshaus der Fotoindustrie und hat eine bewegte Geschichte hinter sich. 1999 erwarb das japanische Unternehmen Cosina die Lizenzrechte am Namen Voigtländer und den Objektiven der Classic Collection (M39, Leica M und Bessa) und fertigt neuerdings auch Objektive für D-SLR, MFT und Sony E-Mount. Ganz neu sind in 2016 das 12mm F5.6 Ultra Wide Heliar und das 10mm F5.6 Hyper Wide Heliar für E-Mount erschienen von denen Letzteres seit ein paar Wochen verfügbar ist. Dieses besondere Objektiv möchte ich heute vorstellen.

Voigtländer is a manufacturer in photo industry with a long tradition and looks back on a turbulent history. It was in 1999 when the japanese company Cosina bought the rights and licenses of the brand Voigtländer, the lenses of the Classic Collection (M39, Leica M and Bessa) and started to build lenses for D-SLRs, MFT and Sony E-Mount a couple of years ago. Brand new on the market of 2016 are the 12mm F5.6 Ultra Wide Heliar and the 10mm F5.6 Hyper Wide Heliar for E-Mount, the later of which is available since a couple of weeks. This article is about this special lens.

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Obwohl das Voigtländer 10mm F5.6 Hyper Wide Heliar (bei Ebay kaufen) satt in der Hand liegt und mit seinem Metallgehäuse ein wertiges Gefühl vermittelt, ist die Kombination aus Sony alpha 7R II und Objektiv sehr gut ausbalanciert. Fokus- und Blendenring liegen gut positioniert und lassen sich gut ertasten und erreichen.

Zwei Dinge fallen in der Typenbezeichnung besonders auf: 10mm und F5.6. Nun gibt es bereits einige Objektiv mit kleinster Brennweite von 10mm oder weniger, jedoch sind diese meist für MFT oder APS-C Sensoren konstruiert und unter Berücksichtigung eines Crop-Faktors ergeben sich damit wieder Bildwinkel, die Brennweiten von über 10mm bezogen auf das Kleinbildformat entsprechen. Alternativ findet man auch Objektive, die als FishEye konstruiert sind; mit diesen lässt sich dieses Objektiv nicht vergleichen. Hier sprechen wir von 10mm Brennweite an Kleinbildformat mit einem diagonalen Bildwinkel von 130°. Die Blende lässt sich von 5.6 bis 22 in 1/3 Stufen über einen Blendenring am Objektiv einstellen; eine Verstellung der Blende über ein Steuerrad an der Kamera ist nicht möglich. Dass die Blende erst bei 5.6 beginnt ist bei einem Objektiv dieser Brennweite nicht weiter tragisch, denn Objekte freistellen ist bei 10mm ohnehin eher schwierig. Eine größere Offenblende hätte das Objektiv unnötig groß, schwer und teuer gemacht. Ich persönlich finde den gewählten Kompromiss aus Größe, Gewicht, Preis und größter Blende ideal.

Das Objektiv ist elektrisch mit der Kamera über die Kontakte des Bajonetts verbunden und liefert so alle nötigen Exif-Daten wie Objektivbezeichnung und Blende, interessant besonders im Hinblick auf die Verwendung von Software, die auf diese Informationen angewiesen sind (z.B. JOBO LensTRUE Visualizer).

Wie auch die Carl Zeiss Loxia und andere manuelle Objektive, kann der Blendenring beim Voigtländer HELIAR-HYPER WIDE 10mm F5.6 so konfiguriert werden, dass die Blende ohne Einrasten verstellt werden kann. Das ist z.B. beim Filmen nützlich, wenn sich in einer Szene der Schärfentiefebereich verändern soll. Dazu muss der kleine Ring neben dem Blendenring nach vorne geschoben und um 180° gedreht werden bis die gelbe Markierung oben ist (siehe folgendes Bild).

This set of Sony alpha 7R II and lens is very well balanced, although the Voigtländer 10mm F5.6 Hyper Wide Heliar (buy on eBay.com) feels heavy in the hand and creates a significant impression with its metal housing. Focus and aperture ring are well positioned and can easily be reached without taking the eyes from the viewfinder.

