Vorgestellt: Das Voigtländer 110mm/1:2.5 Macro APO-Lanthar

Zusammen mit dem Voigtländer 50mm / 1:1.2 Nokton asphärisch hatte ich das 110mm / 1:2.5 Macro als kostenlose Leihgabe zum Ausprobieren. Ich habe das 110mm APO-Lanthar in den Bereichen Makro und Porträt eingesetzt und getestet.

Das Objektiv wurde mir kostenlos zur Verfügung gestellt – trotzdem ist das hier keine Werbung und ich möchte diesen Beitrag als das verstanden wissen was er ist: meine offene und ehrliche Meinung zu diesem Objektiv. An dieser Stelle meinen Dank an Voigtländer und die RINGFOTO Gruppe für die Leihgabe.

Das Interesse an der Makro-Fotografie hat mich irgendwann in den letzten 3 oder 4 Jahren verlassen, auch wenn die Welt der Insekten und Blumen aus der Nähe betrachtet durchaus faszinierend ist, wie nachstehendes Bild anschaulich zeigt:

Voigtländer MACRO APO-LANTHAR 110mm F2.5; F5,6; 1/250s; ISO 500; Freihand

Warum ich an dieser Art der Fotografie irgendwann keinen Spaß mehr hatte kann ich nicht genau sagen. Vielleicht liegt es daran, dass Makro-Objektive und meine Erfahrungen damit sehr speziell sind: Verfügt das Objektiv über einen Autofokus, so ist dieser eher langsam; wenn der AF mal nicht genau weiß wohin und er durchfährt den gesamten Fokusweg (weil der Nutzer vergessen hat einen evtl. vorhanden Fokuslimiter einzuschalten) dauert das auch schon mal länger – so waren seinerzeit meine Erfahrungen. In der Regel disqualifiziert das alleine schon das Makro-Objektiv für den Einsatz in der Porträtfotografie – auch wenn die  längeren Brennweiten (90 und 105mm) sehr gut für diesen Einsatzbereich sind. Außerdem sind Makro-Objektive meist bei Offenblende schon so scharf, dass ich sie für Porträts je nach Model und Hauttyp nicht vorteilhaft finde. Ich mag es lieber, wenn ein Porträt-Objektiv etwas weicher zeichnet und nicht jeden Hautfehler oder jede Pore hervorhebt. Makro-Objektive lassen sich bei Porträts auch nicht immer gut bedienen, wenn sie – wie das Voigtländer 110mm / 1:2.5 Macro APO-Lanthar – keinen Autofokus haben, denn um in der Vergrößerung den Fokuspunkt genau zu setzen braucht es einen längeren Weg am Fokusring. Das verzögert das Fokussieren bei Porträt und der gesetzte Fokus verschiebt sich bei kleinsten Bewegungen des Models oder des Fotografen wieder – ein kontinuierlicher AF (C-AF) ist da schon von Vorteil, besonders wenn er von einem Augen-AF der Sony unterstützt wird.

Ich habe mir vor Monaten das Voigtländer 65mm/1:2 APO-LANTHAR gekauft, welches kein Makro mit 1:1 Abbildungsmaßstab ist. Da ich im Porträitbereich gerne mit Brennweiten zwischen 50 und 85mm arbeite und das 65mm fast genau in der Mitte liegt, habe ich es schon häufiger für Porträts genutzt, auch wenn das manuelle Fokussieren nicht immer toll ist. Da fand ich es spannend zu sehen, ob mich das 110mm/1:2.5 ebenfalls abholt und für die Porträtfotografiert begeistert. Für die Makrofotografie habe ich das 65mm von Voigtländer auch schon genutzt, mal mit und mal ohne Zwischenringe. Ein paar Bilder mit diesem Objektiv gemacht findet ihr im zugehörigen Flickr-Album.

Eine weitere Spezialität von Makro-Objektiven: Um bei einem Abbildungsmaßstab gegen 1:1 noch genügend Schärfentiefe zu haben benötigt es ein optisches Design, welches auch die Nutzung von Blenden über F11 ohne Bildfehler wie z.B. Beugungsunschärfe zulässt. Trotzdem all diesen Befindlichkeiten habe ich mir das 1:1-Makro von Voigtländer mal genauer angeschaut, auch wenn mich Makros nicht reizen und ich Makro-Objektive bei Porträts nicht wirklich mag.

