Chicago 2018

Chicago, eine Stadt mit vielen Namen und einem Ruf. Windy city, Chi-Town oder City of the Big Shoulders sind wohl die Namen, die man am häufigsten hört und der Ruf der Stadt ist wohl nicht der Beste: Hohe Kriminalität, die meisten Morde pro 1000 Einwohner und was haben wir nicht alles gehört. Trotzdem waren wir neugierig und haben uns auf die eine Woche nach unserer Zeit in New York gefreut – und wir wurden nicht enttäuscht.

Wie aus der Einleitung zum diesem Beitrag schon zu entnehmen ist, werde ich meine Berichterstattung zu Chicago etwas touristischer fassen als im Beitrag zu New York. Zur Ausrüstung und deren Wahl und Einsatz habe ich im New York – Beitrag schon einiges geschrieben und das gilt natürlich auch für Chicago. Ich werde in diesem Beitrag aber näher auf die RX100 IV eingehen, wozu es im Bericht zu New York nicht wirklich Anlass gab.

Den Städtetausch haben wir mit Delta Airlines vorgenommen; gegen Mittag haben wir New York verlassen und am frühen Nachmittag im Thompson Hotel Chicago eingecheckt. Mit Delta haben wir unsere erste und einzige Enttäuschung dieser Reise erlebt, denn während der Gepäckbearbeitung zwischen New York und Chicago wurde einer unserer Koffer beschädigt und ihm fehlte am Gepäckband in Chicago eines von vier Rädern, was den weiteren Transport stellenweise zu einer Herausforderung machte. Die Sachbearbeiterin bei Delta war wenig kundenfreundlich, denn neben der Feststellung, dass das Rad wohl abgefallen sei, hatte sie nur eine wenig hilfreiche Option im Angebot, nämlich den Inhalt des Koffers in einen anderen, herrenlosen Koffer aus dem Lager umzupacken und unseren nach Texas zur Reparatur zu schicken – Dauer ca. 3 Wochen. Der Feststellung, dass das Rad einfach abgefallen sei, widersprach ich energisch in dem ich den Koffer an einem der verbliebenen Räder hochhob und schüttelte und die Reparaturoption kam nicht wirklich für uns in Frage. Fazit des Fluges mit Delta: Nie wieder Delta! Ach, und die abschließende Kundenzufriedenheitsnachfrage, die wir entsprechend beantwortet haben, ist bis heute ohne Reaktion seitens Delta.

Aber zurück zum Wesentlichen: Chicago. Mal abgesehen vom Chicago River mit den vielen Klappbrücken gibt es zwei Dinge die in Chicago markant sind und zumindest mir immer wieder aufgefallen sind: Feuerleitern und die Hochbahn.

Chicago

Chicago

Und wo ich den Chicago River schon mal erwähnt habe…. den besten Blick hat man von der Roof-Top-Bar des Londonhouse:

ChicagoAn dessen Ufern stehen einige der architektonischen Sehenswürdigkeiten wie Marina Tower, Wrigley Building, Tribune Tower und Jewelers Building

Chicago
Chicago
Chicago

Ein viel besuchter Ort ist das Chicago Cloudgate, welches auch „The Bean“ genannt wird, welches Teil des Millenium Parks ist:

Chicago
Chicago
Chicago

Die beste Aussicht auf die Stadt hat man ohne Zweifel vom Chicago 360° (Hancock Tower) und vom Willis Tower:

Chicago
Chicago
Chicago

Das waren jetzt die Top-Attraktionen, aber Chicago hat noch viel mehr zu bieten. So kann man bei schönem Wetter viel Zeit am Wasser und Sandstrand verbringen. Es gibt herrliche Stadtteile im Norden der Stadt (Gold Coast, Old Town) mit Alleen und Villen, die wunderbar für längere Spaziergänge geeignet sind. Der Millenium Park lädt ebenso zum Verweilen ein wie der River Walk – langeweile bekommt man in dieser Stadt ganz sicher nicht.

