Wer hat Angst vor High-ISO?

Es ist Januar, die Tage werden wieder länger, die schönen Weihnachtsmärkte sind bereit abgebaut und damit sind auch viele der bunten, vorweihnachtlichen Motive verschwunden, die man häufig fast nur aus der Hand und ohne Stativ aufnehmen kann, weil die Menschenmengen und das Gedränge den Aufbau des Stativs nicht zulassen. Diese Zeit des Jahres ist das Paradebeispiel für die Nutzung der Kamera vor dem Hintergrund der Frage: „Wer hat Angst vor High-ISO?“. Und damit meine ich nicht die Bilder, die z.B. mit ISO 400 gemacht werden, wie dieses hier von den zuckersüßen Damen:

Weihnachtsmarkt Schloß MoylandDie zuckersüßen Damen – A7 II, FE 24-105mm F4 G OSS @ 105mm, F4, 1/125s, ISO 400

Ein Frohes Neues Jahr 2019 euch allen und ein herzliches Willkommen zu meinem ersten Beitrag in 2019. Die regelmäßigen Leser hier erinnern sich bestimmt noch an die Bilder von Schloß Moyland, mit denen ich mich in den Weihnachts- und Neujahrs-Urlaub verabschiedet habe. Zu diesen Bildern möchte ich etwas schreiben und der Titel lässt erahnen worum es geht.

Viele von uns streben auch auf einem der Weihnachtsmärkte danach, mit ihrer Kameraausrüstung das eine oder andere, stimmungsvolle und qualitativ hochwertige Foto zu machen – vorzugsweise ohne ein umständliches Stativ. Da Weihnachtsmärkte bei Tageslicht nicht so schön aussehen wie zur blauen Stunde oder noch später am Abend, ist die große Herausforderung, trotz der schlechten Lichtverhältnisse rauscharme und scharfe Bilder ohne Verwackeln zu machen. Die Physik weist uns auch hier wieder einmal in die Schranken und begrenzt unsere Möglichkeiten, wenn wir in ISO-Bereiche jenseits der ISO 400 kommen, denn jede Option bedeutet auch einen Kompromiss einzugehen:

  • Lichtstarke Objektive, in der Regel Festbrennweiten, mit einer Offenblende von 1,2 oder 1,4 sammeln viel Licht und helfen dabei den ISO-Wert niedriger zu halten. Jedoch bedeutet eine weit geöffnete Blende eine Verkleinerung der Schärfentiefe im Bild. Und mit zunehmender Brennweite wird diese zum einen noch kleiner und die Objektive werden größer und schwerer.
  • Beim Einsatz von lichtschwächeren Zoomobjektiven mit Offenblenden von F2.8, F4 oder noch kleiner, welche die Flexibilität bei der Bildkomposition und Wahl des Bildausschnitts erhöhen, greifen entweder die Verlängerung der Verschlusszeiten oder die Erhöhung der Empfindlichkeit des Sensors als Mittel zur Erreichung der richtigen Belichtung. Eine Verlängerung der Belichtungszeit erhöht die Gefahr der Verwacklung und eine Erhöhung des ISO-Wertes endet meist in hässlichem Rauschen – letzteres ist jedoch in moderner Software relativ gut zu kompensieren.

Und eben genau auf diesen letzten Punkt, Erhöhung des ISO-Wertes und die damit verbundene Bearbeitung des Bildrauschens, möchte ich hier an einem Beispiel zeigen und wie sich eine gute und eine sehr gute 
Bildbearbeitungssoftware unterscheiden können. Dazu habe ich ein Bild vom Weihnachtsmarkt auf Schloß Moyland genommen, welches mit der Sony A7 II und ISO 12.800 aufgenommen wurde. Diese Bild enthält ausreichend viele, feine Strukturen, um die Fähigkeiten des Sensors und der jeweiligen Software bewerten zu können. Sowohl in Lightroom 6.14 als auch in Capture One habe ich mir sehr viel Zeit genommen um das bestmögliche Ergebnis zu erreichen und auch wenn dieses Ergebnis nur subjektiv, also nur von mir als solches zu bewerten ist, messe ich der Bewertung des Unterschieds eine entsprechende Bedeutung bei.

Hier das Original als JPG exportiert aus dem RAW, einmal aus Lightroom 6.14 und einmal aus Capture One 11:

LR Export unbearbeitetLR Export unbearbeitet
C1 Export unbearbeitetC1 Export unbearbeitet

Bei genauer Betrachtung der „unbearbeiteten“ Exports aus den beiden RAW-Konvertern wird ersichtlich, wie unterschiedlich Lightroom und Capture One mit den RAWs umgehen:

Vergleich_C1_LR_unbearbeitetlinks C1, rechts LR

Im nächsten Schritt habe ich in beiden RAW-Konvertern jeweils die Rauschreduzierung und die Schärfe so angepasst, dass das für mein Auge bestmögliche Ergebnis erzielt wird.