Two things are remarkable when looking at the naming: 10mm and F5.6. Well, there are already some lenses with a smallest focal length of 10mm or less, but these are build mostly for MFT or APS-C sensors and when taking the referring crop factor into account, the angle of view results in an equivalent of a focal length of above 10mm referring to a full frame sensor. Alternatively there are lenses constructed as fish-eye lenses which are not comparable to this lens. The Voigländer has a real focal length of 10 mm on the full frame sensor with an angle of view of 130° diagonally. The aperture can be adjusted in steps of 1/3 from F5.6 to F22 through an aperture ring on the lens; it is not possible to adjust the aperture through one of the cameras control wheels. The maximum aperture only starts at F5.6 which is no tragedy on a lens with this focal length since creating a small depth of field is rather difficult at 10mm. Giving this lens a larger aperture would have caused a bigger, heavier and unnecessary expensive lens. In my opinion, this is an ideal trade-off of size, weight, price and widest aperture.

The lens has an electrical connection to the camera through the contacts of the mount and therefore delivers all required exif information like lens identifier (name) and aperture which is interesting especially in regards to the use of software which is depending on this information (like JOBO LensTRUE Visualizer).

The aperture ring on the Voigtländer HELIAR-HYPER WIDE 10mm F5.6 can be configured so that there is no click-sound when changing the aperture. This feature is known from lenses like the Carl Zeiss Loxia and other manual lenses and is very useful when using this lens for movie recording when changing the depth of field in a scene. To do so only push the small ring with the white dot a little to the front and turn it by 180° until the yellow marker is on top (see the following picture).

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Architektur ist – neben Landschaft – sicherlich eine der Disziplinen für dieses Objektiv. Die nachfolgenden zwei Bilder verdeutlichen aber sehr eindrucksvoll, welche Aufnahmen mit 10mm an Vollformat möglich sind. Das erste Bild zeigt wie eng der Raum zwischen den Gebäuden links und rechts der Straße ist und das zweite Bild zeigt, dass es mit 10mm möglich ist das Gebäude der Luther Rechtsanwaltsges. mbH in seiner Gesamtlänge vollständig – wenn auch knapp – auf einem Foto abzubilden. Architecture is – next to landscape – surely one of the areas of use for this lens. The following two images impressively demonstrate what kind of images can be shot with 10mm on a full frame sensor. The first picture shows how limited the room is between the buildings to the left and right of the street and the second image shows that the 10mm focal length makes it possible to capture the building of the Luther law firm limited in its entire length on one single frame, even if it is tight.
Perspektive Luther-Gebäude
Perspektive Luther-Gebäude
Gebäude der Luther Rechtsanwaltsges. mbH / Building of Luther lawfirm
Gebäude der Luther Rechtsanwaltsges. mbH / Building of Luther lawfirm
Aber gibt es eigentlich Bedarf für ein Objektiv dieser Art außerhalb von Architektur und Landschaft? Für Architektur lassen sich die 130° Blickwinkel sehr gut nutzen; egal ob man schräg nach oben, mit Kamera in waagerechter Haltung oder senkrecht nach oben fotografiert: es entstehen interessante Perspektiven und Linienführungen. But is there a demand for a lens of this kind beyond architecture and landscape photography? The angle of view of 130° is very useful for architecture, no matter if you point the camera up, keep it horizontally or shot straight up in the air: this lens creates interesting perspectives and line layouts.
Tatsächlich finde ich es geradezu verlockend mit dem Blickwinkel und den dadurch möglichen Perspektiven zu spielen. Was mir aber besonders gut gefällt ist die Unempfindlichkeit gegen Streulicht, die schöne Ausprägung der Sternbildung wenn die Sonne im Bild ist und die geringe bis nicht vorhandene tonnen- und kissenförmige Verzeichnung; alles drei Eigenschaften, die man bei einem Objektiv dieser Brennweite und Bauart eigentlich so nicht erwarten würde. Alle Bilder in diesem Beitrag sind unkorrigiert hinsichtlich tonnen- bzw. kissenförmiger Verzeichnung. Einige Bilder wurden mit Lightroom Upright behandelt um stürzende Linien zu reduzieren oder vollständig zu korrigieren. Gelegentlich mussten leichte chromatische Aberrationen entfernt werden. Vielleicht wird es im nächsten Lightroom-Update ein Profil für die Objektivkorrektur geben; wenn nicht würde mich das auch nicht weiter stören, denn wie gesagt: Viel zu korrigieren gibt es hier nicht. Mit einem Objektivprofil, welches in eines der nächsten Firmware-Updates für die Sony alpha 7R II eingearbeitet ist, rechne ich erst garnicht. Ein entsprechendes Profil kann man sich aber sehr einfach selber über die Objektivkompensation-App erstellen.

