Ältere Objektive an hochauflösenden Sensoren – Teil 3

Nachdem die Festbrennweiten von 21 und 35mm im ersten Teil und meine Lieblingsportraitbrennweiten von 50/55 bzw. 85mm im zweiten Teil gegenübergestellt wurden, kommen wir heute im dritten und letzten Teil der Reihe über ältere Objektive an hochauflösenden Sensoren zu den Zoom-Objektiven. Dazu treten zwei Minolta MD Zooms (28-85mm und 35-105mm) gegen das Sony FE 24-105mm F4 an.

Die Objektive im Vergleich

Natürlich ist dieser Vergleich, wie auch schon die Vergleiche in den beiden vorherigen Teilen 1 und 2 zwischen den alten Minolta-Gläsern und den modernen E-Mount-Objektiven, kein wirklich fairer Vergleich, denn zum vergleiche ich hier die Objektivbaukunst und Materialen der 70er/80er-Jahre mit modernen Fertigungsmethoden, MF mit AF und Objektive mit variabler Offenblende mit einem Sony G mit durchgehender Blende 4.

MD Zoom 35-105mm links, Sony 24-105mm G mitte, MD Zoom 28-85mm rechts

Ich habe die technischen Daten zusammengetragen und in einer Tabelle zusammengefasst:

 Minolta MD Zoom 35-105mm F3.5-F4.5Sony FE 24-105mm F4 G OSSMinolta MD Zoom 28-85mm F3.5-F4.5
AbmessungenL: 88 mm
D: 67 mm
L: 113,3 mm
D: 83,4 mm
L: 86,5 mm
D: 65,5 mm
Gewicht430 g663 g463 g
Linsen / Gruppen14 / 1217 / 1413/10
Filter55 mm77 mm55 mm
Nahgrenze1,45 m0,38 m0,78 m
Jahrgang198320181983
Weitereszuschaltbares Makro bei 105mm bis 1:4optical SteadyShot, Fokustastezuschaltbares Makro bei 28mm bis 1:4

Genug der Fakten, schauen wir uns mal die Bildergebnisse und Vergleiche an.

Minolta MD Zoom 28-85mm 1:3.5-4.5

28 mm

Beginnen wir dem 28-85mm Zooms bei 28mm. Dazu habe ich ein Bild einer Hausfassade in der Kölner Altstadt gemacht:

Minolta MD Zoom 28-85mm bei 28mm

Im Überblendungsvergleich bei Offenblende sind im Zentrum keine Unterschiede zu erkennen:

Allerdings sieht man im rechten Bild, welches mit dem Minolta-Zoom gemacht wurde, dass der Vordergrund unscharf ist, obwohl beide Bilder auf dem gleichen Bildelement fokussiert wurden. Ich vermute eine Bildfeldwölbung hinter dieser Unschärfe, da diese bei den Minolta-Zooms nicht gut korrigiert ist. Wie sieht das bei Blende 8 aus?

Bei Blende 8 ist die Unschärfe im Vordergrund verschwunden, was daran liegt, dass die Schärfentiefe den Fehler der Bildfeldwölbung ausgleicht.

Schauen wir mal auf einen direkten Vergleich der Laterne am oberen linken Rand, einmal bei F4 und einmal bei F8:

03_24-105_28-85@28mm_F4
Vergleich bei Blende 4
Vergleich bei Blende 8

Bei Blende 4 und 28mm ist das Sony FE 24-105mm F4 G OSS dem Minolta Zoom 28-85mm deutlich überlegen und auch bei Blende 8 wird das Minolta nicht besser – zumindest am Bildrand. In der Bildmitte gibt es eine deutliche Erkenntnis:

Vergleich Bildmitte bei F4
Vergleich Bildmitte bei F8

Während bei F4 die Bildmitte bei beiden Objektiven fast gleichwertig ist, fällt das Minolta Zoom bei F8 deutlich ab. Die Erkenntnis ist, dass es sich bei meinem Exemplar wohl um ein dezentriertes Objektiv handelt und das Zoom bei 28mm und F8 nicht nutzbar ist. Schauen wir mal, wie es bei den anderen Brennweiten aussieht.

50 mm

Bei 50mm und Offenblende zeigt die Überblendung folgenden Vergleich:

Der Vergleich bei F8 ebenfalls in der Überblendung:

In der Überblendung des Gesamtbildes ist der Unterschied nicht so zu erkennen, wie bei der Gegenüberstellung der 1:1-Ausschnitte aus der Mitte und vom Rand bei jeweils F4 und F8.

Mitte bei F4, links das Sony, rechts das Minolta bei 50mm

Die Schärfe in der Mitte ist beim Minolta akzeptabel bis gut, allerdings nur, wenn man das Bild mit dem Sony 24-105 gesehen hat, welches deutlich mehr Mikrokontraste hat und daher krisper ist und mehr Details zeigt. Das Minolta erzeugt andere Farben und das Bild wirkt insgesamt etwas gesättigter mit einer Tendenz in richtung gelblich.

