Godox A1: Indoor-Portraits mit dem Smartphone?

Es ist unbestreitbar: Die Kameras (Sensoren, Objektive und Algorithmen) in den Smartphones werden immer besser. Wie wäre es, Indoor-Portraits mit dem Smartphone zu machen? Hier ein erster Versuch…

Immer wieder stelle ich fest, wie gut die Kameras von Smartphones mittlerweile bei gutem Licht funktionieren. Ich kenne zwar nur die Kameras aus diversen iPhones, deren Bilder recht gut sind und ich lese auch immer wieder von anderen Smartphones, die mit speziell ausgestatteten Kameras noch bessere Bilder erzeugen. Jedoch haben alle Smartphone-Kameras dieser Welt eines gemeinsam: So richtig gut sind sie nur bei ausreichendem Licht und geringen ISO-Zahlen und damit eigentlich für Portraitfotografie im Studio oder im Wohnzimmer nicht geeignet.

Was wäre aber, wenn man eine Studioblitzanlage vom Smartphone „triggern“, also auslösen könnte? Diesen Gedanken scheint auch der Blitzhersteller Godox gehabt zu haben, von dem ich diverse Blitze und Trigger benütze und der schon seit einiger Zeit den Godox A1 im Programm hat.

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Hinsichtlich der Ausstattung verspricht der Godox A1 ein wahres Multitalent zu sein, denn er dient per Bluetooth gekoppelt nicht nur als Blitz und Videoleuchte für das Smartphone, sondern kann per App diverse Blitze direkt und in Verbindung mit dem Godox X-Pro alle fernauslösbaren Godox-Blitze steuern und auslösen. Für mich bedeutet das, dass ich per Smartphone zwei Godox AD200 und zwei Godox TT-685 S regeln, steuern und auslösen kann und so auch für Blitzlichtaufnahmen per Smartphone nutzen könnte.

Die App

Der Startbildschirm der App ist übersichtlich gegliedert. Die Farbgebung ist etwas gewöhnungsbedürftig – ein klares weiß auf schwarz hätte mir hier besser gefallen.

Ohne Titel Der Verbindungsaufbau zwischen Smartphone und Godox A1 wird über den Menüpunkt „Bluetooth“ hergestellt und wurde von mir initial durch einen puren Zufall erfolgreich durchgeführt. Das Passwort für die Verbindung lautet „000000“, ist aber auf den ersten Blick nirgendwo zu finden. Da ich die Ziffernfolge rein instinktiv eingegeben habe, verlief der Verbindungsaufbau jedoch ohne Probleme.

„Settings“ erlaubt das Einstellen von Sprache, den Reset oder ein Firmware-Update sowie Basiseinstellungen für die Blitzkonfiguration wie z.B. 1/3 EV oder 1/10 Schritte bei der Einstellung der Blitzstärke;  hier lässt sich auch das Passwort ändern :-). Die Hilfeseite begrüßt einen mit einer kleinen Animation in Form eines Feuerwerks – nett, aber Spielerei!

Hinter „LED“ verbirgt sich die Konfiguration der LED-Leuchte mit Stärke und Farbtemperatur (soweit einstellbar) und hinter „Flash“ (siehe rechts) die Konfiguration der Blitze (Kanal, Modellierungslicht, Töne, usw.). Sowohl LED als auch Flash bieten die Möglichkeit bevorzugte Konfigurationen zu exportieren und importieren, so dass man für bestimmt Lichtsituationen gesonderte Setups sichern kann. Bei der Blitzkonfiguration lassen sich die Ohne TitelEinstellungen sowohl für alle angeschlossenen bzw. verbundenen Blitze als auch für jeden Blitz einzeln vornehmen. Auf dieser Seite lässt sich der A1 als Blitz auch komplett deaktivieren, wie im folgenden Screenshot zu sehen (A1 auf Group A konfiguriert). 

„Camera“ erlaubt die Nutzung der Kamera des Smartphones mit ein paar weiteren Einstellmöglichkeiten wie ISO, Belichtungszeit, Blitzkompensation, JPG oder RAW (DNG) und die Auswahl der Kamera, was bei Ohne TitelSmartphones mit Doppellinsen die Auswahl der Telebrennweite erlaubt um dicke Portraitnasen per Weitwinkellinse zu vermeiden. Hier lassen sich auch Funktionen des Smartphones ein- bzw. ausschalten, wie z.B. das LED-Licht des Smartphones oder die Auswahl des zeitverzögerten Auslösens. Über das linke „Blitzsymbol“ ist der Weißabgleich zu erreichen, der aus den üblichen Verdächtigen auswählen lässt (bewölkt, Blitz, Sonne, Neon, Tungsten und Glühbirne). Nach Auswahl einer Farbtemperatur wird das entsprechende Symbol anstelle des linken Blitz angezeigt.

