Techart LM-EA 7: Autofokus für Leica M

Autofocus ANYTHING – das ist der Slogan mit dem die Firma Techart den – Achtung, ein markiger Name – Techart PRO Leica M – Sony E Autofocus Adapter bewirbt. Ich habe mir ein Exemplar zur „Anprobe“ bestellt, zusammen mit einem Adapter, der mich meine Minolta MD Rokkore an diesen Adapter anschließen lässt. Autofocus ANYTHING als Aufmacher auf der Produktseite verspricht vieles, wie z.B. dass so ziemlich jedes, manuell fokussierende Objektiv per Adapter zum Autofokus-Objektiv wird. Also ungefähr das Versprechen Weihnachten, Ostern und einen runden Geburtstag an einem Tag feiern zu dürfen. Und tatsächlich, die Liste der „dummen“ Adapter auf das Leica-M Bajonett des Techart LM-EA 7 ist lang:
  • Canon FD – Leica M
  • Leica R – Leica M
  • L39 – Leica M, 35.135
  • L39 – Leica M, 50.75
  • Nikon F – Leica M
  • Nikon G – Leica M
  • Canon EF – Leica M
  • Pentax K – Leica M
  • C/Y – Leica M
  • Minolta MD – Leica M
  • M42 – Leica M
  • Olympus OM – Leica M
  • ALPA – Leica M
  • DKL – Leica M
  • Exakta – Leica M
  • Contarex CRX – Leica M
  • QBM – Leica M
  • ARRI – Leica M
  • Konica AR – Leica M
Objektive mit 19 verschiedene Bajonett-Typen können an den Adapter angebracht werden, darunter Anschlüsse von denen ich in meinem Leben noch nichts gehört habe, wie z.B. DKL oder QBM. Interessant ist auch, dass es für L39 zwei verschiedene Adapter für die Brennweiten 35 / 135mm und 50 / 75 mm gibt. Bestellt habe ich den LM-EA 7 und einen Adapter von Minolta MD auf Leica-M: LM-EA 7 + MD-LM Adapter Mit diesen beiden Adapter soll also nun mehr oder weniger zusammenwachsen, was eigentlich nicht wirklich zusammengehört: Autofokus für MD Rokkore an der Spiegellosen: Zwei Welten wachsen zusammen

Bestellprozess und Lieferung

Der Bestellprozess auf der Webseite von Techart funktioniert wie in jedem anderen Shop-System auch und ohne Probleme. Bezahlt habe ich bewusst über PayPal, damit ich bei der Bestellung aus China einen gewissen Käuferschutz hab. Techart zeigt für die Webseite und den Shop keinerlei Informationen zu Sitz, Inhaber, Geschäftsführer oder was sonst normalerweise so in einem Impressum steht. Impressum? Da scheinen die Gesetze in China etwas anders und deutlich liberaler zu sein als bei uns oder im kontrollierten Europa. Auf Paypal wird Techart als China Optical Equipments Company geführt. Sucht man auf Google nach diesem Firmennamen, kommt man auch nicht wirklich weiter. Die Kontaktaufnahme über PayPal erfolgt über die Mailadresse sales@geareach.com und wie erwartet führt auch http://www.geareach.com ins Leere. Nach der Aufgabe der Bestellung habe ich ausser der Bildschirmanzeige kurz vor Verlassen der Seite weder eine Bestätigungsmail noch sonst irgendeine Benachrichtigung erhalten. Nach dem Kauf wollte ich über eine Kontaktaufnahme den ungefähren Liefertermin in Erfahrung bringen und nachdem ich in den nächsten 10 Tagen keine Antwort erhalten hatte, startete ich ein Ticket für den Käuferschutz – keine Reaktion. Nach ca. 2 Wochen wurde das Päckchen dann geliefert – ohne das Zoll entrichtet oder gar ein Zollamt besucht werden musste. Also alles ohne Probleme, was bei einer Lieferung rund um den Erdball nicht unbedingt erwartet werden darf.

Technische Daten

LM-EA 7 Vorderseite LM-EA 7 Rückseite Als Fotograf mit gesteigertem Interesse an der Technik hinter den Dingen, war meine erste Vorstellung von diesem Adapter anders als das, was die Bilder zeigen. Die beschriebene Funktionalität suggeriert einen deutlich größeren und schwereren Adapter, denn man erwartet ein Gehäuse mit einem Motor, der nicht nur einzelne Glaselement oder -gruppen, sondern das gesamte Objektiv bewegt. Dazu kommt noch etwas Elektronik und ein Bluetooth-Modul für die Aktualisierung der Firmware. Techart hat es geschafft den Adapter so zu konstruieren, dass nicht irgendwo ein unförmiges Kästchen am Adapterring hängt, sondern ein schlanker Adapter mit 133 Gramm Eigengewicht herausgekommen ist, der Objektive bis 700 Gramm fokussieren kann. Die Stromversorgung erfolgt über die Batterie der Kamera, womit wir auch schon bei einer Schwäche des Gesamtsystems wären. Der Adapter ist nicht genügsam und saugt ordentlich an der Akkuladung. Genau Zahlen kann ich nicht liefern, aber gefühlt hält ein Akku in Verbindung mit dem Techart Pro LM-EA 7 nur 50% der Zeit, wie bei Verwendung eines vergleichbaren Sony AF-Objektivs.

