A7II -> A7III: Mehr als nur eine Generation Unterschied!

Die Sony A7III ist nun seit mehr als einem Jahr verfügbar und kürzlich unter meine persönliche Preisgrenze von € 2.000,00 gefallen. Damit war für mich der letzte Grund entkräftet länger zu warten und der Moment gekommen, die A7II zu ersetzen.

Bevor ich näher auf die Sony A7III eingehe, ein paar Worte zur A7II. Ich bin A7-Nutzer der ersten Stunde, denn als die erste A7 angekündigt wurde, war ich von den technischen Daten in Verbindung mit der Größe begeistert. Sie hat dann auch sehr schnell die Sony A99 als meine Kamera mit Sensor in Kleinbildgröße ersetzt und war neben der Sony A6000 ständige Begleiterin. Zwei Jahre später bin ich dann komplett auf Kameras mit Kleinbild-Sensor umgestiegen und habe die A6000 durch eine A7RII ersetzt – die erste Kamera von Sony mit Eye-AF, also einer Funktion, die den Fotografen bei Porträtaufnahmen unterstützt, in dem sie auf die innere Ecke des Auges fokussiert und diesen Punkt im kontinuierlichen AF-Modus auch nachverfolgt. Alles was man tun musste war zur Aktivierung einen der konfigurierbaren Knöpfe zu drücken und gedrückt zu halten. Bei Objektiven mit Fokushalte-Taste am Tubus kein Problem, bei der Verwendung von anderen Objektiven eher unbequem. Dem verbesserten Eye-AF in der A7III werde ich mich in einem gesonderten Beitrag widmen.

Seither ist viel passiert: Die Sony A9 hat mit ihrem AF-System und anderen Funktionen mit Verwendung in der Sportfotografie nicht nur im Segment der spiegellose Kameras für Wirbel gesorgt. Einige dieser Leistungsmerkmal sind nun an die neueren Kameras von Sony RX100 VII über Sony A6400 bis A7RIV vererbt worden. Und natürlich hat davon auch die Sony A7III profitiert, was sie bei Erscheinen in 2018 im Segment der spiegellosen Kleinbildkameras bis 24 MP zur technologisch führenden Kamera gemacht hat. Selbst heute können neuere Kameras wie Canon EOS R oder Nikon Z6/7 die Leistungsfähigkeit des AF-Systems nicht erreichen geschweige denn überbieten – schon garnicht in Verbindung mit z.B. der Serienbildgeschwindigkeit.

Aber auch die A7III ist damit nicht die perfekte Kamera, denn es gibt im Vergleich mit den Kleinbildkameras von Canon, Nikon und Panasonic immer wieder Kritik zum mangelhaft umgesetzten Touchscreen, zum geringer auflösenden, elektronischen Sucher, zur schlechten Displayauflösung und zur Ergonomie. Für Fotografen, die schon länger im FE-System unterwegs sind, vielleicht nicht entscheidend, aber für Wechsler zu Sony und Neueinsteiger sicherlich Kriterien für die Wahl des Kameraherstellers und damit natürlich auch des Systems.

Transparente Reflektionen
Transparente Reflektionen

Aber hier geht es nicht um den Vergleich von Sony mit den anderen Herstellern, sondern um das, was sich von A7II nach A7III alles verändert hat und wenn man das mit den Veränderungen von der A7I zur A7II vergleicht, bin ich geneigt zu sagen, dass die Veränderungen größer sind als es die Versionsnummerveränderung von II nach III erwarten lässt.

Gehäuse und Ergonomie

Größenvergleich von oben

Das Anfassgefühl ist insgesamt besser geworden und die Kamera liegt einfach besser in der Hand, was natürlich an dem etwas größeren Griff liegt (Camera Size Comparison). Das Gehäuse ist inkl. Griff um 14mm gewachsen, was auch dem größeren Akku geschuldet ist, der aber die Laufzeit mit einem Akku mehr als deutlich verlängert. Mit größeren und schwereren Objektiven zu arbeiten, wie z.B. dem Sony FE 24-105mm F4 G OSS macht mir jetzt deutlich mehr Spaß, denn ich ermüde nicht mehr so schnell, wenn ich die Kamera mal für eine Zeit nur mit einer Hand halte.

Bedienelemente

Hier hat sich im Vergleich zur A7II sehr viel geändert. Endlich gibt es wieder einen Joystick, den ich seit der Sony a99 vermisst habe – Danke, Sony! Das Steuerrad ist aber geblieben, liegt jetzt aber leicht erhöht.

