Studioblitz oder Tageslichtbirnen?

Seit Jahrzehnten nutzen Fotografen Studioblitze in allen möglichen Stärken und mit vielen verschiedenen Lichtformern. Die wahren Meister der Lichtsetzung erzeugen damit beeindruckende Beleuchtungsszenarien und tolle Bilder. Aber sind Studioblitze immer noch das beste Mittel oder was geht mittlerweile mit Dauerlicht?

Bevor ich mich mit den Vor- und Nachteilen von Tageslichtlampen und Dauerlicht beschäftige, möchte ich ein paar Zeilen über das Fotografieren mit Studioblitzen und den damit verbundenen Herausforderungen schreiben. Die unter euch, die regelmäßig im Studio arbeiten und dort Studioblitze nutzen, können den nächsten Absatz überspringen, denn ihr kennt die kleinen Probleme, Herausforderungen und Einschränkungen, die bei der Verwendung von Studioblitzen an der Tagesordnung sind. Alle anderen dürfen jetzt aber auch keine Anleitung für sorgenfreies Studioblitzen erwarten, sondern nur eine kleine Zusammenfassung der vielen kleinen Elemente auf die man achten muss.

Wie der Name schon sagt, erzeugt der Studioblitz kein Dauerlicht, sondern einen Lichtblitz mit einer definierten Dauer und Helligkeit, die von Hersteller zu Hersteller und von Blitzgerät zu Blitzgerät unterschiedlich sein kann. Dieser kurze Zeitraum von maximaler Lichtabgabe des Blitzes muss natürlich mit dem Verschluss der Kamera synchronisiert sein, weshalb es eine Signalverbindung (per Kabel, Funk oder optisch) zwischen Blitzlicht(er) und Auslöser geben muss. Die kürzeste Blitzsynchronisationszeit liegt bei den meisten Kameras und je nach Verschluss zwischen 1/160 und 1/250 Sekunde. Das sind die technischen Grenzen, die mittlerweile durch HSS-fähige Blitzsysteme ausgeweitet wurden und Verschlusszeiten von bis zu 1/4000 Sekunde erlauben. Das Finden der richtigen Kombination aus Blende, Belichtungszeit, ISO und Lichtmenge erledigt im Idealfall ein Belichtungsmesser mit Blitzmessung oder das schrittweise Herantasten über Testaufnahmen – letzteres ist eher mühsam.
Zu den gestalterischen und kreativen Grenzen zählt bei Studioblitzen meist, dass die Einstelllichter zur Ausrichtung der Lichtquelle meist zu schwach sind und es einige Testaufnahmen braucht, bis man den richtigen Schattenwurf gefunden hat.
Zu der Kombination aus beiden gesellen sich dann manchmal noch technische Probleme derart, dass z.B. Auslöser und Blitz nicht miteinander reden, eine Einstellung an der Kamera nicht passt oder, oder, oder … und manchmal auch ein „und“.

Nach dem ihr nun die kleine Fallstricke beim Fotografieren mit Studioblitzen kennt, möchte ich euch die Vor- und auch Nachteile von Tageslichtlampen aufzeigen.
Ein Dauerlicht ist, wie der Name schon suggeriert, eine dauerhaft gleichmäßig leuchtende Lichtquelle, bei der die Menge an abgegebenem Licht nicht reguliert werden kann. Über eine passende Softbox mit E27-Fassung kann das Licht diffuser gemacht und mit einem E27-Y-Adapter die Lichtmenge verdoppelt werden. Die Steuerung der Lichtmenge seitens der Lampe erfolgt somit ausschließlich über die Entfernung zum Motiv und natürlich über die Parameter Blende, Belichtungszeit und ISO in der Kamera. Damit hätten wir schon einen Nachteil auf der Liste, der aber durch einen ganz besonderen Vorteil aufgewogen wird. Ist nämlich das Model mal in Position lässt sich das Licht wunderbar ausrichten und man sieht am Model die finale Wirkung, denn Einstelllicht und Fotolicht sind bei Dauertageslicht identisch.

Nachfolgende Bilder sind mit zwei Tageslichtlampen über Y-Adapter in einer 80cm Softbox entstanden. Die Bilder sind bei Flickr gespeichert, die exif-Daten könnt ihr euch bei Bedarf dort heraussuchen.

Niuscha - Portraitsession
Niuscha - Portraitsession
Niuscha - Portraitsession
Niuscha - Portraitsession

Diese Bilder sind mit unten aufgelisteter Beleuchtungsausrüstung entstanden, die ihr euch direkt bei Amazon anschauen und dort auch bestellen könnt (Affiliate-Links). Mit insgesamt 75 € halten sich die Kosten in Grenzen und liegen weit unter dem, was ein einfacher Studioblitz kosten würde. Für 25 € mehr bekommt ihr eine zweite Softbox und habt dann für 100 € ein recht gutes Indoor-Studioset.

Wenn ihr Fragen habt, stellt diese gerne über einen Kommentar. Viel Spaß beim ausprobieren….

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J. Haag

Ich bin 1967 geboren und am Rande der Eifel in Oberelvenich und in der Natur aufgewachsen. Seit 1988 beschäftige ich mich mit der Fotografie.

Fotografie bedeutet für mich Entspannung und Abenteuer zu gleichen Teilen. Seit den ersten analogen Bildern begleiten mich Kameras und Objektive von Minolta und nach der Übernahme durch Sony bin ich dem System treu geblieben.

Heute nutze ich neben spiegellosen Systemkameras mit Kleinbildsensor auch wieder analoge Kameras im Kleinbild- und Mittelformat sowie Sony Cybershot-Kameras mit 1"-Sensor für meine fotografischen Arbeiten, wobei ich den elektronischen Sucher der Sony-Kameras besonders schätze.

5 Kommentare

  1. Erhard

    Dauerlicht beim Shooting ist mir nun auch sympathischer als früher, ich erwäge daher die Anschaffung einer LED-Stablampe, die allerdings deutlich teurer wäre als Dein Set mit den beiden Tageslicht-Spirallampen. Dabei wäre die Lumen-Leistung bei Deinem Vorschlag wohl deutlich heller und besser. Je mehr ich nun Offenblende bevorzuge, und höhere ISO-Werte auch kein Problem mehr sind, desto mehr sehe ich auch den gestalterischen Vorteil des Dauerlichts : What you see is whst you get … gerade bei Portraits, aber auch bei Boudoir-Szenen wirken Licht und Schatten genau so, wie man es gerade sieht ! Da wirkt schon das Einstellicht bei Studioblitzen mit anderer Intensität, vom Aufsteckblitz (auch bei entfesseltem Aufbau) ganz zu schweigen. Wenn man bei Fashion allerdings auch mehr Konturen und Texturen haben will, käme ich doch wieder zum Blitz. Für ein 70er-Jahre-Shooting könnte ich mir das Dauerlicht aber auch gut vorstellen … während bei den 50ern der Stabblitzeffekt doch authentischer wäre.

    • Hallo Olaf, Du meinst Akkus in Verbindung mit den Tageslichtbirnen? Diese lassen sich nur mit 220V betreiben und sind damit eigentlich schlecht für netzunabhängiges Arbeiten. Bei den Blitzen mache ich immer wieder gute Erfahrungen, sowohl mit den beiden Godox AD200, als auch mit den Godox-Aufsteckblitzen, die sich ebenfalls per Godox X-Pro per Funk ansteuern lassen.
      Grüße,
      Jörg

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