Film vs. Digital

Habt ihr euch eigentlich schon mal gefragt, ob das Fotografieren mit Digitalkameras wirklich sinnvoll ist und ob das Fotografieren mit Negativfilm hinsichtlich der Qualität nicht vielleicht doch besser wäre? Und wie beantwortet man diese Frage, wie vergleicht man die beiden Medien? Vielleicht hilft dieser Beitrag …

Did you ever ask yourself, wether taking pictures with digital cameras really makes sense and if shooting on negative film would probably be better in regards to quality? And how could this question be answered, how can these two technics be compared? Maybe this post helps …

Keine Frage: Das Arbeiten mit Digitalkameras hat gegenüber dem Fotografieren mit Film viele Vorzüge, wie z.B. die Tatsache, dass die Bilder sofort begutachtet, bewertet und benutzt werden können. Lösen wir uns aber mal vom Prozess und der Zeit bis zum fertigen Bild bleibt aber immer noch die Frage nach der Qualität und welches der beiden Verfahren mehr liefert. Begibt man sich zur Suche nach einer Antwort auf Recherchetour ins Internet, findet man viele verschiedene Meinungen und Ausführungen zur Vergleichbarkeit von digitaler und analoger Aufnahmetechnik. Man findet so z.B. Angaben zu verschiedenen Kleinbildfilmen, die von 7 bis 35 Megapixel reichen, je nach ISO und kommt zwangsläufig zu einem Ergebnis: Die beiden Aufnahmetechniken sind nicht wirklich vergleichbar, denn es gibt zu viele Faktoren die besonders in der analogen Technik die Qualität des Ergebnis beeinflussen: Art des Film und dessen Empfindlichkeit, Belichtung, Entwicklung, Scan usw. Dabei ist das Hauptproblem, dass das Korn beim Film vollkommen unregelmäßig ist, während eine digitale Aufnahme aus einer festen Anzahl sauber angeordneter Pixel besteht. Tatsache ist, dass je größer das Format, desto höher die mögliche Auflösung. Die im Durchschnitt besten Ergebnisse erzielt im Kleinbildformat der Diafilm mit 16 (ISO 400) bis 22 Megapixel (ISO 50); Farbnegative erreichen 7 (ISO 1600) bis 14 Megapixel (ISO 50) und einzelne Schwarz-Weiß-Filme kommen sogar auf 35 Megapixel, wie der Neopan Acros 100 – alles immer vorausgesetzt, dass sauber und korrekt belichtet und der Film optimal entwickelt und gescannt wurde.
Aber sind einzelne Filme nun mit einem Bild vom digitalen Sensor bei z.B. gleicher ISO-Einstellung vergleichbar? Eigentlich nicht und so könnte ich an dieser Stelle schon aufhören und es dabei belassen, denn was nicht geht kann man nicht erzwingen. Trotzdem gab es für mich ein paar Dinge, die ich hinterfragen wollte, wie z.B. ob eine 35mm Kleinbildkamera aus den 80ern oder 90ern mit zugehörigen Objektiven annähernd an eine moderne Ausrüstung gehobener Preisklasse herankommt und wie die Bildanmutung jenseits von Auflösung und Abbildungsleistung der Objektive ist. So bin ich in den vergangenen Wochen und Monaten immer mal wieder mit zwei Systemen losgezogen, um vergleichbare Aufnahmen in digital und analog zu machen. Dabei kamen folgende Kameras und Objektive zum Einsatz:Digital:

  • Sony A7RII
  • Sony A7II
  • Sony FE 35mm F2.8 ZA
  • Sony FE 55mm F1.8 ZA

Analog:

