Neue Ausrüstung: Mamiya 645 PRO TL

Schon während der Anfänge meiner Fotografie habe ich immer von einer Mittelformatkamera geträumt – dieser Traum ging Ende 2016 in Erfüllung.


Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre waren es zweiäugige (TLR) Kamerasysteme wie Rolleiflex 3,5 und 2,8 oder eine Hasselblad 500 C bzw. C/M, die mein Herz höher schlagen liessen, aber bei Preisen von weit über 10.000 DM einfach nicht für meinen Geldbeutel gemacht waren. Benutzt habe ich damals eine Yashica-D und damit auch ein paar gute Bilder im Format 6×6 cm gemacht – die Negative sind in 2002 leider bei einem Wasserschaden im Keller vernichtet worden. Die Geschichte seit damals trägt hier aber nicht zur weiteren Erkenntnis bei, denn hier geht es um das Fotografieren mit Film und heute im Besonderen um die Mamiya 645 PRO TL.
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Die Ausrüstung besteht zur Zeit aus folgenden Komponenten (bei den Objektiven steht die äquivalente Brennweite zum Kleinbild-Format in Klammern dahinter):

  • 645 PRO TL Body
  • Schachtsucher
  • AE-Prismensucher FE 401
  • Film-Transportkurbel AC401
  • Motorgriff WG401
  • Sekor C 35 mm F3.5 (~ 22 mm)
  • Sekor C 45 mm F2.8 (~ 28 mm)
  • Sekor C Zoom 55-110 mm F4.5 N (~ 35-70mm)
  • Sekor C 80 mm F1.9 N (~ 50mm)
  • Sekor C 80 mm F4 Macro N mit Mag Spacer für 1:1 (~ 50mm)
  • Sekor C 150 mm F3.5 N (~ 93mm)
  • Sekor C 210 mm F4 (~ 132 mm)
  • 2X N Telekonverter
  • 3 x 120er Rollfilm-Magazin HA401
  • Polaroid Pack Film Magazin HP401 und
  • Elektromagnetisches Auslösekabel Typ A (1 Meter)

Diese Komponenten lassen sich so kombinieren, dass man je nach Einsatzbereich und Vorhaben die richtige Kamera hat. So zeigt das erste der nachfolgenden Bilder die Kamera in der leichtesten Ausbaustufe mit der 80 mm Standardbrennweite und das zweite Bild die schwerste Ausbaustufe mit Motorgriff, Prismensucher und dem Sekor SF C 145 mm F4 Soft Fokus-Portraitobjektiv.

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kleinste, sinnvollste Ausbaustufe
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Meine schwerste Variante

Die Kamera

Ich möchte wirklich nicht viel über die Technik der Kamera sagen, denn wir lernen uns immer noch kennen – die Mamiya und ich. Trotzdem ist es vielleicht interessant ein paar Ding über die Kamera und das Zubehör zu erfahren:

  • In der leichtesten Variante mit Schachtsucher, Film-Transportkurbel und Magazin mit Film ist die Kamera voll einsatzbereit, verfügt jedoch über keine Möglichkeit der Belichtungsmessung, so dass ein externer Belichtungsmesser benötigt wird. Der Schachtsucher erfordert, dass man die Kamera vor dem Bauch hält und von oben in den Sucher schaut. Der Schachtsucher hat eine ausklappbare Lupe, die das präzise Scharfstellen erleichtert, dafür aber die Kamera näher an das Auge gebracht werden muss (siehe nachfolgende Bilder 1 bis 3).
  • Der AE-Prismensucher FE 401 hat eine eingebaute Belichtungsmessung, die auf Integral-, Spotmessung und automatischer Wahl zwischen diesen beiden Messungen eingestellt werden kann. Außerdem ermöglicht der AE-Prismensucher eine Belichtungskorrektur von +3 bis -3 EV (siehe nachfolgende Bilder 4 und 5).

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Ansonsten ist das Fotografieren mit dem AE-Prismensucher recht simpel: Im AE-Modus (Auto Exposure) manuell fokussieren und auf den Auslöser vorne rechts unten am Gehäuse bzw. an der von einer Spiegelreflex gewohnten Position auf dem Griff drücken. Mit dem Schachtsucher muss die per Belichtungsmesser geeignete Kombination aus Blende und Zeit eingestellt sein, bevor man fokussiert und auslöst. Interessant ist noch zu erwähnen, dass die Kamera über eine Belichtungssperre im angesetzten Magazin verfügt. Diese wird durch das Herausziehen des Schiebers mit dem roten Griff (auf dem nächsten Bild gut zu sehen) entfernt. Der Schieber kann im hinteren Teil des Filmmagazins verstaut werden. Ein großer Vorteil des Magazinsystems ist, dass man während einer Session beliebig den Film wechseln kann, wenn man ausreichend Magazine hat und der Film nicht vollständig belichtet sein muss. Ich nutze aktuell drei 120er Magazine mit jeweils 15 Aufnahmen.
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Das obere Bild zeigt auch die auf der linken Kameraseite vorhandenen Elemente wie den Blitzschuh ganz oben, den Blitz-Syncanschluß, die Spiegelvorauslösung und die Befestigung für den Tragegurt in der Reihe darunter, die Entriegelung für das Objektivbajonett und ganz unten die Anschlüsse für TTL Blitzautomatik (Metz SCA396) und hinter der Klappe der Anschluss für Fernauslöser und Linkshänder-Griff.