Die Sony RX100 IV

So viel zum touristischen Chicago, aber wie versprochen möchte ich in diesem Beitrag auch etwas Technisches und Fotografisches berichten und etwas mehr zur Sony RX100 IV schreiben; der Kamera, die – aus heutiger Sicht – leider viel zu oft im Schrank lag. Tatsächlich musste ich erst eine Städtereise nach Chicago machen (und meine Frau mal keine Lust auf Fotografieren haben damit die Kamera verfügbar war) um die Vorzüge dieses kleinen Technikwunders „erneut“ zu erkennen. Das zeitweise heiße Wetter hat diese Entwicklung noch begünstigt, denn irgendwann hatte auch ich keine Lust mehr die große Fototasche zu tragen. Und damit wir uns alle im Klaren darüber sind worüber ich spreche, hier ein Produktfoto der RX100 IV:

Und so kam es, dass ich die letzten Tage in Chicago fast ausschließlich mit der RX100 IV unterwegs war und den Eindruck gewonnen habe, dass man (fast) nichts anderes braucht – fast, weil die Anfangsbrennweite von 8,8mm (also 24mm an Kleinbild) stellenweise in den Häuserschluchten etwas zu lang ist und man dann froh über eine etwas kleinere Brennweite wie 20mm wäre, wie nachfolgendes Bild von der Chicago City Hall (Rathaus) zeigt, wo ich mich wirklich in die letzte Ecke flüchten musste um die City Hall auch nur annähernd ganz aufs Bild zu bekommen:

Chicago

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt beim Fotografieren in einer Stadt wie New York oder Chicago ist die Tatsache, dass es in den Häuserschluchten trotz strahlendem Sonnenschein immer wieder Orte im Schatten gibt, die dadurch einen sehr großen Unterschieden zwischen Hell und Dunkel haben. Das menschliche Auge bzw. das Gehirn weiß diese extremen Hell-Dunkel-Unterschiede wunderbar auszugleichen, aber für ein Foto gilt es abzuwägen zwischen korrekt belichtetem Himmel und vermeintlich zu dunklen Gebäuden oder korrekt belichteten Gebäuden und ausgefressenen Lichtern im Himmel bzw. in den Wolken. Ich habe mich schon seit längerem beim Fotografieren mit meinen Kleinbildkameras für die erste Variante entschieden, also sauber auf den Himmel zu belichten und während der Entwicklung der RAW-Dateien die Schatten und Tiefen aufzuhellen. Ich erreiche das über das Fotografieren mit dem elektronischen Sucher und der sogenannten Zebra-Einstellung, bei dem mir im Sucher überbelichtete Bildpartien mit einem Zebrastreifen-Muster angezeigt werden. Aber Achtung: Diese, auch gerne ETTR (Expose to the right) genannte Variante der Belichtung funktioniert nur richtig bei der Erstellung von Bildern im RAW-Format. Bei JPG aus der Kamera werden die Dynamikbereiche im Bild zu sehr beschnitten um die Schatten entsprechend zu „retten“. Bei der RX100 IV war ich diesbezüglich bisher immer skeptisch, aber wie dieser Vergleich zwischen unbearbeitetem und entwickeltem RAW zeigt, verfügt selbst der kleine 1″-Sensor über ausreichend Dynamik um diese Form der Belichtung zu unterstützen.

Chicago Chicago

Eine Alternative zum o.g. Verfahren mit ETTR ist bei älteren Kameras oder bei JPG aus der Kamera die Belichtungsreihe mit einer Spreizung von 2 Belichtungswerten über insgesamt 5 Bildern.