Die Tasten/Knöpfe haben alle einen deutlich besseren, spürbareren Druckpunkt und die Anordnung hat sich auch nochmal verbessert. Schade finde ich allerdings, dass der C3-Knopf nach links gewandert ist. Ich habe meine linke Hand immer unter dem Objektiv und nie an der linken Kameraseite. Damit ist der C3-Knopf für mich nun beim Fotografieren nicht mehr wirklich in Reichweite und nutzbar. Vielleicht lerne ich aber noch diesen mit der Nase zu bedienen oder ich finde eine sinnvole Zuordnung im Play-Modus (also wenn man sich die Bilder anschaut). Neu als Bedienelement ist nun das Display mit Touch-Fokus. Touch-Fokus bedeutet, dass man damit nur den Fokuspunkt setzen oder verschieben kann. Eine Bedienung bzw. Steuerung der Menüs ist weiterhin nicht per Touchscreen möglich. Ich habe die Nutzung als Touch-Fokus aktiviert und für die rechte Display-Hälfte konfiguriert, aber genutzt habe ich es noch nicht, denn ich vergesse aktuell permanent, dass die Kamera / das Display diese Funktion hat.

Lonely Scooter
Lonely Scooter

Autofokus

Die Ankündigungen, Reviews und YouTube-Videos zum Autofokussystem und Eye-AF der A7III waren von Anfang an Grund für mein Interesse an dieser Kamera. Die A7II unterstützt den Eye-AF nur bei Single-AF (AF-S), was ein statisches Model verlangt. Da sich die Models aber immer etwas bewegen, fehlt mir hier die AF-C Unterstützung. Die A7RII unterstützt Eye-AF auch bei AF-C, aber die A7III setzt hier sogar im Vergleich zur A7RII neue Maßstäbe. Models in Bewegung z.B. bei Drehungen sind nun überhaupt kein Problem mehr denn der Fokus bleibt immer auf dem Kopf und sobald ein Gesicht und Auge erkennbar sind, ist der AF auf dem Auge zur Stelle. Ein ausführlicher Bericht zum Eye-AF kommt in Kürze….

Sonstiges

Die Akku-Leistung hat mich an der A7II und A7RII nie wirklich gestört – bis ich die A7III bekam. Die kleinen Akkus vom Typ FW-50 sind … na ja. Eigentlich ein richtig großer Grund möglichst bald die A7RII durch die A7RIV zu ersetzen.

Endlich gibt es die Belichtungsmessung am Fokuspunkt. Das macht die AEL-Taste für mich überflüssig. Das schafft neue Möglichkeiten, wie z.B. die Belegung einzelner Tasten mit einer kompletten Kamerakonfiguration. So habe ich mir z.B. auf die oben erwähnte AEL-Taste eine Sportkonfiguration gelegt (S, 1/500, ISO-Auto, 10Bilder/s, AF-C). Leider komme ich manchmal mit dem Daumen an die Taste – da muss ich nochmal überlegen, ob das wirklich so sinnvoll ist. Die benachbarte Taste AF-ON dient nun, wie auch die Taste Fokus-Halten am Objektiv, der Aktivierung des Eye-AF.
Das Menü hat deutlich mehr Einträge bekomme, ist jetzt aber besser organisiert und es ist schön, dass man nun ein Custom-Menü anlegen kann, wo man sich die wichtigsten Punkte ablegen kann.
Auch schön ist, dass sich die Reaktionsgeschwindigkeit der Kamera auf Benutzereingaben deutlich verbessert hat.
Die geräuschlose Aufnahme habe ich bei der A7II vermisst und habe dann immer die A7RII nutzen müssen, auch wenn ich die 42MP dann nicht brauchte. Da ist die A7III nun auch soweit.
Was noch: Ach ja, der Dual-Slot! Der gibt mir bei Shootings nun ein etwas besseres, sicheres Gefühl. Tatsächlich hatte ich noch nie einen Speicherkarten-Defekt und daher war für mich der zweite Speicherkarten-Steckplatz noch nie Kaufkriterium. Vielleicht ändert sich das irgendwann mal (spätestens nach dem ersten Defekt), aber ich glaube, von Sony werden wir in der A7-Reihe und darüber keine Kameras mehr mit nur einem Steckplatz sehen. Das nur der 1. Steckplatz UHS-3 kann ist nicht weiter schlimm, da ich darauf nur RAW schreibe. Die JPGs gehen auf die UHS-1 Karte im zweiten Steckplatz. Da bin ich übrigens meinem Instinkt aufgesessen und habe die UHS-3 zuerst in den langsameren, oberen Slot 2 gesteckt – man fängt ja immer oben mit dem Zählen an. Zum Glück habe ich das irgendwann gemerkt, sonst hätte ich auf Dauer viel Performance verschenkt.

