14 Tage mit der Fujifilm GFX 50s – Teil 4

Das ist der vorletzte Beitrag in der Reihe „14 Tage mit der Fujifilm GFX 50s“. Heute betrachte ich den Einsatz ausgewählter Mamiya Sekor C-Objektive an der Fujifilm GFX 50s als Kamera für Portraits. Den Start der Beitragsreihe mit Teil 1 findet ihr hier: 14 Tage mit der Fujifilm GFX 50s – Teil 1

Die Resonanz auf Teil 3 der Beitragsreihe, in dem ich mich mit dem nüchternen Vergleich von Objektiven an unterschiedlichen Kameras durch Blendenreihen beschäftigt habe, war deutlich geringer als erwartet – ist ja auch eher ein trockenes Thema und daher verstehe ich das. Das möchte ich heute wieder gut machen, in dem ich über meine Erfahrungen im Bereich der Portraitfotografie berichte. Hierzu habe ich mir über ein Aktivitätenportal (nein, nicht die Modelkartei) ein paar Laienmodels gesucht und mit Ariane, Katie und Oxana bei eisigen Temperaturen ein paar Stunden im Friedenspark am Oberländer Wall und im Rheinauhafen verbracht. Eingepackt hatte ich die Fujifilm GFX 50s mit Mamiya Sekor C 80mm F1.9 N, Mamiya Sekor C 110mm F2.8 N und dem Mamiya Sekor C 150mm F3.5 N.

Mit diesem Set sind dann auch folgende Portraits entstanden, die ich anschließend in Lightroom nach persönlichem Geschmack entwickelt und bearbeitet habe:

20171228_DSCF0002_GFX 50S.jpg

Fazit für Portraits mit der GFX 50s

Was gibt es zu berichten, außer, dass das Fotografieren bei Temperaturen knapp über 0° Celsius für keinen der Teilnehmer über lange Zeit viel Freude macht?

Sowohl die Fujifilm GFX 50s als auch die drei Mamiya Sekor C – Objektive machen bei der Portraitfotografie sehr viel Freude. Besonders die Fujifilm GFX 50s zeigt, dass sie für professionelles Arbeiten gebaut ist. Der Sucher ist riesig und zeigt alle benötigten Informationen an. Die Konfigurierbarkeit der Sucheranzeigen lässt kaum Wünsche übrig. Als sehr guten Ansatz für das Fotografieren im Modus manuelle Fokussierung ist die Dual-Anzeige zu nennen. Hier wird neben dem großen Fenster mit dem Gesamtbild ein kleineres Fenster mit einer vergrösserten Ansicht des Fokussierbereichs eingeblendet. Leider ist die vergrösserte Ansicht des Fokussierbereichs nicht sehr komfortabel in der Konfiguration, so dass ich mich für die Nutzung der Standardanzeige entschieden habe. Fokuszoom und MF-Assist über Kontrastkantenanhebung in Rot hatte ich aktiviert und den Fokuszoom konnte ich jederzeit bequem über einen Druck auf das hintere Einstellrad aktivieren. Den Faktor der Vergrößerung kann man dann sehr leicht ein Drehen am hinteren Einstellrad konfigurieren und die Verschiebung des Ausschnitts im Sucher war über den kleinen Fokushebel sehr einfach zu bewerkstelligen. Mit dieser Konfiguration war das Arbeiten mit den manuellen Objektiven, die ein sehr genaues Einstellen des Fokus durch den extrem kleinen Schärfentiefenbereich erforderten, sehr einfach und hat viel Spaß gemacht.
Die Mamiya Sekor C – Objektive zeichneten sich durch eine extrem präzise und leichtgängige Fokussierung aus und bei keinem der drei Objektive lässt die Schärfe zu wünschen übrig. Insgesamt ist dieses Set aus Kamera und Objektiven trotz rein manueller Fokussierung sehr gut für die Portraitfotografie bei statischen Motiven geeignet. An den Komfort und die Treffsicherheit bzw. Genauigkeit von Objektiven mit Autofokus und dem Einsatz des Augen-AF, den ich von meinen Sony-Kameras wie der A7RII oder A7II so sehr schätze, kommt die Fujifilm GFX 50s zusammen mit den manuellen Objektiven – trotz allem Spaß – nicht heran.