Zubehör

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Zubehör wie der AE-Prismensucher und der Motorgriff machen aus der Mamiya 645 Pro TL eine Spiegelreflexkamera, wenn auch eine Nummer größer als gewöhnlich. Zusammen mit dem 80mm Standardobjektiv, hier in der lichtstarken Variante mit F1.9, kommt die Kamera so auf ein Gewicht von 2.167 Gramm, was nach einiger Zeit ordentlich am Arm oder der Schulter zieht. Der Motorgriff WG401 schafft 1,5 Bilder pro Sekunde, so dass ein 120er Rollfilm in gut 10 Sekunden durch sein kann. 🙂
Es gibt auch 220er Rollfilm-Magazine, die dann 30 Bilder pro Film ermöglichen, aber es gibt kaum noch 220er Filme und wenn, dann sind diese schon lange abgelaufen – produziert werden jedenfalls keine mehr.

Gewichtsangaben
1 nur Body 562 g
2 Einsatzbereit mit Schachtsucher, Film-Transportkurbel und Magazin mit Film 1.154 g
3 Wie 2 mit Sekor C 80mm F1.9 N 1.563 g
4 Body, Motorgriff, AE-Prismensucher und Sekor C 80mm F1.9 N 2.167 g
5 Body, Motorgriff, AE-Prismensucher und Sekor C Zoom 55-110 mm F4.5 N 2.636 g

Die Objektive

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Mamiya 645 Pro TL, Sekor SF C 145mm F4, Sekor C 150mm F3.5 N, Sekor C 80mm F1.9 N

Mamiya genießt den Ruf sehr gute Objektive gebaut zu haben und auch immer noch zu bauen. Die Objektive sind zwischen den verschiedenen Systemen und Formaten (z.B. RB 67, 645 M, 645 AF) nicht kompatibel. Dafür sind die Objektive insgesamt recht günstig zu bekommen, wenn man bedenkt, dass es sich hierbei um Objektive für einen größeren Bildkreis als Kleinbild handelt und diese ursprünglich für den Profi-Bereich gebaut wurden. Die Preise in Deutschland und Europa unterliegen erheblichen Schwankungen, am günstigsten sind die Objektive in Japan zu bekommen – allerdings habe ich das noch nicht ausprobiert. So habe ich für das Sekor C 150mm F3.5 N bei ebay-Deutschland nur etwas über 100 Euro bezahlt und damit ein sehr scharf abbildendes Objektiv für Portraits mit einer Brennweite von ca. 90mm umgerechnet auf das Kleinbildformat erstanden. Das Sekor C 80mm F1.9 entspricht einer Brennweite von 50mm im Kleinbildformat, ist eines der lichtstärksten Normalobjektive im Mittelformatbereich und trägt den Spitznamen „Noctilux des Mittelformats„. Auf die ersten Bilder mit diesem Objektiv bin ich schon gespannt – hoffentlich habe ich bald Zeit dafür.

Und dann stand (mittlerweile verkauft) da noch das Sekor SF C 145mm F4 in meinem Schrank, wobei es sich hier um ein ganz besonderes Objektiv handelt. Dieses Objektiv verfügt über einen Ring zur Steuerung der Weichheit in der Abbildung um ein schärferes Bildzentrum herum. Dabei werden zwei Linsengruppen symmetrisch bewegt um den Effekt zu steuern – ein Dreh am Soft Fokus-Ring erfordert ein erneutes Fokussieren. Außerdem ist der Soft Fokus-Effekt auch von der eingestellten Blende abhängig und ist bei kleineren Blenden wie z.B. F4 am stärksten. Fokussieren gelingt mit diesem Objektiv am einfachsten bei einer Blende, die keinerlei Soft Fokus-Effekt mehr zeigt. Durch zurückziehen des Fokusrings in Richtung Kamera wird eine passende Blende für die Fokussierung gewählt. Das Fotografieren mit diesem Objektiv erfordert also ein bestimmtes Vorgehen:

  1. Einstellung (A) für Auto am Objektiv wählen
  2. Blende wählen
  3. Weichheitsgrad über Soft Fokus-Ring einstellen
  4. Fokusring zurückziehen, fokussieren und Fokusring wieder loslassen
  5. Belichtung messen, einstellen und auslösen.

Nach einer Veränderung an der Soft Fokus-Einstellung ist der Schritt 4. zu wiederholen.