Gerling Quartier

Fazit

Die A7III und ich sind direkt Freunde geworden. Die vielen Einstellmöglichkeiten und deren Wechselwirkung brauchen Zeit um sie zu beherrschen, aber das dauert nicht lange. Sehr entspannend ist jetzt die Akkulaufzeit, die einem verzeiht, wenn man mal das Ersatzakku vergisst. Bleiben eigentlich noch zwei Dinge zu erledigen:

  1. Ich muss mir angewöhnen an den Touch-Fokus zu denken.
  2. Es gilt eine Käufer für die A7II zu finden.

Ein Rolling-Album mit Bildern aus der A7III findet ihr wie immer bei Flickr.

Werbeanzeigen

Kategorien:BlogSchlagwörter:, , , , , , , , ,

J. Haag

Ich bin 1967 geboren und am Rande der Eifel in Oberelvenich und in der Natur aufgewachsen. Seit 1988 beschäftige ich mich mit der Fotografie.

Fotografie bedeutet für mich Entspannung und Abenteuer zu gleichen Teilen. Seit den ersten analogen Bildern begleiten mich Kameras und Objektive von Minolta und nach der Übernahme durch Sony bin ich dem System treu geblieben.

Heute nutze ich neben spiegellosen Systemkameras mit Kleinbildsensor auch wieder analoge Kameras im Kleinbild- und Mittelformat sowie Sony Cybershot-Kameras mit 1"-Sensor für meine fotografischen Arbeiten, wobei ich den elektronischen Sucher der Sony-Kameras besonders schätze.

4 Kommentare

  1. Erhard

    Hallo Jörg !
    Vielen Dank für Deinen wieder sehr detaillierten Bericht, in dem Du auch die ergonomischen Aspekte so gut dargestellt hast, daß ich die A7III und/oder A7RIII doch mal in die Hand nehmen werde, nachdem ich von der Haptik der II eher enttäuscht war. Besonders das hintere Einstellrad (meist mit der Verschlußzeit belegt) ist bei den III mit einem deutlich größeren freiliegenden Segment wohl wieder genauso gut fühlbar wie bei der ersten Serie. Meine Abtrünnigkeitsgedanken in Richtung Z6 und RP könnten sich somit erledigt haben.
    Das Thema Akkus ist eine zweischneidige Sache … auch meine FW-50 entladen sich schon nach Wochen, während die OM-D-Akkus BLN-1 und sogar die kleinen BLS-50 monatelang herumliegen können und immer noch voll sind . Im Gebrauch kam ich mit den 4 FW-50 aber bisher auch klar … 2 im VG-C1 Griff und 2 in Reserve. Im Falle des Umstiegs auf III wären dann NP-FZ100 nötig …
    Daß beim Touchscreen nur das AF-Meßfeld reagiert, sehe ich als vorteilhaft … denn wenn bei einer auf Tour offen herumbaumelnden Kamera plötzlich allerlei andere Funtionen verstellt würden, nur weil der Touchscreen in Kontakt zum Körper kommt, fände ich das auch nicht toll.
    Nun wünsche ich Dir viel Spaß und gut Licht mit der A7III !

    • Christoph

      Nach meinem Umstieg von A7r2 auf r3 komme ich jetzt meistens mit einem einzigen Akku statt mit drei aus. Ich bin hier besonders beeindruckt.
      Zudem mag ich den schnelle Standby Modus. Ich lasse die Kamera baumelnd am Körper immer an; sie schaltet nach 1 min in den Standby Betrieb und kann durch kurzes Antippen einer Taste geweckt werden.

      Die Haptik ist wirklich sehr ordentlich. Ich hatte, trotz großer Hände, auch nie ein Problem mit Generation 1. Ganz im Gegenteil: Ich vermisse die kleinen Abmessungen. Über jede Generation hinweg ist die A7 gewachsen. Damals A7+FE 35 2.8 war sie meine super kompakte Überall-Mitnehm-Kamera mit wirklich beeindruckemdem Bildergebnissen. Die A7r3 hingegen dient aktuell eher für Fotografie zu Hause und diversen Arbeiten unterwegs. Mein Reisebegleiter ist eine kompakte Leica q2 geworden. Ich mags eher unauffällig und klein.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.