Für die Session habe ich die Kamera auf Filmsimulationsreihe eingestellt, bei der jedes Bild in einer Farbgebung abgespeichert wird, die einem der berühmten Fuji-Filme entspricht. Ich hatte mich für Velvia, Classic Chrome und Schwarzweiss entschieden, damit ich den Models vor Ort Bilder in unterschiedlicher Farbgebung zeigen konnte. Überrascht hat mich dabei zu Hause am Rechner beim Import der Bilddaten, dass neben den erwarteten drei JPG-Bildern mit der jeweiligen Filmsimulation auch jeweils 3 RAW-Dateien abgespeichert wurden, die dann nachher in Lightroom alle drei identisch aussahen und nur ein kleines, eingebettetes JPG mit der jeweiligen Filmsimulation enthielten.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich die Fotosession mit der Fujifilm GFX 50s und den drei Mamiya Sekor C-Objektiven sehr genossen habe, was aber auch an der Stimmung und den Models lag, die trotz der kalten Temperaturen gut gelaunt mitgearbeitet haben. Ich bin mir aber auch sicher, dass das Arbeiten mit der Fujifilm GFX 50s und den entsprechenden AF-Objektiven nochmals deutlich flüssiger von der Hand geht, denn sowohl Autofokus als auch Gesichts- und Augenerkennung sind technische Hilfen, auf die man nicht mehr verzichten möchte, wenn man sie einmal benutzt und schätzen gelernt hat. Hier ist die Fujifilm GFX 50s sogar einer Sony A7RII oder A7II einen schritt voraus, denn die Möglichkeiten der Konfiguration, auf welches Auge bei der intelligenten Gesichtserkennung scharf gestellt wird, sind hier etwas umfangreicher. Jedoch: Trotz aller Freude während der Session und der guten Ausbeute trotz manueller Fokussierung würde ich bei Portraits alleine aus Gewichtsgründen und wegen des Handlings – und das nicht nur bei kalten Temperaturen – lieber zur A7RII greifen. 4 Stunden Portraitshooting mit einer Kamera dieser Größe und mit diesem Gewicht sind anstrengend und ich kann für mich sagen, dass ich zwischenzeitlich häufigere Pausen wegen Ermüdung brauchte.

An dieser Stelle möchte ich meinen Dank und ein großes Lob an Ariane, Katie und Oxana aussprechen, die mit ihrer positiven Einstellung, Ausdauer und ihrem Durchhalten bei diesen Temperaturen das Shooting erst möglich gemacht haben.

Hier geht es zum letzten Teil, der ein abschließendes Fazit und meine Kaufentscheidung enthält: 14 Tage mit der Fujifilm GFX 50s – Teil 5.

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2 Antworten zu 14 Tage mit der Fujifilm GFX 50s – Teil 4

  1. Lutz sagt:

    Hallo Jörg,
    sehr guter Bericht. Ich kenne zwar die Fujifilm nicht, aber ich kenne die Sony A7II. Aber trotzdem ist der Bericht für mich absolut nachvollziehbar. Ich habe durch die Sony die manuelle Fotografie mit „Altglas“, mit meinem geliebten Carl Zeiss Jena Tessar oder die Canon FD Objektive in Verbindung mit Fokus Peaking und Fokuslupe gelernt. Aber das war mir dann doch zu wenig. Deshalb wollte ich wieder eine gutes Af-Objektiv. Ich habe ich mir dann schweren Herzens das Zeiss 55/1.8 Z gekauft, denn billig ist das ja nicht gerade. Sicher was Schärfe anbetrifft ist das absolute Spitze und ausreichend schnell ist es auch. Aber wenn es manuell sein soll, greife ich doch wieder zum Tessar, der elektronische Fokus des Zeiss fühlt sich irgendwie nicht so gut an. Gerade bei Portraits ist die Sony mit der Gesichtserkennung wirklich sehr hilfreich. Das hatte meine Nikon nicht. Und wenn ich heute los gehe, habe gerademal mein Zeiss, das Tessar und das Sony 28/2.0 dabei. Die Objektive sind klein und leicht, man merkt die kaum.
    Nur was mich bei Sony stört ist das Handling mit den Apps. Mit meinem PC funktioniert der Upload der Apps nicht, vielleicht stelle ich mich auch nur zu d… an. Da will man Apps kaufen und kann nicht.

    Grüße Lutz.

    • J. Haag sagt:
      Verfasser

      Hallo Lutz,
      Danke für Deinen Kommentar. Das FE 1.8/55 ZA ist sehr gut und seinen Preis wert. Damit hat man lange Freude und das Geld ist gut investiert. Du schreibst, Du nutzt bei der A7II die Gesichtserkennung. Meinst Du Eye-AF, wo dann im Augenwinkel ein kleines, grünes Quadrat erscheint oder wirklich „nur“ die Gesichtserkennung mit dem großen Rahmen um das Gesicht. Falls Du letzteres meinst, dann schau mal ins Handbuch und aktiviere den Eye-AF – das ist eine ganz andere Dimension, auch wenn dieser bei der A7II noch nicht an den der A7RII herankommt, denn dort funktioniert dieser auch mit AF-C.
      Das Thema Apps ist eine elendige Geschichte. Sony hat wohl gelernt und mit RX10 IV und A7RIII nun auch die Plattform geändert. Die alten Apss funktionieren dort schon nicht mehr, aber neue Apps kommen wohl bald.
      Grüße,
      Jörg

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