Mitte bei F8, links das Sony, rechts das Minolta bei 50mm

Die Ergebnisse bei F8 unterscheiden sich in der Bildmitte nicht wahrnehmbar von den Resultaten bei F4. Wie sieht das Ganze nun am Rand aus.

F4 am Rand, links wieder Sony, rechts das Minolta

Was bei F4 in der Mitte beim Minolta noch akzeptabel war – nicht vergessen, wir nutzen einen 61 Megapixel-Sensor – ist am Rand weit davon entfernt. Dort, wo das Sony FE 24-105mm F4 G OSS klar und scharf abbildet, erzeugt das Minolta weiches Bildmaterial, jedoch erstaunlich frei von chromatischer Aberration.

F8 am Rand, links wieder Sony, rechts das Minolta

Das wird bei F8 besser, aber in keinster Weise vergleichbar mit dem Ergebnis vom Sony 24-105mm.

85 mm und Fazit zum Minolta 28-85

Ich hätte auch Bildmaterial für einen Vergleich bei 85mm und F4 sowie F8, aber ich mache es kurz: Die Ergebnisse gleichen denen bei 50mm. Abgesehen davon ist das Minolta MD Zoom 28-85mm 1:3.5-4.5 wohl dezentriert, wie der Vergleich bei 28mm gezeigt hat. Ob das Minolta MD Zoom 28-85mm an hochauflösenden Kameras grundsätzlich ein interessantes Objektiv ist, kann ich hier nicht abschließend beantworten. Was ich aber sagen kann, ist, dass mein Exemplar wohl an keiner Kamera ein Objektiv ist, dessen Nutzung ich empfehlen würde.

Kommen wir zum anderen MD Zoom von Minolta, dem

Minolta MD Zoom 35-105mm 1:3.5-4.5

35mm

Auch hier beginne ich mit einer Überblendung bei 35mm und F4, sowie F8:

In der Gesamtansicht und ohne auf die Details wie Auflösung oder Schärfe zu schauen, fällt mir die Entscheidung bei der Beurteilung der Farben eher schwer. Beim Minolta gefällt mir das Blau im Himmel besser, dafür sind beim Minolta die Grün- und Gelbtöne etwas kräftiger. Das ist aber für mich nicht entscheiden, denn Tonwerte und Farbgebung lassen sich sehr leicht in der Bildbearbeitung anpassen. Hier zählen andere Vergleiche, wie z.B. Schärfe und Auflösung. Dazu gibt es wieder 1:1-Ausschnittsvergrößerungen zu begutachten:

F4 Bildmitte bei 35mm, links das Sony 24-105, rechts das Minolta 35-105

Upps, da bin ich aber positiv überrascht – nicht vom Sony 24-105, diese Qualität habe ich erwartet. Nein, vom Minolta 35-105 bei F4, denn das sieht mir doch zeimlich gleichwertig aus. Tatsächlich muss man schon sehr genau hinschauen um den kleinen Vorteil des Sony FE 24-105 F4 G OSS bei den Mikrokontrasten zu erkennen, die den Bildausschnitt link etwas krisper und knackiger machen.

F8 Bildmitte bei 35mm, links das Sony 24-105, rechts das Minolta 35-105

Bei F8 sieht es dann aber leider etwas anders aus. Hier kann das Minolta – aus welchem Grund auch immer – nicht mithalten. Ich habe mir das Bild genau angeschaut: An einer Bewegungsunschärfe kann es nicht liegen. Vielleicht geben die Vergleiche der Randbereiche Aufschluß und einen Hinweis:

F4 am Bildrand bei 35mm, links das Sony 24-105, rechts das Minolta 35-105

Wie schon beim Minolta 28-85mm zu sehen war, darf man die Erwartungen hinsichtlich der Randbereiche bei diesen Schätzchen nicht zu hoch ansetzen. Bei F4 ist ein deutlicher Abfall bei Schärfe und Auflösung zum Rand hin zu erkennen und auch die chromatischen Aberrationen sind zu erkennen, wenn auch in geringem Ausmaß.

F8 am Bildrand bei 35mm, links das Sony 24-105, rechts das Minolta 35-105

Die chromatischen Aberrationen verschwinden auch bei F8 nicht, jedoch wird die Bildqualität geringfügig besser. Wenn man also nicht unbedingt Schärfe bis in die Ecken braucht, ist das Minolta 35-105mm bei 35mm und Offenblende bzw. F4 gut an hochauflösenden Sensoren gut nutzbar.