  • Minolta X-700
  • Minolta XD 5
  • Minolta MD W. ROKKOR 35mm F2.8
  • Minolta MD W. ROKKOR 50mm F1.4
  • Kodak Tmax 100
  • Kodak Tri-X 400
There is no discussion about it: Working with digital cameras has a lot advantages over shooting images with 35 mm film, like the fact, that images can instantly be viewed, evaluated and used. Now, let’s step back and detach from the process and the time needed to get the final image. What remains is the question about image quality and with one of the two processes delivers more. Trying to search an answer by researching the internet delivers a lot of different opinions and explanations on the possibilities of comparing the digital and analog way of taking pictures. The internet delivers e.g. various technical data on 35 mm film which cover a range from 7 to 35 megapixel depending on ISO and leads inevitably to one result: Both recording technics for still photography are not really comparable, because thre are two many variable factors influencing the quality of the image, especially in the analog process: film type and its sensitivity, exposure, development, image scan and so on. The main problem is, that the grain distribution on film is completely irregular, whereas a digital image is composed of a fixed number of evenly arranged pixels. Fact is, the bigger the film format, the higher the possible maximum resolution. The best average results for 35 mm film can be achieved using slide film with 16 (ISO 400) up to 22 megapixel (ISO 50). Negative film has about 7 (ISO 1600) up to 14 megapixel (ISO 50) and some special black and white films reach up to 35 megapixels, like the Neopan Acros 100 – always provided, that the film was correctly exposed and that the film was optimally developed and scanned to get the best results.
But can some films be compared with images taken using a digital sensor, for example with identical ISO settings? Well, not really I think and having that said, I could stop writting and finish this post, because you can’t force something that is not possible. Anyway, there are a couple of things I wanted to check and questions I want to get answered, like for example if a 35 mm full-frame camera from the 80th or 90th with referring lenses could keep up with a modern gear of a higher price category and how the look-and-feel of the images is beyond the technical perspective on resolution and imaging performance of the lenses. So I did some shooting now and then over the last couple of weeks and months with two systems at the same time to create comparable digital and analog images with the following cameras and lenses:Digital:

  • Sony A7RII
  • Sony A7II
  • Sony FE 35mm F2.8 ZA
  • Sony FE 55mm F1.8 ZA

Analog:

  • Minolta X-700
  • Minolta XD 5
  • Minolta MD W. ROKKOR 35mm F2.8
  • Minolta MD W. ROKKOR 50mm F.14
  • Kodak Tmax 100
  • Kodak Tri-X 400

Vergleich / Comparison

Vorwort

Vorab eine Erklärung zu den exif-Daten, die diesem Vergleich zugrunde liegen. In den analogen Bildern sind vereinzelt ungewöhnliche Werte für Belichtungszeiten zu finden, Werte wie z.B. 1/150 Sekunde, die man so bei heutigen Kameras nicht mehr kennt. Diese Werte entsprechen vermutlich nicht zu 100% mit den realen Verschlusszeiten überein. Beispiel: Wenn die XD5 im Sucher eine Belichtungszeit anzeigt und dabei sowohl die LED für 1/100 als auch für 1/200 leuchtet, so liegt die Belichtungszeit irgendwo dazwischen. Das kann dann also 1/125, aber auch eine 1/160 Sekunde sein, wenn die Genauigkeit 1/3 EV beträgt. Die Eingabe dieser Werte über das Erfassungstool PhotoExif ist etwas ungenau in der Bedienung und so entstehen dann Werte wie 1/150 Sekunde.

Preface

It is necessary to give some explanations to the exif-data, which are the basis for this comparison. The images shot on film sometimes show strange values for exposure times, value like e.g. 1/150th of a second which you don’t find in modern cameras any more. These value probably do not correspond 100% to the real shutter speeds. Example: In the case that the XD4 shows an exposure time in the viewfinder and both LEDs next to 1/100th and 1/200th of second are lit, I would expect that the real exposure time is somewhere in between. This could than be 1 1/125th or a 1/160th of a second if the accuracy is 1/3 of a full exposure value. Entering these values using the PhotoExif tool is a bit inaccurate in handling and therefore there are these value like 1/150th of a second.