Eine weitere Herausforderung war die geplante Aufnahme der Chicago-Skyline während der blauen Stunde. Ich hatte bereits im Vorfeld zur Reise Bilder gesehen, welche die Skyline von Chicago am Abend mit dem Lake Michigan im Vordergrund zeigt. Ein Blick auf die Karte zeigte dann auch schnell, dass der North Beach eine Landzunge hat, von der aus diese Bilder leicht anzufertigen sind. Also sind wir mit Stativ und Kameratasche mit A7RII, diversen Objektiven, Filtern und der RX100 IV dort hin und während ich dann dort so saß und immer mal wieder ein Bild mit der A7RII gemacht habe, hatte ich zeitgleich die RX100 IV auf dem Boden liegen und habe auch mit ihr per 2 Sek. Auslösetimer ein paar Aufnahmen von der Szenerie gemacht:

Chicago
Chicago

Mal abgesehen von den unterschiedlichen Brennweiten: Im Vergleich sind die Bilder aus der A7RII natürlich etwas dichter, reicher an Details und liefern mehr Spielraum und Reserven in der Entwicklung, aber letztlich reichen auch die Bilder aus der RX100 IV für den Blog und sogar locker für einen Ausdruck im Format 90 x 60 cm oder meint ihr nicht? Kommentiert gerne in diesem Beitrag, wie ihr zum Thema Reisen und Kameraausrüstung steht, was ihr so auf Reisen mitnehmt und warum euch z.B. eine Kompaktkamera ausreicht oder auch nicht. Ich bin schon sehr gespannt….

Alle Bilder zu Chicago findet ihr wie üblich in einem Flickr-Album:

Chicago
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Kategorien:Außerhalb Europa, Blogs, Reise, StädtereisenSchlagwörter:, , , , , , , , , , , , , , ,

J. Haag

Ich bin 1967 geboren und am Rande der Eifel in Oberelvenich und in der Natur aufgewachsen. Seit 1988 beschäftige ich mich mit der Fotografie.

Fotografie bedeutet für mich Entspannung und Abenteuer zu gleichen Teilen. Seit den ersten analogen Bildern begleiten mich Kameras und Objektive von Minolta und nach der Übernahme durch Sony bin ich dem System treu geblieben.

Heute nutze ich neben spiegellosen Systemkameras mit Kleinbildsensor auch wieder analoge Kameras im Kleinbild- und Mittelformat sowie Sony Cybershot-Kameras mit 1"-Sensor für meine fotografischen Arbeiten, wobei ich den elektronischen Sucher der Sony-Kameras besonders schätze.

6 Kommentare

  1. Christoph

    Wieder sehr lesenswert. Man bekommt richtig Lust auf Reise+Fotografie, am besten gleich sofort 😉

    Aufgrund von Familienzuwachs musste ich bei unserem ersten Urlaub mit unserer Kleinen diesen August umdenken. Rückblick 2015: NY Trip mit damals noch Freundin: ich mit Rucksack und insgesamt 10kg Gepäck. Darin neben Kleidung,Lebensmitteln und Getränken, meine Sony Ausrüstung: A7 +70-200 f4 +24-70 f4 und sogar das schwere Mitakon 50 0,95 für besondere Momente, sowie die a6000 mit Kitlinse (für Freundin 🙂 Es gab viel Zeit für Objektivwechsel und ich war sehr zufrieden mit der Fotoausbeute nach dem Urlaub. Vermutlich hätte es ein 24-240 Zoom auch getan und hätte mir Zeit und Schlepperei gespart …. nunja, vermutlich hätte sogar die a6000 mit Kitlinse gereicht 😉

    Dieses Jahr umgedacht bei Strandurlaub mit Familie: nur eine a7r3 mit Tamron 28-75mm sowie mein geliebtes Voigtländer 40 1.2 am Autofocus-Adapter. Tagsüber am Strand das Zoom, abends die lichtstarke Festbrennweite. Die Kamera hing immer an einem Sun Sniper Kameragurt an meiner rechten Hüfte und war jederzeit einsatzbereit. Mit einer sehr kompakten Festbrennweite fällt man kaum auf, das Zoom sorgt doch irgendwie immer für Hingucker, die eigentlich nicht gewollt sind.