Um die Besonderheiten des Soft Fokus-Objektivs zu demonstrieren, habe ich einen Vergleich zwischen Sekor C 150mm F3.5 N und Sekor SF C 145mm F4 gemacht. Diesen Vergleich habe ich an der Sony A7RII unter Nutzung eines Fotodiox Mamiya 645 Mount Lens to Sony E-mount – Adapters durchgeführt. Daher sollte man berücksichtigen, dass nicht der gesamte Bildkreis der Objektive ausgewertet werden kann.

Bevor ich die Unterschiede des Soft Fokus-Effekt des Mamiya Sekor SF C 145mm F4 bei den verschiedenen Blende zeige, möchte ich vorab einen reinen Schärfevergleich zwischen dem Mamiya Sekor SF C 145mm F4 und dem Mamiya Sekor C 150mm F3.5 N bei F4 am 150mm-F3.5 N und F4, F5.6 und F8 am 145mm SF bei geringstem Soft Fokus-Effekt (blau) zeigen. Fokussiert wurde auf den kleinen Kerl mit dem grünen Helm.

Sowohl das Mamiya Sekor C 150mm F3.5 N bei F4 als auch das Mamiya Sekor SF C 145mm F4 über alle Blenden zeigen ein gute Schärfe, die beim Soft Fokus-Objektiv bei F4 und F5.6 etwas schwerer zu bewerten ist. Beide Objektive zeigen schöne Farben, zumindest am Sensor der Sony A7RII – mal sehen wie das bei den ersten Farbbildern von Film sein wird, was aber noch dauern wird, denn aktuell habe ich noch nicht einmal einen 120er Farbfilm im Kühlschrank, denn der Fokus liegt eher auf S/W.
Aber bewerten wir das eigentliche Feature des Mamiya Sekor SF C 145mm F4, den Soft Fokus-Effekt. Hierzu vergleichen wir die Ausprägung des Soft Fokus bei F4 über alle 5 Stufen (blau, grün, rot, weiß und orange), bei F5.6 und F8 bei blau, rot und orange und bei F11 zwischen blau und orange.

F4

F5.6

F8

F11

Meine Bewertung: Bei F4 ist mir der Soft Fokus-Effekt bei allen Stufen oberhalb von grün (2. Stufe) zu stark. Bei F5.6 finde ich den Effekt ab der roten Stufe sehr ansprechend, auch bis zur stärksten Einstellung orange. Ab F8 ist der Effekt selbst von blau über rot nach orange nur noch sehr gering wahrzunehmen – vielleicht ist das in den weiteren Randbereichen ausserhalb des vom Kleinbildsensor erfassten Bildkreises anders. Um das aber abschließend bewerten zu können müsste ich eine vergleichbare Reihe mit allen 5 Soft Fokus-Einstellungen über die Blenden F4, F5.6 und F8 machen. Das wären 15 Bilder, also genau ein 120er Film. Ich denke, das ist doch eine schöne Aufgabe für ein Outdoor-Shooting für die Zeit, wenn die Tage wieder länger und das Wetter wieder besser und wärmer wird.

Ich freue mich aber auf das Arbeiten mit der Mamiya 645 PRO TL, den diversen Objektiven und auf die Ergebnisse in Form von 6 x 4.5 Negativen.

Am Ende möchte ich noch auf ein paar Seiten im Internet verweisen, die ich bei der Auswahl der Kamera und beim ersten Kennenlernen als sehr hilfreich empfunden habe:

Auf der Seite hinter dem letzten Link habe ich ein PDF mit einer Systemübersicht gefunden. Diese wurde auf 2 Seiten eingescannt – ich habe die Übersicht wieder zu einer Seite zusammengefügt:

Mamiya 645 Pro TL Systemübersicht
Mamiya 645 Pro TL Systemübersicht
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6 Antworten zu Neue Ausrüstung: Mamiya 645 PRO TL

    • J. Haag sagt:
      Verfasser

      Danke, Bilder folgen. Die ersten werden wohl nichts geworden sein, denn wie gesagt: Der AE-Prismensucher ist defekt.
      Liebe Grüße, Jörg

      • C K sagt:

        Was ist denn defekt? Kontakte hast Du überprüft/gereinigt?

      • J. Haag sagt:
        Verfasser

        Ja, es gab eine Abweichung zwischen gemessener Belichtung und Soll-Belichtung. Hat sich aber auf wundersame Weise selbst repariert.

  1. Ich kann nur sagen herzlichen Glückwunsch. Ich habe zu „analog Zeiten“ mit einer Pentacon Six aus Dresden fotografiert und war sehr zu frieden. Also ich wünsche Dir immer tolle Motive und Du wirst feststellen was das für ein „Geschoss“ ist

    • J. Haag sagt:
      Verfasser

      Danke, das merke ich jetzt schon. Leider musste ich feststellen, dass die Belichtungsmessung im Prismensucher defekt ist und 4 Blenden überbelichtet. Muss also zur Reparatur…. 😟

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