70mm

Wie bei den anderen Brennweiten starten wir auch bei 70mm mit einer Überlagerung bei F4 und F8:

Wie schon bei 35mm sieht man in der Überlagerung erst einmal nur Unterschiede in der Farbgebung. Weitere Einblicke bieten nun wieder die Ausschnittsvergrößerungen, auch hier wieder zuerst bei F4 aus der Bildmitte:

F4 Bildmitte bei 70mm, links das Sony 24-105, rechts das Minolta 35-105

Auch hier überrascht das Minolta mit einer guten Bildqualität die der des Sony 24-105 in nichts nachsteht. Und dieses Ergebnis verändert sich auch nicht bei F8:

F8 Bildmitte bei 70mm, links das Sony 24-105, rechts das Minolta 35-105

Schauen wir uns diesen Vergleich bei 70mm am Bildrand an, zuerst bei F4:

F4 Bildrand bei 70mm, links das Sony 24-105, rechts das Minolta 35-105

Auch hier sind kaum Unterschiede zwischen diesen beiden Objektiven auszumachen, was ich bei F8 ebenfalls kaum ändert, denn hier liegt das Sony FE 24-105mm leicht vorne:

F8 Bildrand bei 70mm, links das Sony 24-105, rechts das Minolta 35-105

Bei 70mm ist mein Exemplar des Minolta MD Zoom 35-105mm ebenso gut an einer hochauflösenden Kamera wie das moderne Sony FE 24-105mm, womit nur noch die Frage bleibt, wie es am langen Ende aussieht, bei:

105mm

Für diesen letzten Vergleich werde ich die Abfolge nicht extra ändern und somit kommen wir zu den Überblendungen bei F4 und F8:

Wie schon zuvor fällt auch hier als erstes die unterschiedliche Farbgebung auf. Mehr lässt sich aber an der Überblendung nicht erkennen und so auch hierzu wieder die Ausschnitt aus der 100%-Ansicht, beginnend mit der Bildmitte bei F4 und F8:

F4 Bildmitte bei 105mm, links das Sony 24-105, rechts das Minolta 35-105
F8 Bildmitte bei 105mm, links das Sony 24-105, rechts das Minolta 35-105

Hier decken sich die Erkenntnisse bei 105mm mit denen bei 35 und 70mm, welche das Minolta 35-105mm aus meiner Sicht über den gesamten Brennweitenbereich zu einem durchaus tauglichen Objektiv an hochauflösenden Sensoren macht. Ob man nun bei 105mm am Bildrand Kompromisse eingehen muss zeigt der nächste Vergleich:

F4 Bildrand bei 105mm, links das Sony 24-105, rechts das Minolta 35-105
F8 Bildrand bei 105mm, links das Sony 24-105, rechts das Minolta 35-105

Okay, am Bildrand fällt das Minolta MD Zoom hinter das Sony Zoom zurück. Beide Objektiv sind am linken Bildrand nicht so richtig überzeugend – etwas, das für den rechten Bildrand so nicht gilt.

Fazit

Ich denke, das angeführte Bildmaterial und die Ausschnittsvergleiche sprechen eine deutliche Sprache. Bei meinen beiden Exemplaren lässt sich sagen, dass das Minolta MD Zoom 28-85mm 1:3.5-4.5 nicht wirklich nutzbar ist – nicht an hochauflösenden Kameras und auch nicht an anderen Kameras. Ich werde mir in Zukunft sogar überlegen, es an meinen Minolta-Kameras mit Film zu benutzen, da es sichtliche Fehler aufweist – vermutlich eine Dezentrierung.

Anders beim Minolta MD Zoom 35-105mm 1:3.5-4.5, welches über den gesamten Brennweitenbereich richtig gut mit dem Sony FE 24-105mm F4 G OSS mithalten kann. Bei diesem Objektiv (und meinem Exemplar) würde ich eine Empfehlung für den Einsatz an digitalen Vollformat-Kameras aussprechen, auch an hochauflösenden Kameras, wenn man nicht das letzt Quentchen Schärfe in den Ecken benötigt. Und was für Vollformat gilt, ist natürlich ohne Weiteres auf APS-C übertragbar.

Alle hier verwendenten Bilder findet ihr in voller Auflösung in der folgenden Flicker-Auswahl:
https://www.flickr.com/photos/joerg_haag/shares/6R7kDn

Rückblick

Wer sich für die Vergleiche mit den kleineren Brennweiten (21mm und 35mm) interessiert und die Ankündigung von Teil 1 verpasst hat, findet diesen Vergleich hier: https://joerghaag.com/?p=21434

Den Vergleich der Portraitbrennweiten von 50/55mm und 85mm findet ihr im Teil 2 unter:
https://joerghaag.com/?p=21531

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J. Haag

Ich bin 1967 geboren und am Rande der Eifel in Oberelvenich und in der Natur aufgewachsen. Seit 1988 beschäftige ich mich mit der Fotografie.

Fotografie bedeutet für mich Entspannung und Abenteuer zu gleichen Teilen. Seit den ersten analogen Bildern begleiten mich Kameras und Objektive von Minolta und nach der Übernahme durch Sony bin ich dem System treu geblieben.

Heute nutze ich neben spiegellosen Systemkameras mit Kleinbildsensor auch wieder analoge Kameras im Kleinbild- und Mittelformat sowie Sony Cybershot-Kameras mit 1"-Sensor für meine fotografischen Arbeiten, wobei ich den elektronischen Sucher der Sony-Kameras besonders schätze.

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