    Es hat wunderbar funktioniert und ich habe mir die Zeit gespart, über Brennweiten-Wechsel nachzudenken. Da ich ein Fan von Unschärfeverlaufen bin, muss irgendwie die Vollformat-Kamera doch immer dabei sein. Eine RX100 hat mich aber auch schon zu oft gereizt. Für Reisen sicherlich eine tolle Kompakte, wie du öfters gezeigt hast.

    Denke ich aus Kamerasicht an meinen schönsten Städtetrip, so war das 2014 mit einer Sony A7 und dem klitzekleinen FE 35 f2.8. Mehr hatte ich nicht dabei. Sie hing den ganzen Tag per Gurt an mir. Es tat nichts weh und kaum wer beachtete mein kleines Spielzeug 🙂
    Es hat am Ende aber wundervolle Fotos gezaubert. In Hamburg reicht es aus, mal ein paar Schritte zurück zu gehen, sodass man mit 35mm gut zurecht kommt.

    • Die RX100 IV wird leider viel zu oft von mir ignoriert, denn sie kann deutlich mehr als man ihr zutraut – gerade vergangenes Wochenende hat sie das auch wieder in Brüssel bewiesen. Bis Chicago habe ich auch immer gedacht, dass ich die schönen Urlaubsreisen auf der bestmöglichen Kamera festhalten muss. Aber so nach und nach wurde mir klar, dass das nicht nötig ist, denn selbst aus der RX100 kommen Bilder die für die Wand taugen, wenn man sorgfältig damit arbeitet und sich überlegt, was man will.

  2. Mein erster Post ist nicht da, wahrscheinlich gar nicht zu Ende hochgeladen.

    Es ist ein sehr interessanter Bericht, mit sehr schönen Bildern von Chicago. Keine stürzenden Linien, was mir sehr gefällt. Ich fahre meist auch mit der kleinen Ausrüstung in den Urlaub, vor allem, wenn es mit dem Flieger los geht. Dieses Mal sind wir mit dem Auto unterwegs und ich habe alles, was ich an Technik habe, eingepackt. 🙂 Auf das große schwere Stativ habe ich dieses Jahr auch nicht verzichtet, da es an die Küste ging und es doch mal ab und zu sehr windig wird.
    Liebe Grüße,

    Susanne

  3. Christopher Fiebig

    Hallo Jörg,
    ich lese jetzt Deine Beiträge zur Fotografie seit gefühlten 100 Jahren und es sind immer super tolle Inspirationen, Orte und Hintergrundinformationen zur Technik dabei. Ich freue mich jedes mal, wenn Du einen neuen Beitrag postest. Diesen lese ich mir dann als erstes unter den vielen anderen E-Mails durch. Mach bitte weiter so! P.S. ich bin treuer Sony Kunde (NEX5R mit el. Sucher, A6000, A7II, A7RII) und habe bis auf die NEX alles verkauft, weil ich mich wieder auf das Motiv konzentrieren will und nicht auf das, was technisch möglich ist. Und die alten Sony´s funktionieren immer noch hervorragend. Liebe Grüße, Christopher

    • Hallo Christopher,
      Danke für Deine netten Worte. Es sind diese Beiträge und Kommentare, die mir neue Motivation geben.
      Sony, Nikon, Canon, Panasonic usw. – eigentlich egal welches Werkzeug man benutzt. Was uns verbindet ist die Fotografie und die Bilder, die hinten rauskommen. Wenn ein Bild gefällt fragt keiner mehr nach der Marke. Ich freue mich aber zu sehen, dass es mehr Fotografen gibt als man denkt, die mit Sony fotografieren.
      Liebe Grüße,
      Jörg

    • Christoph

      Ich lese deinen Blog auch sehr gerne 🙂 Kann mich Christopher nur anschließen. Du machst einen guten Mix aus Technik und Erlebtem. Einfach so weitermachen 🙂

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