Was an diesem Objektiv fehlt ist ein Filtergewinde, auch wenn ich nicht sicher bin, ob ein Schraubfilter bei diesem extremen Bildwinkel überhaupt anwendbar wäre, denn die Frontlinse ist natürlich nach außen gewölbt, was den Filter deutlich vergrößern und so bei der Verwendung von z.B. ND-Filtern für Lichteinfall sorgen würde. Hier werde ich mich mal im Zubehörbereich umschauen, ob es nicht sinnvolle Alternativen gibt wie z.B. den HAIDA-Filterhalter für 150mm x 150mm Filter. Diesen gibt es bereits für verschiedene Objektive und vielleicht lässt sich dieser auch an das Voigtländer adaptieren.

Werfen wir noch einen Blick auf die optische Leistung, besonders hinsichtlich der Schärfe in den Ecken und der chromatischen Aberration. Hierzu habe ich Screenshots der Vergleichsansicht in Lightroom gemacht. Das erste Bild zeigt im linken Teil die chromatische Aberration bei Blende 5.6 und wie gut man diese per Lightroom entfernen kann im rechten Teil des Bildes. Die Bilder 2 bis 4 vergleichen die Schärfe in der oberen linken Ecke bei Blende 5.6, 8.0 und 11.0. Interessant hierbei ist, dass die Schärfe ab Blende 8.0 wieder etwas nachläßt.

Acutally, I find it really enticing to play with the angle of view and the possible perspectives. What I really like very much is the insensibility against stray light, the nice forming of stars when the sun is in the picture and the very low, almost negligible occurrence of barrel and pincushion distortion; all of them properties which I did not really expect from a lens of this focal length and construction. All images in this post are not corrected regarding barrel and pincushion distortion. I applied a Lightroom Upright correction to some of the images to reduce or eliminate converging lines. Some pictures required the removal of some chromatic aberration. Maybe there will be lens profile for lens correction in one of the next Lightroom Updates, but I would not mind if not because as I said: There is not much to correct in the images coming out of this lens. I surely do not expect an in-camera lens profile being part of one of the next firmware updates for the Sony alpha 7R II. Those who would like to use a profile can create one by themselves using the lens compensation app if installed on the camera.

There is one thing I am missing on this lens: a filter thread. I am not sure whether a threaded filter could be used on a lens with an extrem angle of view like this since the front lens is curved outwards which definitely requires a bigger filter and would cause the entry of unwanted stray light when e.g. using a neutral density filter. I will do some research for accessories to find out whether there are some usable alternatives like the HAIDA filter holder for 150mm x 150mm filters. This one has already been adapted to various lenses and maybe one of them fits the Voigländer.

Let us have a look on the optical performance of the lens, especially in reference to sharpness in the corners and chromatic aberration. I created some screenshots of the comparison view in Lightroom. The first screenshot shows the amount of chromatic aberration created when using F5.6 in the left part and how easy this can be corrected in the right part. Screenshots 2 to 4 compare the sharpness in the upper left corner using apertures 5.6, 8.0 and 11.0. What’s interesting is that the sharpness falls off again when using apertures smaller than F8.0 (F11 and above).

Korrektur / Correction CA @ F5.6
Obere linke Ecke / Upper left corner F 5.6 vs. F 8.0 – CA entfernt / CA removed
Obere linke Ecke / Upper left corner F 8.0 vs. F 11-0 – CA entfernt / CA removed
Positives und Negatives zum Voigtländer 10mm F5.6 Hyper Wide Heliar aus meiner Sicht.

Positiv:

  • Metallgehäuse mit guter Haptik und hoher Wertigkeit
  • grandioser Bildwinkel von 130° in der Diagonalen
  • sehr gute (Mitte) und gute (Rand und Ecke) optische Leistung
  • sehr geringe bis keine Verzeichnung
  • Übertragung von Blende und Objektivbezeichnung und Aktivierung der Fokuslupe
  • geringer Fokusweg von ca. 90°, trotzdem präzise Fokussierung möglich
  • Declick Blendenring für Filmmodus

Negativ:

  • kein Filtergewinde und (noch) keine Filterhalter verfügbar
  • Freistellen (Bokeh) ist bei einer Naheinstellgrenze von 30cm und F5.6 nicht wirklich möglich