LR Export R50 S60LR bearbeitet Rauschreduzierung 50, Schärfen 60
C1 Rauschen 60 Details 50 Schärfe 616C1 bearbeitet Rauschreduzierung 60 Details 50 Schärfe 616

Auch hier für eine bessere Gegenüberstellung die gleichen Ausschnitte nach der Bearbeitung:

Vergleich_C1_LR_bearbeitetlinks C1, rechts LR

Auffällig ist, dass Lightroom etwas hellere Ergebnisse liefert. Der Unterschied ist aber in den dunklen Bildpartien stärker, denn in den helleren Bildteilen ist der Unterschied kaum noch erkennbar. Bei der Rauschreduzierung liefert Capture One das für mich bessere Ergebnis, obwohl das Restrauschen stärker zu sehen ist als im Ergebnis von Lightroom. Capture One schafft es besser, die Strukturen zu erhalten, was ganz deutlich bei den Ästen im Vordergrund zu sehen ist. Hier liefert Lightroom bereits in der unbearbeiteten Version einen deutlichen Verlust an Details. Diese Details gilt es in meinen Augen zu retten und zu erhalten – auch wenn das auf Kosten eines verbleibenden Restrauschens passiert.

Wieder einmal mehr bin ich überzeugt davon, dass der Wechsel von Lightroom nach Capture One ein richtiger Schritt war, auch wenn ich diesen Weg noch nicht ganz bis zum Ende gegangen bin. Es gibt immer noch Funktionen in Lightroom, die das Arbeiten deutlich komfortabler machen und wo Capture One noch etwas aufzuholen hat.

Werbeanzeigen

Kategorien:BlogSchlagwörter:, , , , , , ,

J. Haag

Ich bin 1967 geboren und am Rande der Eifel in Oberelvenich und in der Natur aufgewachsen. Seit 1988 beschäftige ich mich mit der Fotografie.

Fotografie bedeutet für mich Entspannung und Abenteuer zu gleichen Teilen. Seit den ersten analogen Bildern begleiten mich Kameras und Objektive von Minolta und nach der Übernahme durch Sony bin ich dem System treu geblieben.

Heute nutze ich neben spiegellosen Systemkameras mit Kleinbildsensor auch wieder analoge Kameras im Kleinbild- und Mittelformat sowie Sony Cybershot-Kameras mit 1"-Sensor für meine fotografischen Arbeiten, wobei ich den elektronischen Sucher der Sony-Kameras besonders schätze.

3 Kommentare

  1. Jakob

    Zunächst einmal möchte ich Dir ein gesundes und erfolgreiches 2019 wünschen! Die Ergebnisse von C1 sehen (auf dem Smartphone betrachtet) eindeutig besser aus. Trotzdem werde ich nicht umsteigen, da ich keine Zeit und Lust habe mich mit einer neuen Software auseinander zu setzen. Ich habe mir mehrere Tutorials zu C1 auf YouTube angesehen und bin von der Bedienoberfläche nicht sonderlich begeistert. Gewohnheitstier?

    • Hallo Jakob. Dir auch ein gesundes und erfolgreiches 2019.
      Ich habe dieses Thema auch lange vor mir her geschoben. Irgendwann war mir aber klar, dass es so oder so nicht mit Lightroom weitergehen wird, denn auf das CC-Abomodell von Adobe habe ich keine Lust und irgendwann kommen neue Kameras in meinen Schrank, die dann nicht mehr von LR 6.14 unterstützt werden.
      Der Umstieg auf Capture One Sony Pro war weniger steinig als erwartet und die Ergebnisse sind für mich die Mühe wert.
      Gewohnheitstier? Ja, war ich auch – leider! 🙂

      • Jakob

        Hallo Jörg,

        ja, das mit den ständig neuen Kamera kenne ich allzu gut. Ich gebe zu, zu viel Zeugs zu besitzen. Die Bilder werden aber davon nicht besser. Momentan habe ich die analoge Fotografie wieder entdeckt und fotografiere seit 3 Jahren zu 90 % auf Film. Ich entwickle auch selbst und das macht richtig Spaß. Man merkt sehr schnell – trotz hybrider Arbeitsweise – wie wenig EBV notwendig ist. Dodge & burning und ein paar andere Basics beherrscht jede Software, auch die ganz alte, ohne Abozwang. Trotzdem finde ich es gut, dass Du nach Alternativen suchst und daran teilhaben lässt. Davon profitiert die Community. Dein Blog ist sehr inspirierend. Beste Grüsse

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.