In der Praxis

Soweit sieht das alles sehr vielversprechend aus, aber in der Praxis stellen (vermutlich viele) Smartphones einem technische Hürden in den Weg, die nicht wirklich überwindbar sind. Mit der festen Blende von f/2.4 könnte ich noch leben, denn richtiges Freistellen mit Bokeh erwartet niemand von einem Smartphone, wenn man mal von der Nutzung beider Objektive und den notwendigen Eingriffen per Software absieht, die aber hier in der Godox A1-Software nicht nutzbar sind. Schwieriger macht es dann schon der elektronische Verschluß, der einem Belichtungszeiten von 1/10 Sekunde, im besten Fall von 1/20 Sekunde bei ISO 50 aufzwingt, trotz fast voller Lichtabgabe der Godox-Blitze (2 x AD200 kombiniert zu einem 400er bei voller Leistung und 1 x TT-685s indirekt über einen silbernen Schirm bei 1/2 Leistung). Hier eine Kombination der verschiedenen Werte zu finden, die scharfe, brilliante und zudem richtig belichtete Bilder erzeugt, ist fast nicht möglich, wie die nachfolgenden Beispiele zeigen dürften, die mit dem gleichen Setup gemacht wurden: 

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Die besten Ergebnisse hinsichtlich Belichtung und Ausleuchtung habe ich mit dem iPhone Xs mit ISO 40 und 1/10 Sekunde Belichtungszeit erzielt. Schaut man sich die Bilder jedoch in der Vergrößerung an, so wäre ISO 25 mit 1/20 Sekunde die bessere Wahl, wofür dann aber meine Blitzleistung nicht ausreicht – vielleicht wäre das mit Blitzgeräten einer höheren Leistungsklasse mit 600 Ws aufwärts besser.

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Die letzten beiden Bilder zeigen übrigens den Effekt des elektronischen Verschluss bei einer nicht kompatiblen Kombination aus Belichtungszeit und ISO zur Blitz-Synchronisation.

Fazit

Unter dem Strich bleibt nicht viel Positives zum Godox A1 zu sagen – zumindest aus meiner Sicht. Meine persönlichen Erwartungen, nämlich das Smartphone per Godox A1 im Studio nutzen zu können um damit Indoor-Portraitfotografie zu machen, bleibt weitestgehend unerfüllt. Dafür sind die technischen Einschränkungen meines Smartphones (iPhone Xs) zu groß, was aber bei anderen Smartphones anders sein kann. Belichtungszeiten von 1/20 oder 1/10 Sekunde halte ich aus der Hand für unpraktisch und selbst beim Einsatz vom Stativ bleibt der Faktor „Model“, welches sich minimal bewegt. Außerdem gibt es bei den Parametern ISO und Belichtungszeit so gut wie keine Variabilität.

Interessant bleiben zwei Aspekte:

  • Nutzung des Godox A1 als Smartphone-Blitz oder Videoleuchte für unterwegs. Dafür gibt es 2 cm große, runde Metallaufkleber, damit der Godox A1 mit seiner magnetischen Rückwand am Smartphone „klebt“.
  • Export / Import von Blitzeinstellungen der Godox-Blitze. Für Fotografen, die komplexe Licht-Setups per Godox-Ausrüstung erstellen und diese immer wieder nutzen ist das vielleicht eine Killer-Anwendung – so richtig vorstellen kann ich mir das aber nicht, denn bei mir ist jedes Setup immer irgendwie anders und selbst während einer Session verändere ich dauern das Setup um andere Stimmungen zu erzeugen.

Und so geht der Godox A1 zurück an den Verkäufer. Wer ihn selber mal ausprobieren möchte (ist aber wirklich nur sinnvoll, wenn man Godox-Blitze besitzt), finden den Godox A1 hinter diesem Affiliate-Link bei Amazon.

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J. Haag

Ich bin 1967 geboren und am Rande der Eifel in Oberelvenich und in der Natur aufgewachsen. Seit 1988 beschäftige ich mich mit der Fotografie.

Fotografie bedeutet für mich Entspannung und Abenteuer zu gleichen Teilen. Seit den ersten analogen Bildern begleiten mich Kameras und Objektive von Minolta und nach der Übernahme durch Sony bin ich dem System treu geblieben.

Heute nutze ich neben spiegellosen Systemkameras mit Kleinbildsensor auch wieder analoge Kameras im Kleinbild- und Mittelformat sowie Sony Cybershot-Kameras mit 1"-Sensor für meine fotografischen Arbeiten, wobei ich den elektronischen Sucher der Sony-Kameras besonders schätze.

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