Streetfotografie – die richtige Ausrüstung finden

Letzte Woche habe ich über die angestrebte Veränderung meiner Fotografie geschrieben und warum ich denke, dass eine kleine Kompaktkamera und ein, für den Fotografen „gefährliches“, Genre dabei helfen könnte. Nach den ersten, motivierenden Erfahrungen mit der Sony RX100 IV, habe ich gedacht, ich werde etwas mutiger und habe kürzlich die insgesamt auffälligere Kombi aus Sony A7 II und FE 55mm F1.8 ausprobiert.

Die Vorzüge der Sony RX100 IV im Genre der Streetfotografie und welche Konfiguration diese Kamera dafür hervorragend qualifiziert, habe ich im o.g. Beitrag beschrieben. Zwei positive Aspekte der RX100 IV fehlen der Kombination aus A7 II und 55mm Objektiv, auch wenn ich einen davon eher niedriger bewerten würde.

1. Größe

Auch wenn man mit der A7 II schon eher auffällt, weil die Kamera, besonders mit dem 55mm Objektiv inkl. angesetzter Streulichblende, ein Vielfaches größer ist als die RX100 IV, wie der Größenvergleich auf camerasize.com zeigt, so ist die A7 II von vorne (also aus der Sicht des Fotografierten) dann doch nicht so groß, wie die Ansicht von oben vermuten lassen würde.

Größenvergleich_RX100_A7II
RX100 IV und A7 II mit FE 55mm F1.8 ZA von oben
Größenvergleich_RX100_A7II_frontal
RX100 IV und A7 II ohne Objektiv von vorne

Deshalb zählt dieser Nachteil der A7 II nicht so richtig für mich; da ist ein anderer Punkt für mich deutlich wichtiger: Die geräuschlose Aufnahme!

2. Auslösegeräusch

Die Sony A7 II hat „nur“ einen elektronischen 1. Verschluss und der 2. Verschlussvorgang ist mechanisch, so dass die A7 II im Gegensatz zur absolut leisen RX100 IV immer ein Auslösegeräusch zum Bild macht – etwas, das den Streetfotografen bei seiner Tätigkeit verrät und beim Fotografierten zumindest den Reflex des Nachdenkens darüber anstößt, ob man gerade fotografiert wurde. Personen, die mit anderen Dingen beschäftigt sind bekommen das bei etwas Straßenlärm nicht mit, wie z.B. im folgenden Bild, wo beide mit den technologischen Errungenschaften unserer Zeit zu kämpfen scheinen. Außerdem hält mich hier die Brennweite von 55 mm etwas auf Distanz, bei 35 mm hätte ich etwas näher herangehen müssen um den gleichen Kontext zur Anwendung von Technologie verdeutlichen zu können.
Park + Ride
Im folgenden Bild schirmt die Glaswand zwischen dem Fotografen und dem Motiv das Geräusch ab.
Seltsamer Blick

Eines kann ich in Bezug auf das Auslösegeräusch wohl schon jetzt: Die Mamiya 645 Pro TL wird mit großem Spiegel und Tuchverschluß sicherlich nicht zu den Kameras gehören, mit denen ich viel Streetfotografie machen werde. Im Vergleich zur A7 II ist dann die A7R II die besser Kamera für Street, da diese zum einen die gleiche Größe hat und zum anderen über einen vollständig elektronischen Verschluß verfügt. Dieser hat jedoch Probleme mit Kunstlicht und erzeugt je nach Leuchtmittelart Banding (Streifen im Bild) und es bleibt abzuwarten, wie sich das auf die Bilder auswirkt. In Sachen Banding wird sich auch die RX100 IV noch bewähren müssen.

Zusätzlich zu den beiden genannten Punkten gibt es aber noch einen weiteren, für mich wichtigen Unterschied der für die RX100 IV spricht und mir erst nach dem ersten Einsatz der A7 II bewußt wurde:

3. Sucher oder Display

Während ich das Bild von der Frau hinter der Glasscheibe der Bushaltestelle gemacht habe, ist mir dieser Punkt an der A7 II sehr negativ aufgefallen. Hintergrund: Die Dame sitzt an der Bushaltestelle, so dass klar wird, dass ich die Kamera auf Bauchhöhe halte und das hintere Display im 90°-Winkel nach oben geklappt als Sucherersatz verwende.
Normalerweise habe ich die Umschaltung zwischen Sucher und Display auf Automatik stehen. Da der Sensor für diese automatische Umschaltung jedoch zu empfindlich ist – etwas, das mir auch schon an der A7R II aufgefallen ist – schaltete sich immer der Sucher ein und das Display bleibt bei Aufnahmen auf Hüfthöhe schwarz. Das war am Anfang sehr störend und hinderlich und mir sind dadurch einige Bilder entgangen. Später habe ich dann diese Umschaltung manuell auf Display gesetzt – mit dem Nachteil, dass dann der Sucher vollständig deaktiviert ist. Hier hat die RX100 IV den unschlagbaren Vorteil, dass der Sucher vollständig einfahrbar und damit auch der Umschaltsensor nicht aktiv ist.