Voigtländer MACRO APO-LANTHAR 110mm F2.5; F5,6; 1/250s; ISO 1250; Freihand

Technische Details und Lieferumfang

Was beim Herausnehmen des Objektivs aus der Verpackung als erstes auffällt ist das Gewicht von 771 Gramm und dass sich in der Packung zwei Objektivdeckel mit unterschiedlichem Durchmessern befinden – einen für das Objektiv ohne Gegenlichtblende und einen für die vordere Öffnung der Gegenlichtblende. Damit wären wir auch schon bei meinem ersten kleinen Kritikpunkt: Ich habe keinerlei Erfahrung im Objektivdesign oder -bau, aber ich glaube, dass die Gegenlichblende ebenso gut funktionieren würde, wenn sie den gleichen, vorderen Durchmesser hätte wie das Objektiv. Damit hätte man sich wohl einen Objektivdeckel und die doch etwas umständliche Handhabung mit zwei Deckeln sparen können. Hier lasse ich mich aber eines Besseren belehren.

Das Objektiv ist optisch aus 14 Linsen in 12 Gruppen aufgebaut, wovon 3 Gruppen als Floating Elements konstruiert sind. Weitere technische Details findet ihr auf der zugehörigen Voigtländer-Produktseite. Ein Schalter um den Blendenring ohne Rasterung und Klick zu verstellen, wie es z.B. das 40mm und 50mm F1,2 NOKTON haben, fehlt diesem Objektiv.

Erste Bilder

Das Voigtländer 110mm / 1:2,5 Macro APO-Lanthar ist kein Leichtgewicht und wenn man es in der Hand hält, spürt man die solide Konstruktion aus Glas und Metall. Angesetzt an der Kamera wird das Gesamtsystem etwas kopflastig. Da das Objektiv aber gut in der linken Hand liegt, macht das größere Gewicht das Arbeiten mit dem Objektiv nicht unangenehm. Tatsächlich unterstützt das Gewicht und der größere Objektivtubus mit seiner Lage in der Hand das Fotografieren aus der Hand, so dass man auch für Makros nicht immer ein Stativ dabei haben muss, wie die beiden Bilder oben und die nachfolgenden Bilder zeigen:

Voigtländer MACRO APO-LANTHAR 110mm F2.5; F5,6; 1/320s; ISO 500; Freihand
Voigtländer MACRO APO-LANTHAR 110mm F2.5; F5,6; 1/250s; ISO 500; Freihand

Handhabung

Ich fange mal mit dem einzigen, für mich wirklich negativen Aspekt des Objektivs bei der Nutzung an: Die Lage des Blendenrings! Dieser liegt sehr nah am Bajonett und ist im Durchmesser etwas kleiner als der Tubus. Das bereitete mir so meine Schwierigkeiten den Blendenring zu finden während ich die Kamera am Auge hatte. Nun ist es so, dass man die Blende nicht dauernd verstellt, aber mich hat das gestört – vielleicht auch, weil ich zu wenig Praxis mit dem Objektiv hatte.

Voigtländer_110mm_F2.5_Blendenring
Lage des Blendenrings

Der Fokusring muss von der Stellung „unendlich“ bis zur Makrostellung im Abbildungsmaßstab 1:1 bei 0,35 Meter ungefähr eineinviertel Umdrehungen gedreht werden; dabei verlängert sich dass Objektiv um ca. 50%. Beachtlich ist dabei, dass der Fokusweg nicht linear ist, sondern in der ersten Vierteldrehung bereits den Bereich von „unendlich“ bis 0,7 Meter abdeckt und einen Abbildungsmaßstab von 1:5 erreicht. Somit bleibt eine weitere, ganze Umdrehung für die Fokussierung von Objekten im Entfernungsbereich 0,7 bis 0,35 Meter. Das erlaubt eine sehr feine Fokussierung in der Makrofotografie.

Makro-Fotografie

Etwas, das bei der Makro-Fotografie sehr häufig unterschätzt wird, ist die geringe Ausdehnung der Schärfentiefe, was besonders beim Fotografieren aus der Hand entweder viel Geduld oder eine ordentliche Menge an Ausschußbildern erfordert. Der manuelle Fokus verhindert den Einsatz einer evtl. vorhandenen Stacking-Funktion in der Kamera. So erfordert ein Makro-Stacking unbedingt den Einsatz eines Einstellschlittens. Für den Einsatz eines Einstellschlittens und die Durchführung eines Stockings hatte ich leider keine Zeit, aber ein paar Makroaufnahmen vom Stativ habe ich noch machen können.