Konfiguration und Funktionsweise

Mechanisch ist der Adapter zu verwenden wie jeder andere Bajonett-Adapter. Hierbei gehe ich wie folgt vor:
  1. Der LM-EA7 und der LM-MD Adapter sind immer miteinander verbunden, da ich aktuell ohnehin keine anderen, manuellen Objektive habe, die ich über diesen Adapter zu Autofokus-Objektiven machen könnte.
  2. An diese Kombination der beiden Adapter bringe ich dann das MD-Objektiv an, welches ich verwenden möchte.
  3. Das Set aus Adaptern und Objektiv schließe ich dann an die Kamera an.
  • Auf der elektronischen Seite ist es für den Adapter wichtig zu wissen, welches Objektiv angebracht ist, denn das scheint Einfluß auf die Fokussierung zu haben. Diese Information wird dem Adapter über eine bestimmte Vorgehensweise mitgeteilt. Die Konfiguration des Adapters für das verwendete Objektiv bzw. die Brennweite desselben erfolgt über die Vorwahl einer bestimmten Blendenzahl und einmaligen Auslösens des Verschluss. Danach muss die Blendenwahl an der Kamera wieder auf F2 eingestellt werden. Das manuell fokussierende Objektiv muss auf unendlich fokussiert sein und nun kann der AF im Fernbereich fokussieren. Dem Adapter liegt eine Tabelle mit vorkonfigurierten Brennweiten und den entsprechenden Blendenzahlen zur Vorwahl bei. Ich nutze aktuell 5 Objektive, die mit den Blendenzahlen in Klammern konfiguriert werden:
    MD 21mm F2.8 (F14)
    MD 28mm F2.8 (F16)
    MD 35mm F2.8 (F22)
    MD 50mm F1.4 (F25)
    MD 85mm F2.0 (F29 – eigentlich für 90mm)
Der Einfachheit halber und um nicht immer die kleine Anleitung mitnehmen zu müssen, habe ich mir die F-Nummern auf Etiketten gedruckt und auf die Objektive geklebt. Die Rokkor-Familie mit Techart Pro LM-EA 7 Gleiches gilt auch für die Aktivierung des Bluetooth-Moduls für z.B. die Durchführung eines Firmware-Updates. Hierzu muss die Blendenzahl an der Kamera für ein Bild auf F90 eingestellt werden. Danach Kamera ausschalten und schon kann das Firmware-Update über die entsprechende App über das Smartphone eingespielt werden. Die Update-App ist für Android und iOS verfügbar. Es gibt noch eine zweite App für die Konfiguration der einzelnen Speicherplätze – diese ist jedoch nur für Android-Smartphones verfügbar, was mich vor ein Problem stellt, denn ich nutze ein iPhone. Vielleicht ergibt sich mal die Gelegenheit ein Android-Smartphone eines Bekannten oder Freundes zu nutzen um die Position F29 von 90 auf 85mm zu ändern. Im direkten Freundeskreis nutzen aber alle Apple – also mal sehen…. Nachdem nun alles konfiguriert ist, kann das MF-Objektiv per AF genutzt werden. Dabei fährt der Adapter nun das Objektiv vor und zurück, bis die Kamera „in focus“ meldet. Telestellung Nahstellung Ein Bonus dabei ist, dass man mit diesem Adapter die Naheinstellgrenze eines Objektivs deutlich reduzieren kann, wenn man den Fokus des Objektivs von der Stellung unendlich auf die Naheinstellung dreht. An der A7II ist die Fokusgeschwindigkeit ähnlich schnell wie an der A7RII, jedoch ist die Anordnung der Phasen-AF-Elemente an der A7II auf einen bestimmten Ausschnitt in der Mitte reduziert. Die A7RII ist da deutlich flexibler in der Handhabung, da die Phasen-AF-Elemente fast über den gesamten Bildausschnitt verteilt sind.