Die Überzahl der positiven Punkte waren für mich nicht alleine ausschlaggebend mir dieses Objektiv zu kaufen. Meine kleinste Brennweite bis zum Erwerb des Voigtländer 10mm F5.6 Hyper Wide Heliar waren die 10mm des Sony SEL 10-18mm F4 an der Sony alpha 6000, was einem Bildwinkel von 15mm an der Sony alpha 7R II entspricht. Einen Vergleich von Sony SEL 10-18mm F4 und Sony FE 16-35mm F4 ZA findet ihr auf meiner Homepage hinter diesem Link. Mit den „echten“ 10mm an Vollformat lassen sich neu Perspektiven entdecken und – wie ich finde – spannende Bilder erzeugen, wie vielleicht folgende Bilder zeigen, die während des Tests im Kölner Rheinauhafen entstanden sind und alle mit der Sony alpha 7R II gemacht wurden. Wer sich dafür interessiert, wie man z.B. ND-Filter an diesem Objektiv ohne Filtergewinde und ohne dedizierten Filterhalter verwendet folge einfach diesem Link: Filter am / Filter on the Voigtländer HELIAR-HYPER WIDE 10mm F5.6 ?!

This is my positive and negative list regarding the Voigtländer 10mm F5.6 Hyper Wide Heliar.

Positive:

  • metal housing with a good touch and feel
  • fabulous angle of view of 130° diagonally
  • very good (center) and good (edge and corner) optical performance
  • very low up to no distortion
  • transmission of aperture and lens type into exif data and activation of focus magnification
  • small turning angle of focus ring of approx. 90° but still accurate focussing
  • de-click function of aperture ring for movie recording

Negative:

  • no filter thread and filter holder not (yet) available
  • small depth of field (bokeh) is not really possible with F5.6 at a closest focussing distance of 30cm

The fact that there are more pros than cons was not the only reason for me to buy this lens. The lens with the smallest focal length in my bag until I bought the Voigtländer 10mm F5.6 Hyper Wide Heliar was the Sony SEL 10-18mm F4 on the Sony alpha 6000 which creates an angle of view equivalent to a 15mm lens on the Sony alpha 7RII. A comparison of the Sony SEL 10-18mm F4 and the Sony FE 16-35mm F4 ZA can be found with this link to my homepage. The „real“ 10mm on a full frame sensor enables me to discover new perspectives and – that’s my opinion – create exciting images like those below which were all shot using the Sony alpha 7R II during a first lens test in the harbor area of Cologne (Rheinauhafen). Those of you who are interested in using e.g. neutral density filter on this lens without filter thread and without a dedicated filter holder simply follow this link: Filter am / Filter on the Voigtländer HELIAR-HYPER WIDE 10mm F5.6 ?!

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11 Antworten zu Voigtländer HELIAR-HYPER WIDE 10mm F5.6

  1. Rita sagt:

    Hallo Jörg,
    danke für den tollen Beitrag, der das Objektiv gleich mal auf meine Wunschliste gebracht hat. Bin auch ein totaler Weitwinkel Fan und kann bei Landschafts- und Architekturfotografie auf große Blendenöffnungen gerne verzichten, frei nach dem Motto „Sonne lacht – Blende 8“.

    Deine beiden genannten Negativ-Punkte finde ich jetzt auch nicht schlimm, eine Möglichkeit für einen Schraubfilter zum Schutz wäre schon nützlich gewesen aber ok, andere Effekt-Filter benötige ich weniger oder kann sie ggf. in der Nachbearbeitung erzeugen und mit einem 10mm WW Objektiv Objekte freizustellen liegt mir auch fern 🙂

    Werde mich mal weiter durch deine Seite lesen und mich auf weitere interessante Berichte von dir freuen.

    Gruß Rita.

    • J. Haag sagt:
      Verfasser

      Hallo Rita,

      Danke für den Besuch auf meiner Seite und das nette Feedback.

      Grüße, Jörg

  2. Andreas1968 sagt:

    Guter Beitrag. Das Voigtländer 10mm 5.6 hat mich von Anfang an begeistert. Dazu muss ich sagen, dass ich schon ein Weitwinkel-Freak bin… Allerdings ist dieses Objektiv nichts für Anfänger, also bei einem Bildwinkel von 130 Grad muss man schon 2x über die Bildkomposition nachdenken. Ich habe das Objektiv zuletzt während meiner Reise durch Sibirien benutzt. Und hier insbesondere am Lake Baikal. Wer Interesse hat, kann mal einen Blick auf meine Aufnahmen werfen. Ich bin auf Instagram unter _lonelyphotographer_
    Grüße aus Shanghai,
    Andreas

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