Voigtländer MACRO APO-LANTHAR 110mm F2.5; F5; 1/800s; ISO 2000
Voigtländer MACRO APO-LANTHAR 110mm F2.5; F5; 1/400s; ISO 1600

Die geringe Schärfentiefe vergrößert man mit einer geschlossener Blende. Dabei ist interessant, wie sich das Schließen der Blende auf die Unschärfe im Hintergrund auswirkt. Hierzu habe ich Bilder im Gegenlicht gemacht:

Voigtländer MACRO APO-LANTHAR 110mm F2.5; F5; 1/4000s; ISO 1600
Voigtländer MACRO APO-LANTHAR 110mm F2.5; F9; 1/800s; ISO 1600

Die Blendenringe in der Hintergrundunschärfe des APO-LANTHAR 110mm F2.5 sind jetzt nicht die Schönsten, aber ich habe schon schlimmere Blendenringe gesehen. Das es schöner geht, zeigt die nachstehende Aufnahme, gemacht mit dem Sony FE 100mm F2.8 STF GM OSS und einem 12mm Zwischenring bei Blende 10:

Sony FE 100mm F2.8 STF GM OSS; F10; 1/160s; ISO 1000

Zugegeben, der Vergleich ist nicht ganz fair, denn das Sony FE 100mm STF ist mit seinem Smooth Trans Focus (STF) auf schönes Bokeh getrimmt und auch kein Makroobjektiv, denn der maximal erreichbare Abbildungsmaßstab mit 22mm Zwischendingen ist 1:1,72.

Porträtfotografie

Der bereits erwähnte, kurze Fokusweg von unendlich bis 0,7 Meter, ist für die Porträtfotografie kein Problem. Bei Verwendung der Fokuslupe lässt sich der Schärfepunkt schnell finden und sehr präzise einstellen. Die Brennweite von 110 mm hat sich als sehr angenehm für Porträts erwiesen. Hier einige Porträtfotos, erstellt mit dem Voigtländer 110mm/1:2,5 APO-Lanthar:

Voigtländer MACRO APO-LANTHAR 110mm F2.5; F2,8; 1/250s; ISO 250
Voigtländer MACRO APO-LANTHAR 110mm F2.5; F2,8; 1/200s; ISO 200
Voigtländer MACRO APO-LANTHAR 110mm F2.5; F2,8; 1/2000s; ISO 200
Voigtländer MACRO APO-LANTHAR 110mm F2.5; F2,8; 1/250s; ISO 500

Fazit

Ein objektives Fazit zum Voigtländer MACRO APO-LANTHAR 110mm F2.5 zu finden ist nicht so einfach, denn als Makroobjektiv ist es – wie zu Beginn des Beitrags erklärt – für mich nicht von gesteigertem Interesse. Als reines Portraitobjektiv bekommt es von mir keine Empfehlung, denn

  • auch wenn die manuelle Fokussierung sehr exakt läuft – der Eye-AF der Sonys ist zu gut um ihn bei Portraitaufnahmen nicht zu nutzen
  • die Brennweite von 110mm ist mir zu lang, ich arbeite in diesem Genre lieber mit 85mm und 55mm, auch wenn ich hin und wieder in speziellen Fällen das Sony 135mm F2.8/T4.5 STF in der A-Mount-Version nutze
  • bei aller Liebe zur soliden Konstruktion ist mir das Objektiv dann auf Dauer zu schwer
  • der Blendenring liegt sehr ungünstig und ist für einen schnellen Wechsel der Blende schlecht zu erreichen

Als Makroobjektiv lohnt sich der zweite Blick, denn die Abbildungsleistung ist hervorragend und die Fokussierung im Nahbereich ist bemerkenswert fein und genau. Auch hier hat mich die Lage des Blendenrings etwas gestört, aber ich denke, dass man in der Makrofotografie grundsätzlich etwas weniger oft die Blende verstellen wird.

Wenn ich gegenüber Voigtländer einen Wunsch äußern dürft, würde ich mir ein 75mm Portraitobjektiv mit E-Mount wünschen, eines mit Leica M-Mount gibt es neuerdings ja – dazu aber in ein paar Wochen mehr.

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J. Haag

Ich bin 1967 geboren und am Rande der Eifel in Oberelvenich und in der Natur aufgewachsen. Seit 1988 beschäftige ich mich mit der Fotografie.

Fotografie bedeutet für mich Entspannung und Abenteuer zu gleichen Teilen. Seit den ersten analogen Bildern begleiten mich Kameras und Objektive von Minolta und nach der Übernahme durch Sony bin ich dem System treu geblieben.

Heute nutze ich neben spiegellosen Systemkameras mit Kleinbildsensor auch wieder analoge Kameras im Kleinbild- und Mittelformat sowie Sony Cybershot-Kameras mit 1"-Sensor für meine fotografischen Arbeiten, wobei ich den elektronischen Sucher der Sony-Kameras besonders schätze.

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