Sonstiges

Ein kleiner Nachteil des Adapters ist der nach unten überstehende Teil, der vermutlich das Bluetooth-Modul und einige Elektronikbauteile zur Motorsteuerung enthält. A7II ohne L-Winkel Dieses kleine Problem lässt sich aber über die Verwendung eines L-Winkels lösen. Meiner hat zum Glück genau die Dicke um den Abstand zwischen Kameraboden und Unterkante Adapter aufzufüllen. A7II mit L-Winkel (unten bündig)

Fazit

Unter dem Strich ist der Techart PRO Leica M – Sony E Autofocus Adapter ein faszinierendes Stück Technik, mit dem sehr viele Objektive mit eigenem Charakter nun auch für die Fotografen unter uns interessant werden, die so ihre Problem mit der manuellen Fokussierung an einer spiegellosen Sony haben, aus welchen Gründen auch immer. High-Performance Autofokus für Sportaufnahmen mit AF-Verfolgung darf man nicht erwarten, aber die Fokussierung erfolgt ausreichend schnell, genau und funktioniert wie mit fast jedem anderen E-Mount Objektiv auch. Faszinierend ist die Vielzahl der Objektive, die sich nun per zusätzlichem Adapter anbinden und AF nutzen lassen – da ist für jeden etwas und für einige viele dabei. Zwei Preise sind dafür zu bezahlen: Zum einen wäre da der Neupreis von $449,00 inkl. Minolta MD auf Leica-M Adapter. Aktuell gibt einen Sale für $334,00 inkl. Adapter, vielleicht kommt in Kürze ein neuer Adapter. Wer dem Kauf in China nicht traut, kann den Techart-Adapter auch über Amazon (Affiliate Link) kaufen. Einen MD-LM-Adapter bekommt man bei Amazon (Affiliate Link) auch. Zum anderen sollte man bei der Verwendung des Techart Pro immer ein oder zwei Ersatzakkus dabei haben. Sollten diese also nicht vorhanden sein, lohnt sich hier der Kauf. Thema Akku: Man sollte auch vermeiden die Kamera mit angeschlossenem Adapter in den Schrank zu stellen, weil der Adapter wohl auch im ausgeschaltetem Zustand am Akku saugt. Ich habe es nicht ausprobiert und habe auch nicht vor dieses zu tun, jedoch wird im Internet davon berichtet. Der Adapter bekommt von mir definitiv eine Kaufempfehlung.
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J. Haag

Ich bin 1967 geboren und am Rande der Eifel in Oberelvenich und in der Natur aufgewachsen. Seit 1988 beschäftige ich mich mit der Fotografie.

Fotografie bedeutet für mich Entspannung und Abenteuer zu gleichen Teilen. Seit den ersten analogen Bildern begleiten mich Kameras und Objektive von Minolta und nach der Übernahme durch Sony bin ich dem System treu geblieben.

Heute nutze ich neben spiegellosen Systemkameras mit Kleinbildsensor auch wieder analoge Kameras im Kleinbild- und Mittelformat sowie Sony Cybershot-Kameras mit 1"-Sensor für meine fotografischen Arbeiten, wobei ich den elektronischen Sucher der Sony-Kameras besonders schätze.

4 Kommentare

  1. Christoph

    Super, demnach wärst du mit den Funktionen an einer A7iii oder A7riii begeistert 🙂
    Deine Erfahrungen mit längeren Brennweiten (ab 70mm) würden mich interessieren, da ich bisher nur im Bereich 40/50mm den Adapter genutzt habe. Ich vermute hier eine langsamere Fokussierung, falls man nicht sogar manuell vorfokussieren muss.

  2. Christoph

    Hallo Jörg, freut mich, einen Bericht hierzu von dir zu lesen. Bin gespannt, ob du das Teil länger behälst 🙂
    Die Idee mit den Aufkleber finde ich nett 🙂

    Ich habe irgendwo mal den Tipp gelesen, dass man vor der Nacht, kurz die Batterie der Kamera rausholen und wieder einschieben kann, damit der Adapter diese nicht leer saugt. Ich hoffe, diese Problematik wird bei einer Version 2 des Adapters behoben. Ansonsten kann ich sagen, dass es bei Generation 3 der A7 kein Problem ist wegen dem großen Akku.

    Soweit ich mich noch erinnere, kann man die Vorgaben der Brennweiten seitens des Adapters nicht ändern. Man kann die 5 freien „slots“ selbst definieren.

    • Hallo Christoph.

      Ja, da bin ich auch gespannt. Der AF funktioniert besonders an der A7R II gut – warum also nicht.
      Die Aufkleber sind praktischer als immer den Zettel mitnehmen (und daran denken zu müssen).

      Wenn die 90mm-Einstellung für 85mm funktioniert brauche ich auch nicht umkonfigurieren.

      LG, Jörg

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