ISO 100

Die nachfolgenden Bildpaare sind jeweils kurz hintereinander gemacht und die Belichtungszeiten sind, mit einer geringfügigen Abweichung von 1/3 EV identisch. Das linke Bild zeigt ein JPG aus der Kamera, aufgenommen mit Kreativmodes Schwarz/Weiß mit den Standardwerten bei Kontrast und Schärfe. Rechts das kurz danach aufgenomme analoge Bild mit Angabe der Kombination Kamera/Objektiv und des verwendeten Films. The following pairs of images are shot shortly one after the other and the exposure times are identical with a small deviation of a 1/3 stop. The image on the left shows a JPG out of camera, shot in black&white mode with standard settings for contrast and sharpness. On the right you see the analoge pictures shortly taken after the digital image with the information about the camera/lens combination and the used film.
Auf den ersten Blick wird schon deutlich, dass der Kodak TMax 100 eine ganz andere Charakteristik hat als die Sensoren der A7RII oder A7II. Wo die Bereiche nahe an den Lichtern zwischen Film und Sensor identisch sind und sich auch die Schwarzwerte sehr ähneln oder sogar identisch sind, gibt es deutliche Unterscheide in den hellen und dunklen Mitteltönen. Ein mittleres bis helles Grau aus dem Sensor ist auf dem Film schon fast weiß und auch die dunklen Grautöne des Sensors gibt der Film deutlich heller wieder. Besonders deutlich wird das beim Vergleich einer Gegenlichtaufnahme im letzten Bildpaar. The first look already shows clearly, that the Kodak TMax 100 has a completely different characteristics as the sensors built into the A7RII or A7II. The bright parts that are close to the highlights are comparable between film and sensor and that is almost applicable to the shadows. The brighter and darker midtones on the other hand show big differences resulting in a middle up to bright grey from the sensor almost showing as white on the film and also the darker greytones created by the sensor are a lot brighter on the film. This is really remarkable when comparing the images shot against the sunlight as in the last pair of images.

Besonderes Augenmerk möchte ich auf das Bildpaar mit der Sitzbank lenken. Diese Aufnahmen sind mit einer Belichtungszeit von 1/8 Sekunde gemacht, also einer Belichtungszeit die über der Regel 1/Brennweite liegt. Diese Aufnahmen sind also auch ohne Sensorstabilisierung möglich. Let me emphasize the comparison of the pair of images showing that bench to sit on. These images were shot with an exposure time of 1/8 of a second, which is a exposure time that is far above the rule of 1/focal length. These kind of images are very well possible without image or sensor stabilization.

ISO 400

Wie schon bei ISO 100, sind die nachfolgenden Bildpaare ebenfalls jeweils kurz hintereinander gemacht und die Belichtungszeiten sind, mit einer geringfügigen Abweichung von 1/3 EV identisch. Wieder zeigt das linke Bild ein JPG aus der Kamera, aufgenommen mit Kreativmodes Schwarz/Weiß mit den Standardwerten bei Kontrast und Schärfe. Rechts das kurz danach aufgenomme analoge Bild mit Angabe der Kombination Kamera/Objektiv und des verwendeten Films. As for the ISO 100 images, the following pairs of images were also taken shortly one after the other and the exposure times are identical with a small deviation of a 1/3 stop. Again, the image on the left shows a JPG out of camera, shot in black&white mode with standard settings for contrast and sharpness. On the right you see the analoge pictures shortly taken after the digital image with the information about the camera/lens combination and the used film.
Was in der oberflächlichen Betrachtung als allererstes auffällt: Bei gleicher bzw. sogar längerer Belichtung auf Film sind die Schwarzwerte deutlich tiefer und satter sind als die Lichter und hellen Töne, die nahezu identisch bzw. auch leicht dunkler sind. On the first glance there is one thing hitting the eye: With the same or even longer exposure using film the shadows and blacks are a lot deeper and richer than the lights and brighter tones, which are almost identical comparing digital and film or a bit darker on film.