Lass uns reden
Abwärtzs

Eine Sache zeichnet sich jedoch nach den ersten beiden Wochen intensiverer Aktivitäten im Genre Streetfotografie langsam ab: Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass ich bei Street keine RAWs mehr parallel speichern werden, denn alle Bilder, die ich in den letzten 2 oder 3 Wochen zu diesem Thema veröffentlich habe sind die JPGs, wie sie aus der Kamera kamen, denn auch das Schwarz-Weiß-Setting gefällt mir gut, wie es aus der Kamera kommt.

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J. Haag

Ich bin 1967 geboren und am Rande der Eifel in Oberelvenich und in der Natur aufgewachsen. Seit 1988 beschäftige ich mich mit der Fotografie.

Fotografie bedeutet für mich Entspannung und Abenteuer zu gleichen Teilen. Seit den ersten analogen Bildern begleiten mich Kameras und Objektive von Minolta und nach der Übernahme durch Sony bin ich dem System treu geblieben.

Heute nutze ich neben spiegellosen Systemkameras mit Kleinbildsensor auch wieder analoge Kameras im Kleinbild- und Mittelformat sowie Sony Cybershot-Kameras mit 1"-Sensor für meine fotografischen Arbeiten, wobei ich den elektronischen Sucher der Sony-Kameras besonders schätze.

5 Kommentare

    • Hallo. Entschuldige die späte Antwort, aber die letzten Tage war einfach keine Zeit.
      Ich denke, vor 50 Jahren, ohne die ganzen sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Instagram usw., waren die Menschen auf unseren Straßen auch noch nicht so empfindlich und durch die Medien auf ihre Rechte getrimmt. Letzteres wurde den Schwachsinn DSGVO nochmal angeheizt.
      Einer der wenigen Gründe, warum ich gerne in den U.S.A. Urlaub mache, besonders in Städten wie New York, Chicago oder San Francisco. Dort werfen sich die Menschen fast ins Bild und freuen sich, wenn sie fotografiert werden. Ausnahmen sind natürlich irgendwelche Touristen – meist Deutsche. 🙂
      Ich dachte auch immer, dass mir der Mut fehlt und habe es oft angefangen und wieder sein gelassen. Jetzt bleibe ich dran, weil ich feststelle, dass man nicht jedes Bild machen muss und ich ein Gefühl für die jeweilige Situation entwickle.

  1. Hi .. kann ich nachvollziehen. Du hast das Gefühl das Ding ist unheimlich laut. Vergiss aber nicht, dass dir gehenüber jemand ist der Vorerst nur ein Geräusch hört und dieses zunächst nicht zuordnen kann. Ich habe mit mechanischem Verschluss schon streets gemacht aus weniger als 2 m Entfernung und es wurde nicht wahrgenommen. Das Geräusch schon … aber nicht dass ich es verursacht hatte. Das gilt natürlich für Gelegenheiten bei denen eine Grundgeräuschkulisse herrscht. Gottseidank kann ich das auch anschalten und habe danaben nei meiner KP auch einen geräuschlosen elektronischen Verschluss. Den setze ich immer ein in Innenräumen oder wenn es relativ ruhig ist. Ohne ginge dann oft nicht. Aber zumeist können die Leute das Geräusch nicht richtig zuordnen. Drum gehe ich das Risiko zumeist inzwischen ein. … Gruß … Robert

    • Hallo Robert. Entschuldige die späte Antwort, aber die letzten Tage war einfach keine Zeit.
      Ich war letztens erst mit der Mamiya 645 unterwegs. Das Ding hat einen Spiegel der um einiges größer, schwerer und lauter ist als die Verschlüsse aller anderen Kameras zusammen – auch der analogen Minoltas. Tatsächlich habe ich damit sehr gut Streetfotografie machen können, was aber daran liegt, dass mir ein 35mm äquivalentes Objektiv zu Kleinbild fehlt. Das 80mm F1.9 ist ein 50mm an Kleinbild und schafft wieder etwas Distanz zwischen mir und dem Motiv.
      Wie ich aber in einem anderen Kommentar geschrieben habe, entwickle ich im Moment ein besseres Gefühl für die jeweilige Situation und störe mich immer weniger am Geräusch der Kamera.
      Danke für Deine Einschätzung!

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