Fazit / Verdict

Ich denke, jedem ist klar wo die Vorzüge der digitalen Fotografie liegen. Sei es, dass man von Bild zu Bild die Lichtempfindlichkeit des Aufnahmemediums ändern oder einfach in der Nachbearbeitung entscheiden kann, ob es ein Farb- oder Schwarz-Weiß-Bild werden soll. Das ist flexibel, bequem und sicher ein Fortschritt, den ich um keinen Preis wieder hergeben möchte, denn hat man gerade nur eine Kamera mit z.B. einem frisch geladenem ISO 400 Schwarz-Weiß-Film dabei, das Wetter klart auf und die Sonne kommt raus, dann entpuppt sich ISO 400 als Kreativbremse wenn verstärktes Abblenden notwendig wird um z.B. die kürzestmögliche Belichtungszeit von 1/1000 Sek. nicht zu unterschreiten.

Passt der Film und die Empfindlichkeit aber zum Licht und halte ich das gleiche Motiv mit beiden Technologien bei sonst gleichen Parametern wie Brennweite, Blende, ISO und Belichtungszeit fest, dann beantwortet z.B. meine Frau die Frage nach „Analog oder digital?“ fast immer mit „Analog!“. Ihrer Meinung nach haben die Bilder vom Film mehr „Seele“ und etwas Besonderes, das nur schwer zu beschreiben ist. Und ja, ich teile diese Meinung. Ich habe schon viel Zeit mit der digitalen Bildbearbeitung verbracht um Bilder vom Digitalsensor an den Look eines Bilders vom Film anzupassen – es ist nicht das Gleiche, irgendetwas fehlt. Das Schwarz vom Film wirkt satter, kräftiger und die final doch fehlende Schärfe im Vergleich zum Bild vom Sensor, verleihen dem Bild vom Film das gewisse etwas.

Und so komme ich zu dem wohl erwarteten Ergebnis, dass die analoge Kleinbildfotografie nicht an die Funktionalität, die technisch mögliche Qualität heutiger Digitalkameras und der zugehörigen Objektive heranreichen kann, wenn es um rein technische Aspekte wie Schärfe und Abbildungsleistung geht. Geht es aber um Lebendigkeit, Authentizität, Unveränderlichkeit und darum, bereits bei der Aufnahme sein Bestes an Fotografiewissen in das Bild einfliessen zu lassen, so eröffnet die analoge Fotografie hierfür alle Möglichkeiten. Etwas, das nicht in Vergessenheit geraten und von jedem interessierten Fotografen probiert werden sollte. Aktuelle Marktzahlen und Berichte über wiederbelebte Filme und Produkte zeigen ein Aufleben des analogen Fotomarktes und auch das Angebot von Anbietern für Entwicklung und Scan von Filmen ist ausreichend.

I think, everybody has a clear view of where the advantages of digital photography are. Be it changing the sensitivity of the image registering medium from one image to the other or simply deciding whether it’s going to be a colour- or black and white image during post processing. Flexibility, comfort and technological progress I surely don’t want to miss for any reason, because if you are out with a camera and a freshly loaded ISO 400 film and the weather clears up, the sun comes out, the ISO 400 turns out to be a creativity stopper making it necessary to stop down radically to still use the shortest exposure time possible of 1/1000 of a second.

In case film and sensitivity are matching the current light conditions and I take an image of the same subject with both technologies and identical parameters like focal length, aperture, ISO and exposure time, my wife will answer the question „Analog or digital?“ with „Analog!“ almost every time I’ll ask her. She says, that the images from film have more „soul“ and something very special which is hard to describe. And yes, I share this opinion. I have already spent a lot of time on digital image processing to give digital camera pictures a look which is close or identical to pictures coming from film – it is not the same, something is missing. The black created by film is richer, stronger and the missing sharpness in comparison to the digital image, adds that certain something to it.

And so I come to the probably expected conclusion, that analog photography cannot keep up with the functionality, the technical features and possibilities of modern digital cameras and the referring lenses if it comes to the pure technical aspects like sharpness and image rendering quality. Looking at aspects like vibrancy, authenticity and unmodifiability it turns out to be different. Analog photography gives you the opportunity to put your best of photography knowledge into the image at the time of capturing it. This is something that should not fall behind and should be experienced and elaborated by all photographers keen to find out. Current market reports and news about re-activiated films and products show the revival of teh analog photography sector and the offer of service companies for development and scan of films is more than satisfying.

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